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31.05.2011 12:00 Alter: 6 Jahre

Gefeierte Premiere von Haydns "L'Infedeltà delusa"

„Rasend komisch“, „abendfüllendes Hörvergnügen“, „hinreißende, hochprofessionelle Produktion“ – mit hervorragenden Kritiken reagierte die Hamburger Presse auf die Premiere der Haydn-Oper „L‘ Infedeltà delusa“ unter der Regie von Anthony Pilavachis am vergangenen Sonntag im Forum der Musikhochschule.

Nora Friedrichs als spinnerte Alte, die mit vollem Einsatz auf Filippo (Yongho Vhoi) einzetert (Foto: Warneyer)

Nachfolgend einige Auszüge

Lutz Lesle in der WELT vom 31. Mai:

„Wenn ich eine gute Oper hören möchte, gehe ich nach Esterház", soll Kaiserin Maria Theresia geäußert haben, als sie im September 1773 im Hoftheater auf Schloss Esterház am Neusiedlersee der burlesken Oper "L'infedeltà delusa" (Die vereitelte Untreue) beiwohnte: eine emanzipatorische Bauernkomödie, die Hofkapellmeister Joseph Haydn zum Namenstag der Schwägerin seines Musik liebenden Fürsten komponiert hatte. "Wer eine gute Operninszenierung sehen möchte, der gehe ins junge Forum an der Außenalster", ließe sich der Ausspruch der Monarchin hamburgisch-aktuell parodieren - unter dem Eindruck der umwerfend komisch und verspielt, doch stets musiknah inszenierten Haydn-Oper, die Anthony Pilavachi, der ingeniöse Schmied des Lübecker Nibelungen-Rings, mit erwählten Masterprüfungskandidaten der Hamburger Opernklassen auf die Forums-Bühne der Hochschule für Musik und Theater brachte.
Allein dass es der Theaterakademie gelang, den umworbenen Regisseur für die Arbeit mit Studierenden zu gewinnen, darf als echter Glückfall gelten. Denn eine härtere, ergiebigere Schule darstellerischen Partienstudiums, entlarvenden Buffospiels, text- und tongerechter Mimik und Körpersprache ist kaum vorstellbar. Einige Wochen musikalischer und szenischer Knochenarbeit mit Haus-Korrepetitor Werner Hagen, der in der Aufführung die Hamburger Symphoniker dirigiert - und Gastregisseur Pilavachi brachten allen Beteiligten sichtlich und hörbar mehr Lerngewinn als semesterlanges "Trockenüben". (…)

Joachim Mischke vom Hamburger Abendblatt ist gleichfalls voll des Lobes und hebt besonders die Leistung von Nora Friedrichs in der Rolle der Vespina hervor:

„Hach ja, Studentenaufführung, ganz niedlich. Bei diesem Pauschalurteil klingt gern auch der Vorwurf des Selbstgeklöppelten und ja nur Semiprofessionellen mit. Doch von rechtschaffen oder gar bemüht ist die aktuelle Inszenierung im Forum der Musikhochschule Welten entfernt. So weit, dass sich die Staatsoper, an der man in den letzten Jahren schon zu oft Gutgemeintes mit ansehen durfte, bei aller Unvergleichbarkeit der Apparate, Ausmaße und Ansprüche selbstkritisch fragen sollte, woran das wohl liegen könnte, oder an wem.
Mit Haydns Brautschau-Burleske "L'Infedeltà delusa" in der Regie von Anthony Pilavachi stellte die Pöseldorfer Nachwuchs-Bühne eine hinreißende, hochprofessionelle Produktion ins Rampenlicht, die bestens geeignet ist, für hiesige Opernfreunde (und alle, die das in zweieinhalb flott vergehenden Stunden werden möchten) zum letzten Pflichttermin vor der nahenden Sommerpause zu werden.
(…)
Absolute Abräumerin des Premierenabends war von Anfang an Nora Friedrichs als Vespina, die flotte Biene vom Lande auf der Suche nach der großen Liebe. Friedrichs kostete ihre Paraderolle nicht nur stimmlich voll aus und wurde von Soloauftritt zu Soloauftritt freier, mutiger und charmanter. Sie warf sich auch wie die sprichwörtlich unbremsbare Rampensau auf die Chance, zu Beginn des zweiten Akts eine depperte Alte zu geben und durch deren Wehwehchen-Arie zu krakeelen, zu rotzen und zu röcheln.
Auch als deutscher Diener des Marchese - gut erkennbar an der Verkleidung als tumb-teutonische Kräuterlikörflasche - kassierte sie verdienten Szenenapplaus. Darf man jetzt schon eine beachtliche Karriere voraussagen? Nach diesem Auftritt muss man, und das gern.“

"L'Infedeltà delusa"

Musikalische Leitung: Werner Hagen

Regie: Anthony Pilavachi

Ausstattung: Markus Meyer

Kostümanfertigung: Atelier Constanze Schuster

Vespina: Yun-Jeong Lee / Nora Friedrichs

Sandrina: Hyerim Park / Steinunn Skjenstadt / Jisun Kim

Filippo: Yongho Choi / Michael Connaire a.G.

Nencio: Kyoung-Mook Kang / Fakai Tang

Nanni: Kihwan Sim / Han Sung Yoo

Es spielen die Hamburger Symphoniker

Eintritt: € 20,-- , Schüler und Studierende: € 10,--

Kartenvorverkauf: Konzertkasse Gerdes, Rothenbaumchaussee 77

Tel.: (040) 45 33 26 oder 44 02 98

Eine Produktion der Theaterakademie Hamburg im Rahmen der Reihe junges forum Musik + Theater.

Weitere Termine

Donnerstag, den 2. Juni 2011: 19:30 - 22:00

Freitag, den 10. Juni 2011: 19:30 - 22:00

Sonntag, den 12. Juni 2011: 19:30 - 22:00

Montag, den 20. Juni 2011: 19:30 - 22:00

Mittwoch, den 22. Juni 2011: 19:30 - 22:00

Freitag, den 24. Juni 2011: 19:30 - 22:00

Sonntag, den 26. Juni 2011: 19:30 - 22:00

Dienstag, den 28. Juni 2011: 19:30 - 22:00