Deutsch
English
< zurück
20.05.2009 12:47 Alter: 8 Jahre

Der Straßenmusik auf der Spur: Populäre Musik in der urbanen Klanglandschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Drei Tage lang werden populäre Musik der Vergangenheit und historische Klanglandschaften der Städte aus verschiedenen Weltregionen wieder vergegenwärtigt, in Wort, Bild und Ton. Dazu zählen schwerpunktmäßig Hamburg sowie München, Wien und Berlin, ferner London, Paris, und die USA mit Schwerpunkt New York und New Orleans. Musik wirkt dabei als kleiner Klangtrost im anstrengenden Alltag, aber nicht selten auch als Lärm - bekanntlich ein aktuelles Thema.

 

Wir laden Sie herzlich ein zu dem Symposium

Populäre Musik in der urbanen Klanglandschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

in der Hochschule für Musik und Theater Hamburg am:

 

Dienstag, 26.5.2009

09.00-12.45h Orchesterstudio

14.00-18.30h Budge 12

18.30-19.30h Orgelstudio

 

Mittwoch 27.5.2009

14.00-18.30h Orchesterstudio

18.30-20.00h Budge 12

 

Donnerstag, 28.5.2009

13.00-16.15h Budge 12

16.15-20.00h Orchesterstudio

 

- Eintritt frei.

- Konzeption und Organisation: Nils Grosch, Hanns-Werner Heister, Tobias Widmaier

- Deutsches Volksliedarchiv. Institut für internationale Popularliedforschung Freiburg i. Br. und Hochschule für Musik und Theater Hamburg

- Gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderungen

 

Das Eröffnungsreferat hält Hanns-Werner Heister: "Die Strasse dient dem Verkehr" - Platzkonzert oder das falsche und das wahre Allgemeine". Als weitere Beispiele aus dem umfassenden Programm seien hier genannt:

- "Wo die schönen Trompeten blasen" - Biergärten, Plätze, Straßen: Blasmusik und Blasmusikkapellen in Hamburg.

- "Zwischen Gassenhauer und Heilsarmee-Choral. Straßenmusik des 19. Jahrhunderts.

- "Blasmusik - im Stil der Hamburger "Pankoken"-Kapellen".

- "Wien bleibt Wien" - Schrammelmusik und ähnliches.

- "In den Straßen von New Orleans": Klingende kommentierte Rekonstruktionen von Honky-Tonk-Piano, Jug-, Tub- und Streetband-Musik.

- "Tin Pan Alley New York, Gershwin und andere - Song-Plugging live zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Detailliertes Programm: unter www.hfmt-hamburg.de

 

Studiokonzert am 27.5.2009. 17:00 - 18.30 Uhr: Auswahl aus verschiedenen Programmen: "Hamburger Veermaster", "Pankoken"-Kapelle, "Brillante morceaux für zwei linke Hände", Straßenmusik des 19. Jahrhunderts.

 

Der Straßenmusik auf der Spur

Das interdisziplinär angelegte Symposium kombiniert wissenschaftliche und künstlerische Beiträge. Durchgängig zeigt sich die Verschränkung verschiedener musikalischer Bereiche durch interkulturelle und intersoziale Aneignung: Kaufhaus und Kirche, Bordell und bürgerlicher Salon, Biergarten und Konzert, Straße und Kino, Hinterhof und Opernhaus waren dabei nicht streng voneinander abgeschirmte, sondern wechselseitig für einander durchlässige Sphären.

 

Spiel auf der Nervenklaviatur

In seiner 1908 erschienenen, Der Lärm betitelten "Kampfschrift gegen die Geräusche unseres Lebens" erregte sich der Kulturphilosoph Theodor Lessing über das "Getobe unermesslich anschwellender Riesenstädte", in denen "einer auf des anderen Nervenklaviatur" spiele. Unter allen urbanen Geräuschquellen fühlte Lessing sich von Musik mit am meisten gestört. So mokierte er sich über die "grauenhafte Unsitte" der Biermusiken und Promenadenkonzerte oder die "Tyrannei" des Klavierspiels bei geöffnetem Fenster.

 

Der als Folge einer dynamischen Urbanisierung seit Mitte des 19. Jahrhunderts wachsende Geräuschpegel wurde vielfach problematisiert, einschließlich der Störungen durch öffentliches und privates Musizieren.

 

Viele Werke der Opusmusik wurden in Bearbeitungen als Straßenmusik auch in gesellschaftlichen Schichten popularisiert, die keinen Zugang zu den exklusiven Stätten der Hochkultur hatten. Die weltweit operierenden Wanderkapellen deutscher Herkunft werden wie die Drehorgelspieler und andere musizierende Arbeitsmigranten zu Vermittlern eines breiten musikalischen Repertoires. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen Kulturtransfers hinzu, die durch die Mechanisierung ermöglicht wurden: Selbstspielende Klaviere in Gaststätten, Grammophone auf dem Balkon, Musik der frühen Kine­matographie ? für unfreiwillige Ohrenzeugen vielfach ein Ärgernis. Bestimmte Formen von Musik waren im öffentlichen Klangraum politisch durchaus aber auch erwünscht, wie sich am Status der Militärmusikkapellen im Deutschen Kaiserreich zeigt, die bei ihren Aufmärschen und Platzkonzerten stets auch ein gesellschaftliches Leitbild repräsentierten. Andere dagegen - wie etwa die Arbeiterbewegung mit ihrer Musik - konnten sich nur gegen Widerstände Gehör verschaffen.