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08.05.2012 15:02 Alter: 5 Jahre

Hamburger Musikhochschule weiht als Zweite eine Wellenfeldsyntheseanlage ein

Neue akustische Erfahrungen für Zuhörer durch revolutionäres Beschallungsprinzip

Grafik: Fraunhofer Institut

Im Rahmen des „Blurred Edges“ Festival 2012 laden wir Sie herzlich ein zu der feierlichen

 

Einweihung der neuen Wellenfeldsynthese-Audioanlage 

am Freitag, den 11. Mai 2012, 18 – 23 Uhr 

Multimediahörsaal

Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Harvestehuder Weg 12

20148 Hamburg.

 

Eintritt frei.

Als zweite Musikhochschule in Deutschland hat die Hamburger Hochschule für Musik und Theater eine Wellenfeldsyntheseanlage erhalten. Hierbei handelt es sich um ein revolutionäres Beschallungsprinzip, mit dem sich Wellen erzeugen lassen, die Schallquellen punktgenau abbilden können. Auf diese Weise erlebt man den Schall nicht als von Lausprechern ausgehend, sondern von einem bestimmten Punkt im Raum. Mit anderen Worten: Es könnte eine Geige im Konzert virtuell auf dem Schoss des Nachbarn platziert werden, ohne dass diese sich physisch dort befinden muss. Man spricht daher, in Analogie zur visuellen Holographie, auch von Holophonie. Echtes 3D wird möglich, den Zuhörern bieten sich dadurch neue akustische Erfahrungen.

 

Sowohl klassische Tonbandstücke als auch zeitgenössische elektro-akustische Kompositionen werden an dem Abend präsentiert. Besondere Highlights sind eine Werkeinführung von Hans Tutschku aus Boston via Skype, sowie eine Netzwerkmusikperformance mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die ebenfalls seit kurzem eine Wellenfeldsynthese-Anlage besitzt.

 


Programm:

John Cage: Five (1988). Netzwerkmusikperformance mit der HAW Hamburg

György Ligeti: Artikulation (1957)
Karlheinz Stockhausen: Gesang der Jünglinge (1956)
Jonathan Harvey: Vivos Voco, Mortuos Plango (1980)
John M. Chowning: Turenas (1972)
Hans Tutschku: Rituale (2004)
Kirsten Reese: Hallenfelder (2008)
Sean Reed: What’s the matter with my head (2010)
Joachim Heintz: Ambi-schlagfluss (2005)

Francis Corcoran: Sweeney's Vision (1997)

Georg Hajdu: In ein anderes Blau (2012)


sowie weitere Stücke von Professoren & Studierenden  der HfMT 

 

Im Anschluss Kinofilme.

 

(Das vollständige Programm wird am 10.05. auf http://mmm.hfmt-hamburg.de veröffentlicht)

 

 

Die Hochschule für Musik und Theater Hamburg beschäftigt sich unter der Leitung von Prof. Dr. Georg Hajdu schon seit längerem mit der Übertragung von Konzerten und anderen Veranstaltungen auch durch das Netz. Im Rahmen des CO-ME-DI-A Projekts hat die Hochschule mit Partnern, wie SARC Belfast, IRCAM Paris, IEM Graz u.a. gemeinsame Netzwerk-Konzerte veranstaltet, zugänglich für externe Zuschauer. Am 25.November 2011 wurde die Anlage schon für ein Netzwerk-Konzert zwischen 5 Orten erfolgreich eingesetzt. Durch getrennte Übersendung der Schallquellen kann die enorme Kanalkapazität der WFS-Anlage genutzt werden, um tatsächlich ein ziemlich realistischen räumlichen Eindruck des Übertragungspartners abzubilden. Durch die Möglichkeit, jedes Konzert auch mit einer Simulation der jeweils eigenen Akustik der verschiedenen Orte wiederzugeben, steigert sich das Erlebnis beim Vernetzen verschiedener entfernter Orte signifikant.

 

 

Technische Hintergrundinformationen

Das Wellenfeldsynthese-System (WFS) dient zum Aufbau einer Mixed-Reality-Umgebung für die Interaktion von Benutzern mit den virtuellen Audioobjekten, die vom WFS-System erzeugt werden. Die Anlage ermöglicht die realistische Darstellung von fokussierten Quellen im Raum. Virtuelle Objekte, ihrer Position und sonstiger Audio-Eigenschaften, können in Echtzeit von externen Systemen gesteuert werden. Das System besteht aus 40 WFS-Module mit 8 Kanälen pro Modul.

Die Wellenfeldsynthese ist ein räumliches Audiowiedergabeverfahren. Es überwindet die Probleme der Phantomschallquellenbildung, die bei den konventionellen Verfahren der korrekten Raumabbildung entgegenstehen. Die Wiedergabe beruht nicht weiter auf psychoakustischen Prinzipien, das Schallfeld wird physikalisch rekonstruiert. Bei der Synthese wird die Wellenfront einer natürlichen Schallquelle entsprechend des Huygens Prinzips aus einzelnen Elementarwellen zusammengesetzt. Eine Computersynthese lenkt dazu jede der in einer Lautsprecherzeile oder- fläche angeordneten Membranen genau in dem Moment aus, in dem die Wellenfront der virtuellen Quelle ihren jeweiligen Raumpunkt durchlaufen würde. So wird die ursprüngliche Wellenfront physikalisch wiederhergestellt.

Das Verfahren ist nicht nur kompatibel zur Wiedergabe konventioneller Mehrkanalproduktionen, es bringt hier sogar eine signifikante Verbesserung: virtuelle Schallquellen (panning spots) können weit außerhalb des realen Wiedergaberaumes positioniert werden. Damit schwindet der Einfluss der Zuhörerposition auf die Wiedergabe, weil die relativen Positionsänderungen zu den weit entfernten virtuellen Schallquellen gering werden. Folge ist, dass sich der panning spot fast über den gesamten Wiedergaberaum erstrecken kann.