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07.04.2014 11:53 Alter: 3 Jahre

Musikschriftstellerei und -journalismus in Hamburg - Sonntag │ 13. April 15 Uhr │ Lichtwark-Saal

Im Mittelpunkt steht Johann Mattheson (1681–1764) - Musiktheoretiker, Komponist, Diplomat, Sänger, Organist, Schriftsteller, Biograph, Journalist, Kritiker, Übersetzer und Mäzen. Die erste Veranstaltung ist den Anfängen des Musikjournalismus gewidmet.

Erste Veranstaltung der neuen Ringvorlesung „Musikschriftstellerei und -journalismus in Hamburg“ am

Sonntag, den 13. April 2014, 15:00   

im Lichtwark-Saal (Neanderstraße 22, 20459 Hamburg)

Das politische Wissen von der Musik. – Mattheson und die Anfänge des Musikjournalismus. 

PD Dr. Rainer Bayreuther (Freiburg i. Br.)

 

Musikalische Umrahmung:

Johann Mattheson: Sonate Nr. 4 D-Dur für Violine und B.c. aus „Der brauchbare Virtuoso“ op. 1

Hibiki Oshima, Violine; Isolde Zerer Kittel, Cembalo

 

Eintritt: frei

 

Konzept und Organisation:
Hochschule für Musik und Theater Hamburg: Prof. Dr. Wolfgang Hochstein, Simon Kannenberg
KomponistenQuartier Hamburg e.V.: Olaf Kirsch, Rita Strate
Mit freundlicher Unterstützung der Carl-Toepfer-Stiftung Hamburg.


Zum 250. Todestag Johann Matthesons veranstaltet die Hochschule für Musik und Theater Hamburg im Sommersemester 2014 eine Ringvorlesung zum Thema „Musikschriftstellerei und -journalismus in Hamburg“. Im Mittelpunkt steht das vielfältige Schaffen Johann Matthesons (1681–1764), der in Hamburg als Musiktheoretiker, Komponist, Diplomat, Sänger, Organist, Schriftsteller, Biograph, Journalist, Kritiker, Übersetzer und Mäzen wirkte. Trotz der Bandbreite seines Schaffens ist er mit seinem Hauptwerk Der Vollkommene Capellmeister (1739) bislang fast ausschließlich als einflussreichster Musiktheoretiker der Bach-Vater-Generation bekannt und wird daneben lediglich als Duell-Gegner Händels am Rande der Literatur erwähnt.

Das politische Wissen von der Musik. – Mattheson und die Anfänge des Musikjournalismus

Umwälzend neu an Matthesons Begriff des musikalischen Wissens ist seine strukturelle Dynamik. Musikalisches Wissen beruht auf Mode und Geschmack, es veraltet also. Die angemessene Form, solches Wissen festzuhalten, ist nicht mehr das Lehrbuch, sondern das Journal. Im musikalischen Journalismus werden jene volatilen Regulative wenn nicht ausdrücklich, so doch implizit thematisiert. Der Musikwissende, der solcherart auf der Höhe von Mode und Geschmack ist, ist in Matthesons Sprachgebrauch „polit“  oder ein „Politicus“. Um zu einer sachgemäßen Bestimmung des Politischen in Matthesons Denken zu kommen, bedarf es indessen eines Begriffs des Politischen, der zu den kulturellen Konstrukten von Mode und Geschmack usw. in einem angebbaren Verhältnis steht. Die Frage an den Musikjournalismus im frühen 18. Jahrhundert lautet dann: Trägt Musik zur Konstruktion von Moden und Geschmäckern bei? Oder repräsentiert sie jene nur? Im ersteren Fall wäre sie genuin politisch, im letzteren letztlich unpolitisch.

PD Dr. Rainer Bayreuther

Rainer Bayreuther, geboren 1967 in Esslingen a.N., studierte Musikwissenschaft, Philosophie und ev. Theologie in Heidelberg. Promotion ebenda mit einer Arbeit über die Alpensinfonie von Richard Strauss. Er habilitierte sich in Halle 2004 mit einer Studie über das pietistische Lied im 18. Jahrhundert. Nach Vertretungsprofessuren in Frankfurt a.M. und Göttingen seit 2008 Vertretungsprofessor für Musikwissenschaft in Freiburg. Im Kollegjahr 2009 war er Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald. Nach einer Studie über das Verhältnis von Musik und Religion (Was ist religiöse Musik?, 2010) ist sein gegenwärtiges Forschungsfeld die Beziehung von Musik und Politik (Monographie Der musische Staat, in Vorbereitung).

