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23.10.2009 17:33 Alter: 7 Jahre

Ringvorlesung "Erhalt der kulturellen Vielfalt - Welchen Schutz braucht die Kultur?"

In der Hochschule für Musik und Theater Hamburg diskutieren namhafte Persönlichkeiten aus Kultur und Medien.

 

Die Industrialisierung ist seit der Globalisierung in fast allen Kulturen der Welt angelangt. Ein neuer kultureller Mainstream verdrängt seit einem Jahrhundert weltweit traditionelle Kulturformen. Aber auch alle für die Massenmedien ?sperrigen? kulturellen Ausdrucksformen werden an den Rand gedrängt. Von daher hat die UNESCO zum Schutz der kulturellen Vielfalt aufgerufen. Was ist darunter zu verstehen? Sollen die ethnischen oder avantgardistischen Kunstformen zukünftig in ausgewiesenen "Kulturschutzzonen" angesiedelt werden? In gewisser Weise ist die traditionelle europäische "Hochkultur" schon längst zu so einer Kulturschutzzone avanciert, denn kaum ein Museum oder Opernhaus könnte hierzulande ohne staatliche Hilfe auskommen. Aber wie steht es um den "Jazz" und um die Kulturen von ethnischen Minderheiten oder kulturellen Traditionen von Bürgern mit Migrationshintergrund? Pluralistische Gesellschaft brauchen pluralistische Kulturlandschaften. Darüber sind sich alle einig. Das amerikanische Modell des Melting Pot aller Kulturen hat sich zu einer kulturellen Mehrstimmigkeit weiterentwickelt, insbesondere in Europa. Aber hinter dieser Utopie entsteht ein Verteilungskampf um die Ressourcen. Wenn hier nicht nur das Recht des Stärkeren gelten soll, müssen Regeln gefunden werden, die für eine gerechte Verteilung der Mittel sorgen. Neben staatlichen Hilfen spielen die Förderstrategien der privaten Stiftungen eine große Rolle. Welche Kriterien für eine Bewertung von Schutzwürdigkeit gelten könnten, soll in der Ringvorlesung im Dialog mit namhaften Persönlichkeiten aus Kultur und Medien diskutiert werden.

 

Wir laden herzlich ein zur zweiten Ringveranstaltung

"Beethoven und die kulturelle Vielfalt"

am Donnerstag, den 5. November 2009, 18:00 bis 19:30 Uhr, in der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Budge-Palais 12 (ehem. Bibliothek)

Eintritt frei.

 

Eine Kooperation des Instituts für kulturelle Innovationsforschung (IkI) und des Instituts für Kultur- und Medienmanagement (KMM).

 

Ludwig van Beethoven gehört zu den erfolgreichsten Komponisten aller Zeiten. Er repräsentiert die "Klassik" als Höhepunkt der europäischen Musikgeschichte. In Ländern wie Venezuela ist Beethoven hingegen Avantgarde. Das Beethovenfest hat den kulturellen Austausch mit Ländern ohne "klassische" Musiktradition wie Südafrika oder Ägypten zur Aufgabe gemacht. Jedes Jahr wird ein Jugendorchester eingeladen, sich auf dem Beethovenfest mit einer Beethoveninterpretation zu präsentieren. Gleichzeitig wird ein Komponist des Gastlandes beauftragt, eine Komposition für Orchester beizusteuern. Ist Beethoven geeignet für eine musikalische Entwicklungshilfe in Schwellenländern?

 

Es diskutieren: Ilona Schmiel (Intendantin und Geschäftsführerin Beethovenfest Bonn) und Reinhard Flender

 

Ilona Schmiel hat Schulmusik, Altphilologie und Kulturmanagement in Berlin und Oslo studiert. Ihr beruflicher Werdegang führte sie von den Donaueschinger Musiktagen über das olympische Kulturfestival in Lillehammer sowie Operntourneen der "Arena di Verona" nach Bremen, wo sie von 1998 bis 2002 als Geschäftsführerin die künstlerische und administrative Leitung des Bremer Konzerthauses "Die Glocke"innehatte. Seit 1996 lehrt sie als Gastdozentin in Studiengang Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin. 2004 übernahm sie die Intendanz und Geschäftsführung des Beethovenfestes Bonn und sorgte hier für neue Impulse. Von 2005 bis 2007 war sie Jurymitglied der Bundeskulturstiftung, in gleicher Funktion ist sie seit 2007 für die Ernst von Siemens Musikstiftung tätig.

 

Prof. Dr. Reinhard David Flender, geb. 1953, studierte Klavier, Komposition und Musikwissenschaften in Hamburg, Münster und Jerusalem. Wichtige kompositorische Anregungen erhielt er in Israel, wo er ein vierjähriges Forschungsprojekt über die synagogale Musik der orientalischen Juden durchführte. Außerdem arbeitete er bei Josef Tal im elektronischen Studio der Hebräischen Universität Jerusalem. Seit 1983 lehrt Flender an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und ist Geschäftsführer des Musikverlages Peermusic Classical GmbH.

 

Fotos von Ilona Schmiel und Reinhard Flender sind verfügbar.