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16.06.2008 15:21 Alter: 8 Jahre

"In allem streng die Wahrheit ... "

Das Beethoven-Bild von 1800 bis heute:

 

Vortrag von Jochem Wolff (Kassel)

"In allem streng die Wahrheit ... "

Das Beethoven-Bild von 1800 bis heute

am Mittwoch, den 25. Juni 2008, 9-10.30h

Orchesterstudio der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

 

Avantgardistischer Sprung ins frühe 20. Jahrhundert

Ludwig van Beethoven war letztlich der Musikgeschichte um ein Jahrhundert voraus. Mit dem Fortschritt von musikalischem Material und Kompositionstechnik in seinem Spätwerk gelingt Beethoven ein avantgardistischer Sprung ins frühe 20. Jahrhundert. Von daher fand sein Spätwerk über mehrere Generationen kaum Anklang. Das ist eine Seite in der Geschichte des Beethoven-Bildes.

Hinzukommen weitere Facetten: der Wiener Meister erscheint als einer der intellektuellsten Komponisten der Musikgeschichte und als einer der politisch am meisten motivierten - insbesondere ist er zum "Prometheus" des aufstrebenden Bürgertums erhöht worden. Er ist der "Citoyen" und der erste wirkliche autonome Komponist.

Beethovens Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte ist zudem sozial- und kulturgeschichtlich so bedeutend, dass sie immer auch Teil der Geschichte des Bürgertums ist. Durch das außerordentlich reizvolle und ergiebige Quellenmaterial aus verschiedenen Epochen und Formen, Gattungen, Medien, Weltanschauungen und Ländern gewinnt die Rolle des Avantgardisten ihre Konturen ebenso wie die des homo politicus Beethoven. Er war ein Kosmopolit, der dann - auch und gerade durch die Entwicklung der Rezeptionsgeschichte - wahrhaft zu einem Europäer wurde, und zwar in einem besonders heute gut verständlichen Sinne.

 

Jochem Wolff

arbeitet seit 1970 als freier Autor. Zwischen 1977 und 1995 war er Dramaturg und in leitenden Positionen an der Hamburgischen Staatsoper, dem Bremer Theater und dem Staatstheater Kassel. Neben zahlreichen Veröffentlichungen zur Musikkultur, zu Musik- und Literaturgeschichte und besonders zur Musik und Musikkultur Nordeuropas mit seinen fünf Ländern veröffentlichte er bei Bärenreiter/dtv 2001 das Buch Zwischentöne. Musik-Geschichten und Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts (Co-Autor: Armin Diedrichsen). Besonders aspekten- und materialreich mit einer Fülle bislang unveröffentlichter Quellen erweist sich seine Geschichte des Beethoven-Bildes von 1800 bis in die Gegenwart.