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21.01.2010 12:54 Alter: 7 Jahre

Ringvorlesung "Erhalt der kulturellen Vielfalt - Welchen Schutz braucht die Kultur?"

- Corporate Social Responsibility - Krise als Zeit der Bewährung -

 

Die Industrialisierung ist seit der Globalisierung in fast allen Kulturen der Welt angelangt. Ein neuer kultureller Mainstream verdrängt seit einem Jahrhundert weltweit traditionelle Kulturformen. Aber auch alle für die Massenmedien "sperrigen" kulturellen Ausdrucksformen werden an den Rand gedrängt. Von daher hat die UNESCO zum Schutz der kulturellen Vielfalt aufgerufen. Was ist darunter zu verstehen? Sollen die ethnischen oder avantgardistischen Kunstformen zukünftig in ausgewiesenen "Kulturschutzzonen" angesiedelt werden? In gewisser Weise ist die traditionelle europäische "Hochkultur" schon längst zu so einer Kulturschutzzone avanciert, denn kaum ein Museum oder Opernhaus könnte hierzulande ohne staatliche Hilfe auskommen. Aber wie steht es um den "Jazz" und um die Kulturen von ethnischen Minderheiten oder kulturellen Traditionen von Bürgern mit Migrationshintergrund? Pluralistische Gesellschaft brauchen pluralistische Kulturlandschaften. Darüber sind sich alle einig. Das amerikanische Modell des Melting Pot aller Kulturen hat sich zu einer kulturellen Mehrstimmigkeit weiterentwickelt, insbesondere in Europa. Aber hinter dieser Utopie entsteht ein Verteilungskampf um die Ressourcen. Wenn hier nicht nur das Recht des Stärkeren gelten soll, müssen Regeln gefunden werden, die für eine gerechte Verteilung der Mittel sorgen. Neben staatlichen Hilfen spielen die Förderstrategien der privaten Stiftungen eine große Rolle. Welche Kriterien für eine Bewertung von Schutzwürdigkeit gelten könnten, soll in der Ringvorlesung im Dialog mit namhaften Persönlichkeiten aus Kultur und Medien diskutiert werden.

 

Wir laden herzlich ein zur siebten Ringveranstaltung

 

Corporate Social Responsibility - Krise als Zeit der Bewährung

am Donnerstag, den 28. Januar 2010, 18:00 bis 19:30 Uhr,

in der Hochschule für Musik und Theater Hamburg,

Budge-Palais 12 (ehem. Bibliothek).

 

Eine Kooperation des Instituts für kulturelle Innovationsforschung (IkI) und des Instituts für Kultur- und Medienmanagement (KMM)

Eintritt frei.

 

Kultur im weitesten Sinn und Kunst als Teil der Kultur führen zu einer beständigen Selbstreflexion der Gesellschaft über ihre Werte, ihre Ziele und die Art ihres Zusammenlebens, ihre Veränderung und Weiterentwicklung. Aber wie viel Kultur kann sich unsere Gesellschaft tatsächlich leisten in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und wachsender Herausforderungen für Unternehmen, die sich heute einem immer stärkeren globalen Wettbewerb stellen müssen? Welche Verantwortung trägt der Staat, die Städte und Gemeinden, Kultur zu fördern, und wo liegen die Grenzen staatlicher Förderung? Wie kann sich jeder Einzelne einbringen, um in seinem unmittelbaren Lebensumfeld kulturelle Schätze zu bewahren? Welche Rolle können Unternehmen einnehmen, um die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft zu erhalten? Und: Fallen CSR-Budgets in der Krise auch dem Rotstift zum Opfer?

Es diskutieren: Dr. Stephan Frucht (Geschäftsführer der Deutschen Wirtschaft, Berlin), Michael M. Thoss (Geschäftsführer Allianz Kulturstiftung, München) und Friedrich Loock (Direktor des Instituts für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule).

 

 

Dr. Stephan Frucht ist seit 2006 Geschäftsführer des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.. Nach dem Violin-Diplom an der Berliner Universität der Künste studierte der Hannoveraner Dirigieren an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler". 2003 wurde Frucht Referent der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquête-Kommission "Kultur in Deutschland". Parallel zu seiner künstlerischen Ausbildung studierte er Humanmedizin (Promotion 2002/HU Berlin). Frucht ist Buchautor, Inhaber eines Musiklabels, Herausgeber zahlreicher CD-Produktionen. Er berät die Bundesregierung sowie zahlreiche Unternehmen, Stiftungen und Kulturinstitutionen in künstlerischen bzw. kulturpolitischen Fragen. In der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) ist er gewählter Vertreter der Dirigenten und künstlerischen Produzenten.

 

Michael M. Thoss, geb. 1955, studierte Philosophie, Kultur- und Politikwissenschaften in Bonn und Paris und schloss diese mit Staatsexamen, Maîtrise dès Lettres und DEA ab. Abschlussarbeit über "Les Chants de Maldoror". Er arbeitete danach als Journalist und Übersetzer in Frankreich. Zehn Jahre lang war er als Kulturreferent für das Goethe-Institut im In- und Ausland tätig. 1998 übernahm er die Leitung des Bereiches Film, Kunst, Medien am Haus der Kulturen der Welt Berlin, wo er zahlreiche Ausstellungen kuratierte. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Allianz Kulturstiftung München.

Auswahl aus Veröffentlichungen: "Abendland unter? - Reden über Europa", Diederichs Vlg 2007; "Schwarze Götter im Exil", Verlag Das Wunderhorn, 2005; "DisOrientation", Haus der Kulturen der Welt, 2003; "Heimat Kunst", Haus der Kulturen der Welt, 2001.

 

Prof. Dr. Friedrich Loock, geb. 1959, studierte Betriebswirtschaft und Publizistik in Bielefeld und Berlin, absolvierte nach seinem Studium ein Training-on-the-job bei Arthur D. Little, promovierte über das Zusammenwirken von Kultur und Wirtschaft, war anschließend u.a. Referent beim Senat von Berlin und Referent Public Affairs bei der Lufthansa, er übernahm 1998 den Lehrstuhl für Kultur- und Medienmanagement an der HfMT, wo er seit 2000 Direktor des gleichnamigen Instituts ist.