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07.04.2010 19:04 Alter: 7 Jahre

Il trionfo del Tempo e del Disinganno

Eine Abschlussinszenierung der Theaterakademie Hamburg in Kooperation mit der Hamburgischen Staatsoper.

 

Wir laden Sie herzlich ein zu der Premiere des Händel - Oratoriums

 

Il trionfo del Tempo e del Disinganno

am 11. April 2010, 20:00 Uhr

OPERA STABILE der Hamburgischen Staatsoper

(Ecke Kleine Theaterstraße/Kalkhof, 20354 Hamburg).

 

Dieses frühe Oratorium von Händel stammt aus der italienischen Zeit (1707), das er dreißig Jahre später noch einmal überarbeitet hat. Die Hochschule spielt die seltener aufgeführte frühere Fassung.

 

Der Inhalt ist ein christlich-allegorischer: es geht um die Schönheit, die hin- und hergerissen ist zwischen Vergnügen, Zeit und Erkenntnis/Enttäuschung (disinganno bedeutet beides). Am Ende siegen Zeit und Erkenntnis: die Schönheit entsagt dem Vergnügen und beugt sich reuig den Forderungen von Zeit und Erkenntnis.

 

Der Regisseur Matthias Engelmann hält sich in seiner Inszenierung nicht an die inhaltliche Plot-Vorgabe, sondern choreografiert das Oratorium als eine Art Abfolge von unterschiedlichsten Beziehungskonstellationen.

 

Musikalische Leitung: Henning Kaiser

Regie, Bühne, Kostüme: Matthias Engelmann

Es spielt die Hamburgische Händel Compagnie.

 

Mit: Daniel Jenz, Rebekka Reister, Diana Schmid, Anne Catherine Wagner sowie Steffen Gottschling, Eiko Keller, Marit Lehmann, Petra Pauzenberger, Carolin Schepler, Tim Schneider und Peter Witt.

 

 

Weitere Termine und Infos:

13. April 2010: 20:00 Uhr, Dienstag

15. April 2010: 20:00 Uhr, Donnerstag

17. April 2010: 20:00 Uhr, Samstag

19. April 2010: 20:00 Uhr, Montag

21. April 2010: 20:00 Uhr, Mittwoch

 

Eintritt: 18 Euro, Schüler und Studierende: 12 Euro

Vorverkauf: Konzertkasse Gerdes Tel.: 040-45 33 26 und Staatsoper Hamburg Tel. 040 / 35 68 68

 

 

Hintergrundinformationen

 

Die Endlichkeit des Schampusglases

Von Mascha Wehrmann

Warum wollen wir schön sein? Wann schmerzt der Blick in den Spiegel? Heilt die Zeit alle Wunden, die wir uns gegenseitig schlagen? Diese Fragen stellt Matthias Engelmann, Absolvent des Studiengangs Regie Musiktheater, in seiner Diplom-Inszenierung von Händels frühem Oratorium "Il trionfo del Tempo e del Disinganno".

Ein Oratorium, das sich in allegorischer Manier zunächst gegen eine szenische Umsetzung sträubt, sind doch die vier Protagonisten wenig (opern-)stofflicher Art: Die Schönheit, das Vergnügen, die Erkenntnis und die Zeit. Keine Figuren, keine Rollen, sondern nurmehr Stimmen, die untereinander einen zunächst einfach scheinenden, aber bei genauerem Hinhören hochkomplexen Disput austragen. Im Mittelpunkt steht die Schönheit, alle anderen drei Stimmen versuchen jede auf ihre Weise, sie von ihren konkurrierenden Ansichten zu überzeugen. Das Vergnügen, beste Freundin der Schönheit, ist die Feindin der Zeit, die wiederum mit der Erkenntnis kollaboriert. Zeit und Erkenntnis möchten, dass die Schönheit sich von der Busenfreundin Vergnügen lossagt, um sich bereuend den Freuden eines wahren, nicht den Eitelkeiten des Augenblicks verfallenen Glücks ? und damit ihnen - hinzugeben. Die Schönheit, hin- und hergerissen, beugt sich am Ende den Forderungen von Zeit und Erkenntnis.

Hinter der feierlichen musikalischen Klangkulisse des Schlussszenarios tun sich die barocken Abgründe dieses denkwürdigen Disputs auf. Übermaß, Überfülle, strahlender Glanz, despotische Intrigen, überschattet, grotesk überzeichnet und verzerrt durch das Motiv der Todverfallenheit, der Endlichkeit nicht nur jedes Schampusglases und jeder Party, sondern auch des Lebens. Oder frei nach Fellini: ein Panorama der Trauer und der Ruinen und doch der Süße des Lebens. Matthias Engelmann buchstabiert die Allegorie szenisch aus, indem er einen nicht näher definierten Innenraum baut, in dem die Zeit, die Menschen und ihre Partys ihre Spuren hinterlassen haben. Menschen, die getrieben sind von einer diffusen Sehnsucht nach kaum zu benennenden Dingen im Dunstkreis von Begriffen wie Glück, Liebe, Rollentausch, Zerstreuung, Macht und Einsamkeit. Jeder ist des Anderen Sehnsuchts- und zugleich Angstort. Dabei geht Engelmann nicht so weit, die Stimmen in eine Figuren- oder Rollentypologie zu übersetzen. Die einzelnen Stationen des Disputs werden vielmehr angereichert durch Tänzerdarsteller, sie werden erzählt als situative Tableaus, definiert durch Konstellationen, Choreografien, Bewegung.