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14.01.2013 15:49 Alter: 4 Jahre

Ringveranstaltung Gender Studies und Musik XIV

Artikulationen im Vokaltrakt in der Perspektive unterschiedlicher Geschlechter und Stimmgattungen 22.01.13 | 18 Uhr | Mendelssohn Saal der HfMT

Wir laden Sie sehr herzlich ein zu der Veranstaltung

 

Ringveranstaltung Gender Studies und Musik XIV:

 

„Die Musik ist ein Weib“ (Richard Wagner)

zuschreiben – einschreiben - gegenschreiben

 

am Dienstag, dem 22. Januar 2013

18.00 Uhr (s.t.) im Mendelssohnsaal der

Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

 

Untersuchen:

„Artikulationen im Vokaltrakt in der Perspektive unterschiedlicher Geschlechter und Stimmgattungen“

 

Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Richter, Uniklinik Freiburg

 

anschließend:

Schlager und Lieder der 20er Jahre, vorgetragen von

Bernhard Richter (Bariton) und Matthias Stötzel (Klavier)

 

Eintritt frei.

 

Vom „laryngozentrischen“ Weltbild zur Artikulation

Im Vortrag werden modernste Untersuchungsmöglichkeiten zur Visualisierung der Artikulationsvorgänge im Vokaltrakt bei Sängerinnen und Sängern in der Perspektive unterschiedlicher Geschlechter und Stimmgattungen vorgestellt.

Unsere Kenntnisse über den Bau und die Funktionsweise des Instrumentes „Stimme“ sind vergleichsweise jung. Die detaillierten anatomischen Beschreibungen der Renaissance beginnen mit Leonardo da Vinci, sie wurden erstellt, ohne dass ein klare Vorstellung über die Physiologie der Stimmgebung bestanden hätte. Erst der Pariser Anatom Antoine Ferrein erkannte 1741 anhand von Versuchen an Hundekehlköpfen die wesentlichen Elemente der Stimmproduktion. 1837 präzisierte und bestätigte der Berliner Physiologe Johannes Müller Ferreins Vorstellungen anhand von Experimenten an humanen Kehlköpfen. Wiederum fast 20 Jahre später beschrieb der in Paris lebende Gesangspädagoge Manuel Garcia 1854 als erster eine indirekte Laryngoskopie seines eigenen Kehlkopfes beim Singen mittels eines Zahnarztspiegels. Aus dieser Entdeckung und ihrer wesentlichen Verbreitung durch einen Gesangslehrer entstand sozusagen ein „laryngozentrisches“ Weltbild.

Stimmliche Äußerungen sind jedoch keine isolierten, distinkten Töne, die nur im Kehlkopf entstehen, sondern Klänge, die den aus der Lunge kommenden Luftstrom als Grundlage haben. Diese Klänge werden zunächst durch die schwingende Stimmlippe, dann vornehmlich durch den übrigen Larynx, den Pharynx, schließlich die Mundhöhle mit der Zunge, den Zähnen und den Lippen modifiziert. Die akustischen Räume oberhalb der Stimmlippenebene bezeichnen wir auch als Vokaltrakt. Er ist von entscheidender Bedeutung für die Modifikation des Klanges – die Artikulation, die wir als Zuhörer wahrnehmen können.

 

Bernhard Richter, Jahrgang 1962, ist Professor für Musikermedizin mit Schwerpunkt künstlerische Stimmbildung und leitet das Zentrum für Musikermedizin am Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM). Neben seinem Medizinstudium in Freiburg, Basel und Dublin absolvierte er ab 1986 ein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Freiburg (Konzertexamen 1991). Nach Promotion zum Dr. med. und zwei Facharztausbildungen zum HNO-Arzt und Phoniater (Stimmarzt) habilitierte er sich 2002.

Bernhard Richter tritt als Sänger in zahlreichen Musiktheaterproduktionen auf, u.a. mit der Judy Roberts Company, dem Ensemble Aventure, zusammen mit Claudia Spahn mit den „Schönen Baritons“ & „La Compagnia Trompe l’Oeil“.

Im FIM ist er vor allem für die medizinische Betreuung der Sänger und Musiker sowie der Stimmpatienten sprechender Berufe im Zentrum für Musikermedizin zuständig. Daneben unterrichtet er Stimmphysiologie und Hörphysiologie an der Musikhochschule sowie an der Medizinischen Fakultät.

Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Opernbühne als Arbeitsplatz, in der Anwendung der Hochgeschwindigkeitsglottographie zur Untersuchung der Registerfunktion bei Sängern, der Stimmentwicklung von Sängern in der Lebenszeitperspektive sowie dem Gehörschutz bei Orchestermusikern.

Förderpreis 2010 der Forschungsgemeinschaft Deutscher Hörgeräte-Akustiker für seine Arbeiten zum Gehörschutz bei Musikern, Karl-Storz-Preis (2010) und Förderpreis der Medizinischen Fakultät Freiburg für herausragende Lehre (2009). 

 

 

Organisation und Abendgestaltung:

Prof. Dr. Beatrix Borchard und Martina Bick, M.A.