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05.07.2010 18:28 Alter: 6 Jahre

ERSTER KOMPONISTENMASTER VON HAMBURG

Der erste Absolvent des neuen Studienganges Master Komposition ist Ioannis Mitsialis aus Athen,

Rauhepreisträger und Inhaber des griechischen Staatsstipendiums.

Wir laden Sie herzlich ein zu einem

Komponistenportrait aus Anlass der Masterprüfung von Ioannis Mitsialis, Komposition

(Klasse Prof. Peter Michael Hamel)

am Freitag, den 9. Juli 2010, 20 Uhr in das Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Der Eintritt ist frei.

Zur Aufführung kommen folgende Werke:

 

Interaktionen für Klaviertrio (Hamburg, Juli 2009)

Ausführende:

Lisa Lammel,Violine

Daniel Sorour, Violoncello

Jan Gerdes, Klavier

 

Nachwort für Orgel (Hamburg, Mai 2010)

Prof. Wolfgang Zerer, Orgel

(im Orgelstudio)

 

Knast für Streichtrio (Hamburg, Mai 2010)

Es spielt das Trio Sonar:

Lisa Lammel, Violine

Joo-Hyung Kang, Viola

Daniel Sorour, Violoncello

 

Prof. Peter Michael Hamel zu den aufgeführten Werken:

Die zwei Trios des heutigen Konzertes beschäftigen sich mit einer Idee, die seit den letzten acht Jahren im Zentrum meines kompositorischen und ästhetischen Interesses steht: Interaktionen und interaktive Funktionen. Die Behandlung eines Ensembles als lebendiger Organismus, in dem viele Funktionen sich parallel entwickeln und miteinander reagieren, um neue Gestaltungsergebnisse oder manchmal neue Prozesse zu produzieren.

Über das Klaviertrio Interaktionen (UA des Klaviertrios von Ioannis Mitsialis am 11.11. 2009 anlässlich der Verleihung des Annemarie und Hermann Rauhe Preises) schreibt Peter Michael Hamel:

Erster Eindruck: Das Stück wird stark, 36 DIN A 3-große fotokopierte handgeschriebene Notenblätter lagen/standen/klemmten im Sommer auf/an meinem alten Bechsteinflügel im Chiemgau. Wenige Seiten fehlten noch, das Ende war absehbar nach einem weiteren großflächigen, auf dichtestem Raum sich entäußernden Fortissimoausbruch und nach löcherndem Verharren und einzelnen eigentümlichen Aufrüttelungen mit befremdlichen Spielanweisungen. In nächtelanger Arbeit hat der griechische Komponist dann druckreife Spielpartituren für die beiden Streicher und das Klavier erstellt. Ausführlich ist innerhalb unseres Hauptfachunterricht die formale und materiale Ausgangssituation des Stückes besprochen worden, erwünscht war ein umfängliches, mehrsätziges Werk, dann mischte ich mich nicht mehr ein ...

Für die drei Spielerinnen und dann auch für den Hörer scheint hier in dieser neuen Partitur anfangs alles rätselhaft und hermetisch. Mitsialis gibt keine affirmativen Spielmusikmuggen, Virtuosität und Einfühlungsvermögen werden anderweitig existentiell herausgefordert und führen über alle traditionell-akademischen Begrenzungen hinaus. Genaueste Verlaufpläne und detaillierte Aufstellungen sogenannter Strukturwerkzeuge und Situationen hat der Komponist entworfen, bevor die Niederschrift begann. Diese exakten Listen begleiten mich nun seit Wochen wie ein Fahrplan, von dem allerdings immer mehr Abweichungen sich vollziehen mußten zugunsten der sich einstellenden Eigengesetzlichkeiten des Materials. Mitsialis ist kein konzilianter Komponist, der es sich und dem Hörer und vor allem seinen InterpretInnen besonders leicht machen würde. Denn es treibt ihn stets an die Grenzen des Ausdrucks und er hält sich frei von den vermittelnden Versöhnungsunternehmungen seines Lehrers.

Je mehr ich jedoch mich eingelesen hatte, die Bezüge der Vorausplanung wahrnehmend und von einer rhapsodischen Gestik und Kraft fasziniert, desto stärker trat für mich etwas ganz anderes Absichtsloses aus dem Hintergrund: Hinter dem akkribischen Verlaufsplan, unter den genauestens festgelegten Strukturwerkzeugen und in den sieben dichten Situationen wird für meine Begriffe noch eine ganz andere existentielle Geschichte erzählt, welche ich als eine griechische Passion bezeichnen würde, frei nach Kasanzakis. So wie Alban Bergs Lyrische Suite oder Janáceks Intime Briefe gleichzeitig autonome Kunstwerke sind und teils unbewusste, teils verborgene und verschlüsselte emotionale Äußerungen enthalten. Damals schickte mir der Komponist während seiner Arbeit an der Spielpartitur eine Nachtaufnahme des heimatlichen Stadtteils mit folgendem Text "...das ist meine Region in der Nacht, eine der schlimmsten und gefährlichsten von Athen, da hab ich meine Kindheit erlebt, das ist meine Welt, die ich liebe, diese dunkle Poesie ... "

