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21.04.2010 12:20 Alter: 7 Jahre

60 Jahre Musikhochschule - 60 Veranstaltungen: Jetztmusik - Zeitgenössische Kompositionen

60 Jahre - 60 Veranstaltungen heißt das Motto, unter dem die Hochschule für Musik und Theater Hamburg ihr 60-jähriges Jubiläum während des ganzen Jahres 2010 feiern wird. In Konzerten, Opern- und Theateraufführungen, Vorträgen und Symposien wird das ganze Spektrum der Hochschularbeit präsentiert.

 

Dazu gehört auch die Veranstaltung

 

Jetztmusik - Zeitgenössische Kompositionen

am Montag, den 26. April, 20:00 Uhr

im Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Eintritt frei.

 

Auf dem Programm stehen Kompositionen von Peter Michael Hamel, Wolf Kerschek, Wolfgang-Andreas Schultz, Sebastian Sprenger und Roman Vinuesa ? allesamt Absolventen bzw. Professoren der Hamburger Musikhochschule. Die ausführenden Musiker sind Ulrike Höfs (Flöte), Christian Stahnke (Viola) und Eva Pressl (Harfe).

Der Abend wird von Manfred Stahnke moderiert.

 

 

Anmerkungen zu den Werken:

Sebastian Sprenger: KLEE (2003) - Querflöte solo / tempus recurvatum (2007) - Querflöte und Monochord (ad lib.)

KLEE ? neben der mit vielerlei symbolischen Vorstellungen belegten, an sich jedoch eher unscheinbaren Pflanze evoziert der Titel natürlich den Namen des berühmten Schweizer Malers. Meine besondere Liebe gilt dabei Klees späten Zeichnungen wie etwa der Reihe der Engelsgestalten, in denen Klee auf jede Demonstration einer handwerklichen Virtuosität verzichtet und zu einer beinahe unbeholfen anmutenden, an Kinderzeichnungen erinnernden "zweiten Naivität" zurückfindet. Ebenso empfinde ich bisweilen Musik als reizvoll, bei der die Grenze zwischen Weisheit und kompositorischem "Unvermögen" - man denke etwa an Satie, Cage oder auch Pärt - zu verfließen scheint.

"tempus recurvatum" - die "zurückgekrümmte Zeit" - besteht sowohl im Gesamtverlauf als auch in den einzelnen Phrasen ausschließlich auf in sich rückläufigen Strukturen. Kann diese innere Rückläufigkeit beim Hören sehr kurzer Phrasen spontan vielleicht noch einigermaßen nachvollzogen werden, wird dies bei zunehmender zeitlicher Ausdehnung der melodischen Gebilde sehr schnell unmöglich, wodurch ein eher labyrinthischer Gesamteindruck entsteht.

 

Wolfgang-Andreas Schultz: "Divino Orfeo" / 8 "Orfeo Fragmente"

"Divino Orfeo" ist ein imaginäres Theater für Flöte, Viola, Harfe und Orchester nach einem geistlichen Drama von Calderon. Orpheus (dargestellt durch die Solistengruppe) ist die göttliche Stimme, die durch ihren Gesang die Welt erschafft, und dann (in Parallelsetzung von antiker und christlicher Tradition) Eurydike, der Allegorie der menschlichen Natur, begegnet im Paradies bzw. in Arkadien; die Schlange, die den Sündenfall auslöst, ist zugleich die, die Eurydike tötet, und Orpheus' Abstieg in die Unterwelt entspricht Christi Höllenfahrt.

Die 8 "Orfeo-Fragmente" stellen einige der Solostellen zusammen: Beschwörung 1 bis 5, Arkadien, Totenklage, Hades.

 

Roman Vinuesa: Trio für Harfe, Viola und Flöte (2002)

In dem 2002 entstandenen Trio für Harfe, Viola und Flöte bildet eine an komplexe rhythmische Strukturen gebundene Vorstellung die Ausgangslage der Komposition.

Die Komposition stellt den Versuch dar, die traditionell behaftete Klangvorstellung des Harfentrios in ein neues Licht zu stellen und in zum Teil ungewohnte Bereiche zu führen. So liegen der Harfe beispielsweise Texturen und Figurationen zugrunde, welche vom instrumententypischen Standpunkt und von einer Erwartungshaltung her vorerst als ungewohnt erscheinen mögen, aber in gleicher Weise wie die ostinaten Patterns und Figuren der Viola in Verbindung mit einer rhythmisch-flächigen Grundkonzeption stehen.

 

Wolf Kerschek: "Duft der Ferne" für Flöte, Harfe und Viola

Als Jazzer verehre ich viele klassische Musiker und bin in der glücklichen Lage, von ihnen viel über Musik zu lernen, wofür ich sehr dankbar bin. Im Gegenzug sehe ich meine Verpflichtung darin, diese mit den Elementen der Musik zu konfrontieren, die im Abendland aus bisher ungeklärten Gründen sich kaum entwickelt haben: Groove und Rhythmus. Daher schreibe ich z.Zt. häufig "Etüden", die klassische Musiker vor einige Herausforderung stellt, da dort "weltmusikalische" Rhythmen (aus internationaler Volksmusik) vorkommen, mit denen man sich dann wohl auseinander setzen muss.

"Duft der Ferne" entstand aus dem Fernweh, welches mich in diesen Tagen von Zeit zu Zeit befällt (Nach Jahrzehnten intensiven Reisens bin ich nun länger in Hamburg als je zuvor in meinem Leben) und hat gewisse programmatische Aspekte (Szenen: "Sehnsucht", "Aufbruch mit dem Zug", "Blütenmeer", "lustige Leute am Lagerfeuer", "Gedanken", "Abenteuer" und "Erinnerung".)

 

Peter Michael Hamel: Kindertrio

Das "KINDERTRIO" entstand im Dezember 1991 in der irischen Cloongee National School auf Anregung der Solisten dieser Uraufführung und ist Maestro Celibidache zum 80. Geburtstag gewidmet. Das Stück hat vier Sätze, denen sprachverwandte einstimmende Worte vorangestellt sind: 1. "Inständig", 2. "Inwendig", 3. "Inbrünstig", 4. "Innig". Der Titel "KINDERTRIO" signalisiert, dass die Komposition mit einfachen Motiven und Strukturen gearbeitet ist, welche auch von Kindern wahrgenommen und erlebt werden können: inwendige Klangzustände der Harfe, inständige Motorik der Viola, innige Melodik der Flöte. So entstand erneut eine "Musik zwischen den Welten" (zwischen E und U, leicht und schwer, Ost und West, minimal und atonal), ein weiterer Versuch ganzheitlicher Überwindung der Polarität von Konsonanz und Dissonanz: Modale, diatonische, dodekaphone, serielle und mikrotonale Elemente begegnen und befruchten sich im harmonikalen Klangraum der Naturtonreihe.