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05.09.2016 02:05 Alter: 91 Tage

Ehrendoktorwürde für Prof. Dr. John Chowning

Die Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) hat Prof. Dr. John Chowning in Anerkennung seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen und in Würdigung seiner bedeutenden künstlerischen Persönlichkeit den Doktor der Musikwissenschaften ehrenhalber (Dr. sc. mus. h. c.) verliehen.

Von links: Maureen Chowning, John Chowning, Cat Hope, Georg Hajdu und Kilian Schwoon

Die  auf Initiative von Prof. Dr. Georg Hajdu, Vorsitzender des HfMT-Promotionsausschusses  und Leiter der SMC2016-Konferenz zurückgehende Verleihung der Urkunde an den „Vater der Computermusik“ fand am 2. September in feierlichem Rahmen im Budge-Palais der HfMT statt.
Der Präsident der HfMT, Prof. Elmar Lampson hierzu: „Es beeindruckt mich sehr, dass Herr Prof. Dr. John Chowning bereits in den 60er Jahren ein Computerprogramm zur Erzeugung von Klängen mitentwickelte. Für die heutige junge Generation von Musikern sind digitale Klänge etwas ganz selbstverständliches. Damals war es eine bahnbrechende Innovation. Daher freue ich mich sehr, dass unsere Hochschule dem international bereits hoch geehrten Prof. Dr. John Chowning zur Würdigung seiner außerordentlichen künstlerischen und wissenschaftlichen Innovationskraft den Doktor der Musikwissenschaften ehrenhalber verleiht und gratuliere ihm sehr herzlich.“

Laudator Prof. Kilian Schwoon, Professor für elektroakustische Komposition an der Bremer Hochschule für Künste, stellt zu diesem Anlass fest: „John Chownings Musik faszinierte andere Komponisten wie György Ligeti, Luciano Berio und Luigi Nono nachhaltig. Dieses Ansehen konnte Chowning sicher nur erlangen, weil seine Forschungen immer durch musikalische Fragestellungen motiviert waren. Ihm war dabei immer klar, dass seine musikalischen Visionen nur in einem interdisziplinären Umfeld verwirklicht werden konnten, das Musik, Wissenschaft und technologische Entwicklung eng miteinander verknüpft. John Chowning ist ein erfahrener Navigator in der „verflüssigten“ Moderne, in der wir leben. Seine Musik ist eine großartige Einladung, die Herausforderungen dieser Moderne anzunehmen, anstatt an einer vermeintlich stabileren Vergangenheit festzuhalten.“
Die Verleihung der Ehrendoktorwürde ist, so fügt Prof. Schwoon hinzu „ein wunderbares Signal auch für die Musikstadt Hamburg, die sich damit nicht nur zu anderen Facetten der Tradition, sondern auch zur Notwendigkeit musikalischer Utopien bekennt.“  

 Künstlerischer und wissenschaftlicher Werdegang
John Chowning, 1934 in New Jersey (USA) geboren, ging nach dem Armeedienst Anfang der 1950er Jahre, während dessen er an der Navy School of Music studierte, an die Wittenberg University in Ohio und erwarb dort den Grad eines Bachelors. Er setzte seine Ausbildung bei Nadia Boulanger in Paris fort und studierte dann bei Leland Smith an der Stanford University, wo er 1966 den Doktorgrad erlangte.
1964 entwickelte er mit Max Mathews von den Bell Telephone Laboratories und David Poole von der Stanford University in den Stanford’s Artificial Intelligence Laboratories ein Computerprogramm zur Erzeugung von Klängen. 1967 erfand er einen digitalen Algorithmus zur Frequenzmodulationssynthese, an deren Nutzbarmachung für die Musik er in den folgenden Jahren arbeitete.
1973 erwarb die Yamaha Corporation das Patent für die FM-Synthese und baute mit dem MAD den ersten digitalen Synthesizer. Ebenfalls auf der FM-Synthese basierte die Synthesizer GS-1 und GS-2 sowie der populäre Yamaha DX-7, der 1983 erschien.
John Chowning wurde nach den Erfolgen seiner Erfindung bei Yamaha als Research Associate wieder eingestellt. Er wurde Leiter des Center for Computer Research and Musical Acoustics, das er selbst 1974 mit John Grey, James Moorer, Loren Rush und Leland Smith gegründet hatte, und erhielt 1979 den Professorentitel. 1988 wurde er Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

Die Wittenberg University verlieh ihm 1990 einen Ehrendoktortitel, ebsonso die Universität des Mittelmeeres Aix-Marseille II (2002) und die Queen’s University Belfast (2010). Das französische Kultusministerium zeichnete ihn 1995 mit dem Offizierskreuz des Ordre des Arts et des Lettres aus. Auch als Komponist lag das Hauptaugenmerk Chownings mit Werken wie Sabelithe (1971), Turenas (1972), Stria (1977) und Phone (1981) auf der Computermusik.