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14.11.2016 08:50 Alter: 21 Tage

Musikalische Liebeskriege

Im Rahmen der Ringveranstaltung Mensch | Musik I: Musik und Liebe findet am Dienstag, den 15. November ein Vortrag von Silke Wenzel zum Thema „Musikalische Liebeskriege in der Frühen Neuzeit“ statt.

Wann und wo?
18 Uhr (s.t.) Mendelssohnsaal

Der Eintritt ist frei

In Kompositionen des 16. Jahrhundert spiegelt sich häufig die akustische Realität: Marktschreier, Vogelgesang, zankende Frauen und viele andere Elemente der frühneuzeitlichen Soundscapes wurden in Musik nachgeahmt, darunter auch der Lärm des Krieges. Aus der Nachahmung von Signalen und „Feldgeschrei“ entwickelte sich schließlich ein eigenes musikalisches Genre, die „Battaglia“. Das Genre diente allerdings nicht nur zur Darstellung von Schlachten. Häufig wurde es metaphorisch auf andere Bereiche übertragen – auch auf Liebe: auf „Eroberungen“, auf den „Kampf“ mit sich selbst oder auf die „Kapitulation“ vor der Macht der Liebespfeile. In seinem 8. Madrigalbuch mit dem bezeichnenden Titel „Madrigali Guerrieri et Amorosi“ von 1638 schrieb Claudio Monteverdi den Liebesbattaglien schließlich sogar einen eigenen musikalischen Stil zu, das „genere concitato“, mit dem die Affekte „Wut“ und „Sanftmut“ kontrastreich in Beziehung gesetzt werden konnten. Wenige Jahre später hieß es über diese „neuen“ musikalischen Möglichkeiten in einem Nachruf: „... und wenn du gedenkst, die Waffen zu ergreifen zur Rache – genau dann verändert sich mit wundersamer Verwandlung die Harmonie, und dein Herz tendiert zur Sanftmut“.

Musikprogramm:
Vokalensemble der HfMT: Lilli Pätzold, Catalina Rueda, Narumi Ogami, Guillermo Santonja di Fonzo, Jakob Kuchenbuch unter Leitung von Isolde Kittel Zerer.

Silke Wenzel, geb. in Bad Mergentheim, studierte zunächst Historischen Tanz in Paris und anschließend Musikwissenschaft, Musikpraxis, Romanis-tik und Archäologie in Weimar und Jena. 1997 schloss sie ihr Studium mit einer Arbeit über „Text als Struktur“ im Werk Bernd Alois Zimmermanns ab. Von 1997 bis 1999 arbeitete sie als Stipendiatin, später als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungs-, Ausstellungs- und Publika-tionsprojekt „'Entartete Musik' 1938 – Weimar und die Ambivalenz“ in Weimar und setzte ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg fort, u. a. im Forschungsprojekt „Musikanthropologie“ (Leitung: Hanns-Werner Heister) und im DFG-Projekt „Orte und Wege europäischer Kulturvermittlung durch Musik. Die Sängerin und Komponistin Pauline Viardot“ (Leitung: Beatrix Borchard). 2013 promovierte sie an der Universität Hamburg mit einer Dissertation über „Das Verhältnis von Musik und Krieg zwischen 1460 und 1600“. Silke Wenzel ist seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Redak-teurin des Portals „Musik und Gender im Internet“ (MUGI) und seit April 2016 Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Isolde Kittel-Zerer erhielt ihre erste musikalische Ausbildung in Pforzheim bei R. Schweizer. Sie studierte Kirchenmusik in Stuttgart (Orgel bei Jon Laukvik) und München, legte das Konzertexamen für Orgel in Wien bei Mi-chael Radulescu ab und war Preisträgerin der Orgelwettbewerbe Brügge (1985) und Innsbruck (1986).

Konzerte führten sie in viele Länder Europas, nach China und Japan. Sie musiziert als Organistin und Cembalistin, solistisch und in Ensembles, u.a. mit dem Ensemble “I Sonatori”, Mitgliedern der Hamburger Philharmoniker (im Rahmen der Philharmonischen Kammerkonzerte) und Ensemble Schi-rokko. Seit vielen Jahren leitet sie den Kammerchor “Fontana d´Israel” (Konzerte in Deutschland, Österreich, Frankreich, Schweden), der vor allem a capella-Literatur singt, wobei ein ganz spezieller Schwerpunkt auf Scheins “Israelsbrünnlein” und auf historischen Stimmungssystemen liegt.

Sie ist Kreiskantorin im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf und als Dirigentin tätig für Chöre des Kirchenkreises und verschiedene Orchester. Seit vielen Jahren unterrichtet sie Cembalo und Kammermusik mit Basso continuo und leitet das Vokalensemble des Studios für Alte Musik der HfMT.

Konzept, Organisation und Abendgestaltung: Martina Bick, Nina Noeske, Matthias Tischer