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08.10.2009 18:30 Alter: 7 Jahre

Neue Ringvorlesung "Erhalt der kulturellen Vielfalt - Welchen Schutz braucht die Kultur?"

In der Hochschule für Musik und Theater Hamburg diskutieren namhafte Persönlichkeiten aus Kultur und Medien

 

Eine Kooperation des Instituts für kulturelle Innovationsforschung (IkI) und des In-stituts für Kultur- und Medienmanagement (KMM)

 

Die Industrialisierung ist seit der Globalisierung in fast allen Kulturen der Welt angelangt. Ein neuer kultureller Mainstream verdrängt seit einem Jahrhundert weltweit traditionelle Kulturformen. Aber auch alle für die Massenmedien "sperrigen" kulturellen Ausdrucksformen werden an den Rand gedrängt. Von daher hat die UNESCO zum Schutz der kulturellen Vielfalt aufgerufen. Was ist darunter zu verstehen? Sollen die ethnischen oder avantgardistischen Kunstformen zukünftig in ausgewiesenen "Kulturschutzzonen" angesiedelt werden? In gewisser Weise ist die traditionelle europäische "Hochkultur" schon längst zu so einer Kulturschutzzone avanciert, denn kaum ein Museum oder Opernhaus könnte hierzulande ohne staatliche Hilfe auskommen. Aber wie steht es um den "Jazz" und um die Kulturen von ethnischen Minderheiten oder kulturellen Traditionen von Bürgern mit Migrationshintergrund? Pluralistische Gesellschaften brauchen pluralistische Kulturlandschaften. Darüber sind sich alle einig. Das amerikanische Modell des Melting Pot aller Kulturen hat sich zu einer kulturellen Mehrstimmigkeit weiterentwickelt, insbesondere in Europa. Aber hinter dieser Utopie entsteht ein Verteilungskampf um die Ressourcen. Wenn hier nicht nur das Recht des Stärkeren gelten soll, müssen Regeln gefunden werden, die für eine gerechte Verteilung der Mittel sorgen. Neben staatlichen Hilfen spielen die Förderstrategien der privaten Stiftungen eine große Rolle. Welche Kriterien für eine Bewertung von Schutzwürdigkeit gelten könnten, soll in der Ringvorlesung im Dialog mit namhaften Persönlichkeiten aus Kultur und Medien diskutiert werden.

 

Wir laden herzlich ein zu der Auftaktveranstaltung

 

Kulturelle Vielfalt in Europa

 

am Donnerstag, den 22. Oktober 2009, 18:00 bis 19:30 Uhr,

Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Budge-Palais 12 (ehem. Bibliothek):

 

 

Es besteht kein Zweifel daran, dass die kulturelle Vielfalt in Europa einmalig ist. Nirgendwo in der Welt haben sich auf so engem Raum so verschiedene kulturelle Ausdrucksformen ausgebildet und gegenseitig befruchtet. Große deutsche Stiftun-gen wie die Allianz Stiftung engagieren sich für den kulturellen Austausch in Euro-pa. Auch die Bundesrepublik Deutschland fördert den Dialog der Kulturen. Kann Europa bei der Frage nach dem Erhalt der kulturellen Vielfalt ein zukunftsweisendes Modell sein?

 

Es diskutieren: Michael M. Thoss (Geschäftsführer Allianz Kulturstiftung, Mün-chen), Reinhard Flender (Direktor Institut für kulturelle Innovationsforschung an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg) und Friedrich Loock (Direktor Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg)

 

 

Michael M. Thoss, geb. 1955, studierte Philosophie, Kultur- und Politikwissen-schaften in Bonn und Paris und schloss diese mit Staatsexamen, Maîtrise dès Lettres und DEA ab. Abschlussarbeit über "Les Chants de Maldoror". Er arbeitete danach als Journalist und Übersetzer in Frankreich. Zehn Jahre lang war er als Kulturreferent für das Goethe-Institut im In- und Ausland tätig. 1998 übernahm er die Leitung des Bereiches Film, Kunst, Medien am Haus der Kulturen der Welt Berlin, wo er zahlreiche Ausstellungen kuratierte. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Allianz Kulturstiftung München.

 

Prof. Dr. Reinhard David Flender, geb. 1953, studierte Klavier, Komposition und Musikwissenschaften in Hamburg, Münster und Jerusalem. Wichtige kompositori-sche Anregungen erhielt er in Israel, wo er ein vierjähriges Forschungsprojekt über die synagogale Musik der orientalischen Juden durchführte. Außerdem arbeitete er bei Josef Tal im elektronischen Studio der Hebräischen Universität Jerusalem. Seit 1983 lehrt Flender an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und ist Geschäftsführer des Musikverlages Peermusic Classical GmbH.

 

Prof. Dr. Friedrich Loock, geb. 1959, studierte Betriebswirtschaft und Publizistik in Bielefeld und Berlin, absolvierte nach seinem Studium ein Training-on-the-job bei Arthur D. Little, promovierte über das Zusammenwirken von Kultur und Wirt-schaft, war anschließend u.a. Referent beim Senat von Berlin und Referent Public Affairs bei der Lufthansa, er übernahm 1998 den Lehrstuhl für Kultur- und Me-dienmanagement an der HfMT, wo er seit 2000 Direktor des gleichnamigen Insti-tuts ist.