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30.04.2009 11:00 Alter: 8 Jahre

"Der Lyriker am Klavier": Antrittskonzert des neuen Klavierprofessors Oliver Kern

Oliver Kern, seit dem Wintersemester 2008 neuester Klavierprofessor an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, gibt am

 

Dienstag, den 12. Mai 2009, 20:00 Uhr

im Forum der Hochschule

 

sein Antrittskonzert. Der Eintritt ist frei.

 

Das für diesen Abend von Oliver Kern gewählte Programm ist Brahms und Ravel gewidmet und damit bewusst doppeldeutig gestaltet:

In Brahms' f-moll-Sonate ist eine Art doppelter Liebesgeschichte enthalten, positiv der zweite Satz, aber, strukturell ungewöhnlich, ein tragischer zweiter langsamer Satz (der vierte Satz) steht diesem als Kontrast entgegen. Der fünfte Satz bringt die "Entscheidung".

 

In Bachs "Chaconne" ist wohl die Trauer über den Tod seiner ersten Frau verarbeitet, dennoch ist eine Chaconne ein Tanzsatz, Bestandteil einer Suite, der d-moll-Partita.

 

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem zu Brahms sehr kontrastären Komponisten Maurice Ravel. In "Le Tombeau de Couperin" geht es wiederum um Tanz und Tod: "Tombeau" als weltliche, instrumentale Trauermusik, als Suite, also Tanz. Jedes einzelne Stück einem gefallenen Kameraden im 1. Weltkrieg gewidmet. Hinzu kommt hier der Kontrast impressionistischer Musik, von Klangflächen, zu der barocken Cembalomusik eines Couperin.

 

Auch "La Valse", zunächst als Glorifizierung des Wiener Walzers geplant, wird erst nach 9 Jahren unter dem starken Einfluss des Weltkrieges beendet. Die imperialistischen Walzerklänge, die noch durchscheinen, gehen in dunklen Wolken und am Ende in einem apokalyptischen Strudel unter. Glorifizierung und Untergang unter einem Hut.

 

Oliver Kern zu seinem Programm: "Diese extremen Gegensätze, die sich durch alle Werke ziehen und "unter einen Hut" zu bringen sind, faszinieren mich. Dazu handelt es sich bei den Komponisten Brahms und Ravel um zwei meiner Lieblingskomponisten, die auch gegensätzlicher kaum sein können - Ravel hat übrigens von Brahms, vor allem von dessen Klavierkonzerten, sehr wenig gehalten!"

 

Oliver Kern

gewann zahlreiche internationale Preise, darunter den ARD-Musikwettbewerb und den Beethovenwettbewerb Wien, spielte u. a. mit dem Orchester des Bayerischen , Norddeutschen und des Österreichischen Rundfunks, dem China National Symphony Orchestra, dem New Japan Philharmonic Orchestra. Zahlreiche Produktionen und Konzertmitschnitte von ARD, ORF; RAI und Radio France sowie CD-Einspielungen von Beethoven, Brahms, Chopin, Skrjabin u.a. Bekannt ist Oliver Kern als Brahms-Spezialist, so führte er z. B. sämtliche Klavierkompositionen beim Classix Festival Braunschweig 2003 und in Seoul 2004 und 2005 auf. Er steht regelmäßig mit der Geigerin Tanja Becker-Bender, dem Cellisten Julius Berger, oder dem Streichquartett der Mailänder Scala auf der Bühne. 2008 lehrte Oliver Kern an der Hanyang University Seoul, seit dem Wintersemester 2008 an der Hamburger Musikhochschule.

 

Für seinen Unterricht hat sich Oliver Kern als oberstes Gebot gesetzt, den Studierenden Selbständigkeit beizubringen - im Gegensatz zu seinen Erfahrungen als Klavierprofessor in Korea, wo das Wort und die Einschätzung des Lehrers alles gelten. Von allen seinen Studierenden, gleich, ob Haupt- oder Nebenfächler oder Kirchenmusiker erwartet er als Gegenleistung maximales Engagement und musikalisches Verständnis.