In Abhängigkeit mit dem oben genannten Ziel geht Knast für Streichtrio einen Schritt weiter. Es gewinnt an Deutlichkeit und Kraft des Ausdrucks und es lädt den offenen Hörer zu einem spannenden Erlebnis ein, das mit einem besonderen Phänomen verbunden ist: Immer ähnlich, aber niemals das gleiche.

Das Nachwort für Orgel, das den Mittelteil des Konzerts bildet, funktioniert als Brücke zwischen den zwei Trios. Es bewegt sich auf einigen Urmaterialzellen, die nicht von ihren eigenen Gesetzen befreit werden können. Großer Dank an Herrn Prof. Wolfgang Zerer, der die Aufführung des Werkes selbst übernommen hat.

 

Biografien:

Ioannis Mitsialis, 1978 in Athen geboren, hat sein Musikstudium am Nationalkonservatorium begonnen (theoretische Fächer, Orgel und Klavier). An der Musikfakultät der Ionischen Universität (Korfu) setzte er bei Iosiph Papadatos seine Kompositionstudien fort die im Jahre 2003 mit einem Diplom abgeschlossen wurden. Im Anschluß daran konnte er bei Klarenz Barlow seine Studien vertiefen. Darüber hinaus hat er an Seminaren und Kompositionsworkshops mit Adriana Hölszky, Hans-Jürgen von Bose, Gunther Schuller, Nikolaus Brass und Edith Canat de Chinzy teilgenommen.

Ioannis Mitsialis Kompositionen umfassen ein breites Spektrum (Kammermusik, Vokalmusik, Musiktheater, Instrumentensolo) die u.a. in Deutschland, Holland und Griechenland aufgeführt wurden. Die Komposition ?Symmetry-Development? wurde unter der Leitung von Theodor Antoniou im Athener Konzerthaus aufgeführt in Zusammenarbeit mit dem Verein Griechischer Komponisten und dem Ensemble Modern. Seit September ist er, mit einem staatlichen Stipendium Griechenlands, Master Student für Komposition bei Prof. Michael Hamel an der Musikhochschule Hamburg.

Am 11.11.2009 erhielt er den Annemarie und Hermann Rauhe Kompositionspreis für das Klaviertrio ?Interaktionen? (Hamburg 2009). Die Uraufführung fand am 11.11.2009 m Forum der Musikhochschule Hamburg bei dem KIM Trio.

Ab Oktober 2010 wird er als Stipendiat der Oscar Vera-Ritter Stiftung seinem Kompositionstudium bei Prof. Claus-Steffen Mahnkopf an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig vertiefen.

 

Das trio sonar, Streichtrio für aktuelle Musik, bringt die Strömungen neuester Musik mit all ihren Experimenten zum Klingen. Es konzentriert sich in seiner Repertoireauswahl vor allem auf die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Die unmittelbare Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten ist dem Streichtrio von großer Bedeutung. Dadurch ergeben sich viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen wie Tanz, Theater, Darstellender Kunst und neuen Medien.

Das trio sonar konzertierte u.a. im Rahmen des Intersonanzen Festivals in Potsdam, der Magdeburger Festtage, des pur oder plus Festivals in der Akademie der Künste Hamburg, konzertierte bei den Hamburger Klangwerktagen und innerhalb des Katarakt Festivals Hamburg wie auch im Rahmen der Konzerte der Darmstädter Ferienkurse und der Konzertreihe Unerhoerte Musik Berlin. Konzertmitschnitte des MDR im Rahmen der Magdeburger Musiktage.

 

Der Pianist Jan Gerdes gehört zu den interessantesten und vielseitigsten Musikern seiner Generation. Als Pianist zwischen Tradition und Avantgarde beherrscht er sowohl das klassisch-romantische als auch das zeitgenössische Repertoire. Eine internationale Konzerttätigkeit führte den vielfach ausgezeichneten Künstler in viele Länder Europas, nach Südamerika und Fernost. Als Grenzgänger zwischen Klassik, Neue Musik, Elektronika und Performance entwickelt Gerdes mit seinem Piano- Elektronik-Duo ? EROL? oder seinem Musik-Theater- Projekt ? solosymphonie productions? innovative Programme und interdisziplinäre Projekte, die Traditionelle und Moderne dramaturgisch durchdacht wie selbstverständlich gegenüberstellen und dadurch sinnlich erfahrbar machen.