Hibiki Oshima, Violine

Hibiki Oshima wurde 1983 in Yokohama (Japan) geboren, studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien das Konzertfach Violine und  Kammermusik. Im Jahre 2006/2007 war Hibiki Oshima Stipendiatin des Herbert von Karajan Centrums. Des Weiteren erhielt sie zahlreiche Preise wie z.B. den 1. Preis beim Pietro Argento International Musikwettbewerb (Kammermusik) in Italien, den 2. Preis und Sonderpreis beim G. Zinetti International Kammermusikwettbewerb in Italien sowie den Bela Bartok Preis bei der int. Sommerakademie Prag-Wien-Budapest. Ihr Interesse an Kammermusik und zeitgenössischer Musik bezeugt sie in Besetzungen wie dem „Hibiki-Quartett“ und dem „Ensemble Platypus“, mit dem sie zahlreiche Uraufführungen junger Komponisten präsentiert.

Nach einem Engagement als 1. Konzertmeisterin der Württembergischen Philharmonie Reutlingen ist sie seit 2010 Stimmführerin der 2. Violinen bei dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. 2010/11 wurde sie mit dem Eduard-Söring-Preis ausgezeichnet. Als Gast spielt Hibiki Oshima auch im Leipziger Gewandhausorchester und im Bayrischen Staatsorchester München.

Isolde Kittel-Zerer, Cembalo

Isolde Kittel-Zerer erhielt ihre erste musikalische Ausbildung in Pforzheim bei R. Schweizer. Sie studierte Kirchenmusik in Stuttgart (Orgel bei Jon Laukvik) und München, legte das Konzertexamen für Orgel in Wien bei Michael Radulescu ab und war Preisträgerin der Orgelwettbewerbe Brügge (1985) und Innsbruck (1986). Von 1986–91 war sie Cembalistin des Münchner Barockorchesters „L’Arpa festante“. Sie übt eine rege Tätigkeit als Organistin und Cembalistin aus, solistisch und in Ensembles ( u.a. im Ensemble „I Sonatori“), und wirkte wiederholt bei Rundfunk- und CD- Aufnahmen mit.  Außerdem ist sie Leiterin des Kammerchores „Fontana d´Israel“. Konzerte führten sie in viele Länder Europas, nach China und Japan. An der Hamburger Musikhochschule hat sie einen Lehrauftrag für Cembalo und Kammermusik mit Basso continuo und leitet das Vokalensemble des Studios für Alte Musik.

 

Weitere Termine

(Lichtwarksaal │ Neanderstraße 22 │ 20459 Hamburg │ jeweils sonntags 15 Uhr)

 

27.04. Musikjournalismus für alle – zwischen Qualität und Quote?

Joachim Mischke (Hamburg)

Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 („Mondscheinsonate“) - Prof. Hubert Rutkowski, Klavier

 

11.05. „Wider die modestie“ – Matthesons Biographik als Plädoyer für die moderne Musik

Prof. Dr. Joachim Kremer (Stuttgart)

Alexander Gergelyfi (Cembalo) spielt aus den Pièces de Clavecin von Johann Mattheson

25.05. Musikkritik am Ende des 19. Jahrhunderts am Beispiel Ferdinand Pfohls und seines Verhältnisses zu Gustav Mahler

Helmut Brenner (Meerbusch bei Düsseldorf)

Ferdinand Pfohl: Strandbilder op. 8 - Xiaoqiong Huang, Klavier

 

01.06. „Vertrefflicher Hiller, Sie wären der Mann dazu.“ – Ein Überblick über Matthesons Musik-Bücher

Vortrag und musikalische Gestaltung: Prof. Gerhart Darmstadt (Hamburg)

 

15.06. „In dieser harmonicalischen Republick …“ – Mattheson als Musiktheoretiker

Prof. Reinhard Bahr (Hamburg)

Werke von Johann Mattheson - Friederike Spangenberg, Cembalo, Isabel Röbstorf, Caroline Andreas und Lilli Pätzold, Blockflöten

 

29.06. Kollegen oder Konkurrenten? – Mattheson und die Komponisten der Hamburger Gänsemarkt-Oper

Prof. Dr. Dorothea Schröder (Cuxhaven)

Auszüge aus Matthesons Oper „Cleopatra“ - N.N.