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06.05.2009 08:34 Alter: 8 Jahre

Neue Wege der Musikvermittlung: DAS LIEDERBUCH DER CATHERINA TIRS

Im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung "Neue Wege der Musikvermittlung" laden wir Sie sehr herzlich ein zu der Vorstellung einer neuen multi-medialen Präsentation für MUGI = Musikvermittlung und Genderforschung im Internet (http://mugi.hfmt-hamburg.de/):

 

DAS LIEDERBUCH DER CATHERINA TIRS

von Martina Bick

am Donnerstag, 14. Mai 2009, 18.00 Uhr (s.t.),

in Raum 12 (Alte Bibliothek)

Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

 

Es lesen Marianne Bernhardt, Daniel Witte und Martina Bick.

Es singen Studierende der Kirchenmusik unter Leitung von Prof. Hannelotte Pardall.

Moderation: Julia Heimerdinger

Eintritt frei.

 

Eine (fast) kriminalistische Spurensuche nach einer Liederbuchhandschrift aus der Frühen Neuzeit

Im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts reformierte die religiöse Er-neuerungsbewegung "Devotio moderna", übersetzt mit "neue Innigkeit" oder "neue Frömmigkeit", ausgehend von Deventer, Niederlande, das Klosterleben großer kirchlicher Orden. In kürzester Zeit entstanden im nordwestdeutschen Raum im Laufe des 15. Jahrhunderts ca. 70 Schwesternhäuser und 13 Bruderhäuser vom "Gemeinsamen Leben", de-ren Mitglieder mit ihrer "Vita communis" in Armut und Keuschheit - aber ohne Gelübde - die Nachfolge Christi antreten wollten. Der Höhepunkt der Bewegung lag um 1450.

 

Aus einigen der Schwesternhäuser sind Liederhandschriften erhalten, die teilweise namentlich gekennzeichnet sind. Aber nur eine dieser Handschrif-ten ist zurück zu verfolgen bis zu einem konkreten Schwesternhaus: ?Das Liederbuch der Catherina Tirs? von 1588 aus dem Kloster Niesing in Münster. Catherina Tirs ist dort in den Schwesternlisten verzeichnet und auch ihr Todestag ist im Memorienbuch festgehalten: Es war der 3. August 1604.

 

Die Liederhandschrift wurde im 19. Jahrhundert von den (Kirchen -) Liedfor-schern Bernhard Hölscher und Ludwig Erk abgeschrieben und teilweise publiziert. So lässt sich ihr Inhalt vollständig rekonstruieren. Die Handschrift selbst ist heute verschollen. Martina Bick hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Verbleib aufzuspüren ? bis heute leider ohne Erfolg. Zutage getreten sind dabei jedoch interessante Details über das Leben der Schwestern vom Gemeinsamen Leben am Beginn der Frühen Neuzeit, über ihre Denk-, Glaubens- und - nicht zuletzt - Musizierweisen.

 

Martina Bick ist in Bremen geboren und schrieb zahlreiche Kriminalromane und Romane sowie Kurzgeschichten und Gedichte für Anthologien und den Rundfunk. Seit 1999 arbeitet sie in der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, zuerst für den hochschulübergreifenden Studiengang Musiktheater-Regie und ab 2001 als Referentin der Gleichstellungsbeauftragten der HfMT. 2005 schloss sie ihr Studium in den Fächern Historische Musikwissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Gender Studies an der Universität Hamburg nach einer vieljährigen Unterbrechung mit dem Magisterabschluss ab. Seitdem ist sie zusätzlich für das Forschungsprojekt MUGI als Autorin tätig sowie zuständig für die Erarbeitung der kommentierten Links.