Deutsch
English
< zurück
03.01.2011 18:00 Alter: 6 Jahre

Ringvorlesung "Frauen um Gustav Mahler: Alma Mahler-Werfel – die Ehefrau"

Muse, Ehefrau und verhinderte Komponistin - eine Akteurin mit großer kultureller Kraft

Wir laden Sie sehr herzlich ein zu der Veranstaltung

 

Ringvorlesung Gender Studies XII:

Musik: Frauen um Gustav Mahler

 

Dienstag, 11. Januar 2011

18.00 Uhr (s.t.) im Mendelssohnsaal

Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

 

mit dem Vortrag

 

„Alma Mahler-Werfel – die Ehefrau“

 

Vortragende: Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann, HfTMM Hannover

 

Eintritt frei.

 

Musikprogramm:

Lieder von Alma Mahler-Werfel und Gustav Mahler mit Anne-Dorothea Pahl (Gesang) und Gerd Jordan (Klavier)

 

Alma Mahler-Werfel: Muse, Ehefrau und verhinderte Komponistin - eine Akteurin mit großer kultureller Kraft

Gustav „Mahlers Beziehung zu Alma Schindler“, so Hermann Danuser in „Musik in Geschichte und Gegenwart, „war insofern einseitig, als“ Mahler „von seiner noch sehr jungen Frau eine Musenfunktion und eine perfekte Haushaltsorganisation erwartete, von ihr die Aufgabe ihres selbständigen Komponierens forderte und sie überdies auf eine so fürsorgliche Art und Weise belehrte, dass ihr keinerlei Spielraum zu eigener Entfaltung blieb. Da Mahler auch in seinem Familienleben alles seinen Kunstidealen unterordnete, wurden Krisen unvermeidlich.“   In dieser bündigen Zusammenfassung tritt Alma Mahler als Muse, als Haushälterin, als verhinderte Komponistin und als Belehrte vor unser inneres Auge – also in allen fest in unsern Wissensbeständen etablierten Rollenbildern von ihr.

Immerhin wird Alma Mahlers Eigenwertigkeit thematisiert. Aber dieses ‚sie konnte ihr Eigenes neben dem dominanten, alles seiner Kunst unterordnenden Mann nicht entfalten’ bleibt eindimensional, übersieht das kulturelle Handeln dieser Frau und wirft Fragen auf: Stimmt es überhaupt, dass Alma Mahler wirklich keinerlei Spielraum blieb? Ist das genieästhetisch vermessene Gefälle zwischen Gustav Mahler und seiner jungen Frau tatsächlich so groß, dass von einer ‚einseitigen’ Beziehung zu sprechen ist? War Mahler also der alleinige (bezogen auf Alma schuldige) Akteur, auf den sie, sich unterordnend, nur reagierte und der ihr Talent erdrückte? Und aus welcher Perspektive ist von angeblich ‚unvermeidlichen’ Ehekrisen zu sprechen? Welche Vorstellungen von Ehe sind der implizite Wertehintergrund einer solchen Aussage? Und zuletzt: Die Muse und die Belehrte – sind das nicht Haltungen, die sich von vorn herein ausschließen? Wie sind Mahlers Belehrungen einzuschätzen und was heißt es eigentlich, Muse für einen Künstler wie Gustav Mahler sein zu können?

Diesen Fragen nähert sich der Vortrag, indem drei Handlungsebenen skizziert werden, auf denen Alma Mahler in der Ehe mit Gustav Mahler agiert hat – die Handlungsebene der mit Mahler zusammenlebenden Frau, die Handlungsebene der Komponistin, deren Komponieren abhandenkam, die Handlungsebene der kulturell gebildeten Muse, die ihr (Musik-)Wissen für Mahler verwendete – es sind drei Handlungsebenen, auf denen Alma Mahler als eine Akteurin mit großer kultureller Kraft erkennbar wird.

 

Susanne Rode-Breymann studierte Alte Musik an der Musikhochschule Hamburg sowie Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg und promovierte 1988 mit einer Dissertation über „Alban Berg und Karl Kraus“. Sie war Wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Bayreuth und Bonn und erhielt Forschungsstipendien von der Paul Sacher Stiftung Basel sowie dem Österreichischen Fonds für wissenschaftliche Forschung. Nach ihrer Habilitation 1996 mit Schriften zum Musiktheater der Zwischenkriegsjahre war sie Hochschuldozentin an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Von 1999 bis 2004 war sie als Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Köln tätig. 2004 kehrte sie in gleicher Funktion an die Hochschule für Musik und Theater Hannover zurück. Dort leitet sie das 2006 gegründete und von der Mariann Steegmann Foundation finanzierte „Forschungszentrum Musik und Gender“. Seit April 2010 ist sie Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Forschungsschwerpunkte von Susanne Rode-Breymann sind die Musik des 17. und des 20. Jahrhunderts, Gender Studies und Opernforschung. Zusammen mit Antony Beaumont gab sie 1997 Alma Mahler-Werfels „Tagebuch=Suiten“ 1898-1902 heraus, ihr Buch „Die Komponistin Alma Mahler-Werfel“ erschien 1999. Susanne Rode-Breymann ist (Mit-)Herausgeberin verschiedener Jahrbücher und Reihen (Musik-Kultur-Gender, Jahrbuch Musik und Gender, Ligaturen, MusikOrte Niedersachsen) und Fachherausgeberin Musik der „Enzyklopädie der Neuzeit“. Im Dezember 2010 kam ihr jüngstes Buch „Musiktheater eines Kaiserpaars. Wien 1677 bis 1705“ heraus.

 

Organisation und Abendgestaltung: Prof. Dr. Beatrix Borchard, Georg Borchardt und Martina Bick, M.A.

Eine Veranstaltung der HfMT in Zusammenarbeit mit der Gustav Mahler Vereinigung Hamburg e.V.