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03.02.2009 18:07 Alter: 8 Jahre

"In der Tonkunst ein wahres Originalgenie"

- Vortrag des Beethoven-Experten Jochem Wolff über Carl Philipp Emanuel Bach -

 

Wir laden Sie herzlich ein zu dem Vortrag des Beethoven-Experten Jochem Wolff (Kassel)

"In der Tonkunst ein wahres Originalgenie".

Carl Philipp Emanuel Bach, die Aufklärung und die Wiener Klassik

am Dienstag, 10. Februar 2009, 8.45-10.30h

Orchesterstudio der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Eintritt frei.

 

"C. Ph. E. Bach ist der Vater, wir sind die Bub'n."

War in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom "grossen Bach" die Rede, so war fast immer Carl Philipp Emanuel (1714-1788) gemeint. Kein Wunder - denn er galt als der Komponist, der seit den 1750er Jahren das Gedankengut der Aufklärung und dann des Sturm und Drang auf musikalischem Gebiet am nachdrücklichsten vertrat. Er entwickelte einen ausgeprägten Personalstil, eine Tonsprache, in der das kompositorische Detail meisterhaft ausgeformt, in der phantasievoll und mit harmonischen Fortschreitungen von erstaunlicher Kühnheit die Architektur eines Stücks errichtet wird. Artikulation und Dynamik sind bis in die feinsten Verästelungen musikalisch empfindsamen Ausdrucks auskomponiert.

Das ebnete unter anderem den Weg für die Wiener Klassiker, und so wird verständlich, wenn Joseph Haydn betonte: "Wer mich gründlich kennt, der muß finden, daß ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke; er ließ mir auch selbst einmal ein Kompliment darüber machen." Und es war Mozart, der noch weiterging: "C. Ph. E. Bach ist der Vater, wir sind die Bub'n. Wer von uns was Rechts kann, hat von ihm gelernt. Mit dem, was er macht, kämen wir jetzt nicht mehr aus: aber wie er's macht - da steht ihm keiner gleich."

Neben seinen kompositorischen Verdiensten erwies sich C.Ph.E. Bach als eine universal gebildete Künstlerpersönlichkeit mit einer facettenreichen Biographie, die vor allem in den Gedenkstätten seines Geburtsortes Frankfurt/Oder seit über 30 Jahren vorbildlich dokumentiert wird. 1768 erhielt er den Ruf nach Hamburg als Musikdirektor und Nachfolger Telemanns. Bachs Haus in der Hansestadt wurde zu einem Forum für Musiker, Poeten und Kunstliebhaber, wo er auch nicht selten mit Matthias Claudius, mit Lessing oder Klopstock zusammentraf: Wie diese beseelt von der Idee, die Menschen durch Bildung und Aufklärung zum Besseren führen zu können.

 

Jochem Wolff

Jochem Wolff arbeitet seit 1970 als freier Autor. Zwischen 1977 und 1995 war er Dramaturg und in leitenden Positionen an der Hamburgischen Staatsoper, dem Bremer Theater und dem Staatstheater Kassel. Neben zahlreichen Veröffentlichungen zur Musikkultur, zu Musik- und Literaturgeschichte und besonders zur Musik und Musikkultur Nordeuropas mit seinen fünf Ländern veröffentlichte er bei Bärenreiter/dtv 2001 das Buch Zwischentöne. Musik-Geschichten und Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts (Co-Autor: Armin Diedrichsen). J. Wolff hat umfangreiche rezeptions- und wirkungsgeschichtliche Studien betrieben, unter anderem zu Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach, Fanny Hensel, Franz Liszt, Giuseppe Verdi, Edvard Grieg, Jean Sibelius, Kurt Weill, Ernst Krenek und Ludwig van Beethoven.

Derzeit schreibt er an einem Buch "Wem gehört Beethoven?" (erscheint Regensburg 2010).