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29.10.2009 14:19 Alter: 7 Jahre

Ringvorlesung "Erhalt der kulturellen Vielfalt - Welchen Schutz braucht die Kultur?"

In der Hochschule für Musik und Theater Hamburg diskutieren namhafte Persönlichkeiten aus Kultur und Medien

 

Die Industrialisierung ist seit der Globalisierung in fast allen Kulturen der Welt angelangt. Ein neuer kultureller Mainstream verdrängt seit einem Jahrhundert weltweit traditionelle Kulturformen. Aber auch alle für die Massenmedien ?sperrigen? kulturellen Ausdrucksformen werden an den Rand gedrängt. Von daher hat die UNESCO zum Schutz der kulturellen Vielfalt aufgerufen. Was ist darunter zu verstehen? Sollen die ethnischen oder avantgardistischen Kunstformen zukünftig in ausgewiesenen ?Kulturschutzzonen? angesiedelt werden? In gewisser Weise ist die traditionelle europäische ?Hochkultur? schon längst zu so einer Kulturschutzzone avanciert, denn kaum ein Museum oder Opernhaus könnte hierzulande ohne staatliche Hilfe auskommen. Aber wie steht es um den "Jazz" und um die Kulturen von ethnischen Minderheiten oder kulturellen Traditionen von Bürgern mit Migrationshintergrund? Pluralistische Gesellschaft brauchen pluralistische Kulturlandschaften. Darüber sind sich alle einig. Das amerikanische Modell des Melting Pot aller Kulturen hat sich zu einer kulturellen Mehrstimmigkeit weiterentwickelt, insbesondere in Europa. Aber hinter dieser Utopie entsteht ein Verteilungskampf um die Ressourcen. Wenn hier nicht nur das Recht des Stärkeren gelten soll, müssen Regeln gefunden werden, die für eine gerechte Verteilung der Mittel sorgen. Neben staatlichen Hilfen spielen die Förderstrategien der privaten Stiftungen eine große Rolle. Welche Kriterien für eine Bewertung von Schutzwürdigkeit gelten könnten, soll in der Ringvorlesung im Dialog mit namhaften Persönlichkeiten aus Kultur und Medien diskutiert werden.

 

Wir laden herzlich ein zur dritten Ringveranstaltung

"Underground, Protestkultur, Freie Szene - Vom Abschaum der Gesellschaft zur Hall of Fame??"

am Donnerstag, den 12. November 2009, 18:00 bis 19:30 Uhr, in der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Budge-Palais 12 (ehem. Bibliothek).

 

Eine Kooperation des Instituts für kulturelle Innovationsforschung (IkI) und des Instituts für Kultur- und Medienmanagement (KMM).

Eintritt frei.

 

Die ersten Megastädte der Welt wie Paris, London oder New York erzeugten ein kulturelles Klima, in dem bürgerliche Normen unterwandert werden konnten. Diese freien Szenen entpuppten sich später als Humusboden für kulturelle Innovation am Rande der Gesellschaft. Was in Paris begann, setzte sich in den 50er Jahren in New York fort. Die 68er Bewegung erzeugte weltweit eine eigene bohèmeartige Jugendkultur, die von den Massenmedien zur Pop-Mainstream-Kultur umfunktioniert wurde. Auf der anderen Seite nistet sich in jeder Großstadt eine eigene ?off? Szene ein, die eine intensive kulturelle Aktivität für ein kleines Publikum erzeugt. Dazu gehören freie Theater- und Tanzgruppen, Galerien, Kulturkneipen und -fabriken. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass Untergrundskultur die Kreativwirtschaft inspiriert. Von daher haben Städte wie Kopenhagen oder Barcelona den Erhalt dieser kulturellen Biotope zur politischen Aufgabe erklärt. Auch Hamburg hat mit der Kulturfabrik Kampnagel einen solchen Ort mit einer fast 30-jährigen Tradition. Ist Untergrundskultur im 21. Jahrhundert salonfähig geworden?

 

Es diskutieren: Amelie Deuflhard (Intendantin Kampnagel ? Internationale Kulturfabrik GmbH, Hamburg) und Reinhard Flender

 

Amelie Deuflhard, geb. 1959 in Stuttgart, war nach dem Studium der Romanistik, Geschichte und Kulturwissenschaften als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum für Technik und Arbeit in Mannheim tätig und seit 1997 als freie Produktionsleiterin für Theater- und Musikprojekte in Berlin. Von 2000-2007 war sie Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Sophiensaele. 2004 übernahm sie gemeinsam mit Matthias Lilienthal und Philipp Oswalt die künstlerische Leitung des VOLKSPALAST und im Jahr darauf die künstlerische Gesamtleitung. Seit 2007 ist Amelie Deufhard Intendantin auf Kampnagel in Hamburg.

 

Prof. Dr. Reinhard David Flender, geb. 1953, studierte Klavier, Komposition und Musikwissenschaften in Hamburg, Münster und Jerusalem. Wichtige kompositorische Anregungen erhielt er in Israel, wo er ein vierjähriges Forschungsprojekt über die synagogale Musik der orientalischen Juden durchführte. Außerdem arbeitete er bei Josef Tal im elektronischen Studio der Hebräischen Universität Jerusalem. Seit 1983 lehrt Flender an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und ist Geschäftsführer des Musikverlages Peermusic Classical GmbH.

 

Fotos von Amelie Deuflhard und Reinhard Flender sind abrufbar unter

gabriele.bastians@hfmt.hamburg.de

oder

iki@hfmt-hamburg.de