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08.12.2008 13:54 Alter: 8 Jahre

Ringvorlesung Gender Studies X: Blickwinkel Körper

Ringvorlesung Gender Studies X:

Vom Gegensatz zur Vielfalt - Visionen für Morgen

mit dem Vortrag

Blickwinkel: Körper

Aufhebung der Körpergrenzen. Körper- und Familienkonzepte in fiktionalen Darstellungen der Transplantationsmedizin

am Dienstag, 16. Dezember 2008

18.00 Uhr (s.t.) im Mendelssohnsaal

Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Referentin: Dr. Irmela Marei Krüger-Fürhoff, Universität Bielefeld

Anschließend: body goes electronic, Performance mit

Donghee Nam

Eintritt frei.

 

Von weiblichen Lüsten, verpflanzten Köpfen und Vaterschaftsverwirrungen

Medizinische Verfahren wie die Transplantation von Organen, Gliedmaßen oder gar Hirngewebe heben nicht nur die traditionellen Grenzen zwischen (Körper)Eigenem und (Körper)Fremdem auf, sondern stellen auch kulturelle Vorstellungen von Identität und Individualität in Frage. Während die zeitgenössische Transplantationsmedizin vor allem den therapeutischen Erfolg solcher chirurgischen Eingriffe betont, reflektieren Literatur und Film die Probleme einer mehrfachen Hybridisierung des Menschen durch die Verpflanzung von biologischem Material, das sich nicht nur aufgrund seiner immunologischen Signatur, sondern auch aufgrund des Alters, der ethnischen Zugehörigkeit oder des Geschlechts vom jeweiligen Empfänger unterscheiden kann. Künstlerische Werke bringen Ängste und Hoffnungen zur Sprache, die aus Sicht der Medizin allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen, fungieren also als Schauplätze, an denen individuelle bzw. gesellschaftliche Wünsche und Befürchtungen formuliert sowie Normen hin-terfragt werden können. Dies gilt auch dort, wo Literatur und Film utopische Operationstechniken antizipieren und deren Folgen imaginär durchspielen.

Der Vortrag widmet sich den Imaginationen von Kopfverpflanzungen in einer Erzählung von Thomas Mann ("Die vertauschten Köpfe", 1940) und einem Fotofilm der Regisseurin Katja Pratschke ("fremdkörper / transposed bodies", D 2002).

 

Irmela Marei Krüger-Fürhoff studierte Germanistik, Allgemeine und Ver-gleichende Literaturwissenschaft und BWL in Berlin und den USA. Derzeit ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Linguistik und Lite-raturwissenschaft der Universität Bielefeld und schreibt an einer Habilitation über die Wissenschaftsgeschichte und Poetik der Transplantationsmedizin. Ihre weiteren Schwerpunkte sind Literarische Anthropologie, Autorschaftskonzepte, Gender Studies sowie die Beziehungen zwischen Literatur und anderen Künsten.

Ihre jüngste Buchpublikation ist der Sammelband "Engineering Life. Narrationen vom Menschen in Biomedizin, Kultur und Literatur" (Hrsg. mit Claudia Breger und Tanja Nusser, Berlin 2008).