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30.03.2011 00:00 Alter: 6 Jahre

HfMT-Absolventen in den USA für „interaktive Computermusik“ ausgezeichnet

Das Instrumentarium des klassischen Orchesters gilt heute als ausgereift, die Evolution von Violine oder Konzertflügels kann als weitgehend abgeschlossen bezeichnet werden. Ganz anders verhält es sich in der interaktiven Computermusik: Hier steht die Entwicklung neuer Schnittstellen ganz oben auf der Agenda, geht es doch darum, immer neue Ausdrucksmöglichkeiten zu erforschen, expressives und virtuoses Musizieren auch in digitalen Umgebungen zu ermöglichen.

Ende Februar fand zum dritten Mal die Margaret A. Guthman Musical Instrument Competition am Georgia Tech Center for Music Technology in Atlanta (USA) statt – ein Treffpunkt von Komponisten und Ingenieuren, Musikern und Erfindern. An zwei Tagen traten 21 geladene Kandidaten aus sechs Nationen an, um mit ihren Kreationen im Wettbewerb gegeneinander anzutreten.

Jacob Sello, Master-Absolvent an der HfMT für Multimediale Komposition unter  Prof. Georg Hajdu, reiste mit seinem Hexenkessel an. Dieses Ende 2010 erstmals vorgestellte Instrument verbindet ein herkömmliches Orchesterinstrument, die Kesselpauke, mit neusten technologischen Entwicklungen im Computer-Interfacedesign. Die Pauke als solche bleibt dabei erhalten, das Trommelfell wird jedoch zu einem interaktiven Touchscreen, mit dessen Hilfe ein komplexes Klangsynthese- und Live-Sampling-System kontrolliert wird. Zudem ist es möglich, durch das Spiel mit der Pauke die umfangreichen Möglichkeiten der Bühnen-Beleuchtungstechnik zu nutzen und in eine multimediale Performance interaktiv zu integrieren. Das Instrument entstand in enger Zusammenarbeit mit dem ehemaligen HfMT-Studenten Stefan Weinzierl (Master of Music 2010 im Fach Schlagzeug unter Prof. Cornelia Monske), der mit in die USA reiste und die Jury mit zwei fulminanten Performances von dem Instrument überzeugte.

Jacob Sello: „Es war eine wunderbare Inspiration, so viele völlig neuartige und unkonventionelle Musikinstrumente versammelt zu sehen und mit den Entwicklern ins Gespräch zu kommen. Natürlich ist es nicht leicht, sich gegen hochprofessionelle Mitbewerber wie das Interlude Consortium aus dem Pariser IRCAM mit seinem Gestenerkkennungsystem MO (1. Preis) durchzusetzen. Und es macht durchaus einen Unterschied, ob man für die Entwicklung auf ein Budget von 25000 Euro samt Techniker (MindBox, 2. Preis) zurückgreifen kann oder ob das Instrument in Heimarbeit mit minimalen Ressourcen realisiert wird (Hexenkessel: 400€). Wenn sich dennoch Jury-Mitglieder wie Sergi Jorda, der Entwickler des Reactable oder Tom Oberheim, der Erfinder des ersten polyphonen Synthesizers sich von Instrument und Performance begeistert zeigen und dieses durch die Verleihung eines Ehrenpreises bekräftigen, freuen wir uns natürlich sehr und sind auch ein bisschen stolz.“

Video: vimeo.com/15375922