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04.01.2012 11:15 Alter: 5 Jahre

Ringvorlesung „Singende Königinnen, tanzende Prinzen - Musik an europäischen Höfen“

Künstlerehepaar am Dresdner Hof: Johann Adolf Hasse und Faustina Bordoni

Abbildung: Ehepaar Faustina geb. Bordoni und Johann Adolph Hasse, nach den Miniaturen von Felicitas Hoffmann geb. Sartori (Dresden, Gemäldegalerie)

Wir laden Sie sehr herzlich ein zu der Veranstaltung

 

Ringvorlesung Gender Studies und Konzerte XIII:

Singende Königinnen, tanzende Prinzen -

Musik an europäischen Höfen

 

am Dienstag, dem 10. Januar 2012

18.00 Uhr (s.t.) im Mendelssohnsaal der

Hochschule für Musik und Theater Hamburg:

 

Johann Adolf Hasse und Faustina Bordoni in Dresden

 

Vortrag: Prof. Dr. Wolfgang Hochstein, HfMT Hamburg

 

Musikprogramm mit Studierenden der Gesangsklasse von Prof. Mark Tucker

 

Eintritt frei.

 

Künstlerehepaar am Dresdner Hof: Johann Adolf Hasse und Faustina Bordoni

Die Zeitgenossen von Johann Adolf Hasse waren sich einig in ihrer Wertschätzung: Joseph Haydn verehrte ihn als Vorbild, Wolfgang Amadeus Mozart wollte gar „unsterblich werden“ wie er, Jean-Jacques Rousseau pries das von ihm geleitete Dresdner Orchester als das beste in ganz Europa, und dem englischen Musikschriftsteller Charles Burney galt er als der bedeutendste aller „itztlebenden Komponisten“. Der Italiener Giovanni Battista Mancini hat jenes Wort vom „Padre della musica“ geprägt, das auch Leopold Mozart geläufig war („Musick-Vatter“). Später dann, rund 150 Jahre nach seinem Tod, sah es der Kulturphilosoph Romain Rolland als eine der größten Ungerechtigkeiten der Geschichte an, dass „dieser bewunderungswürdige Mann so vergessen werden konnte“.

Hasse kam 1699 in der heute zu Hamburg gehörenden Stadt Bergedorf zur Welt. Er begann seine Laufbahn als Sänger in Hamburg und Braunschweig, ehe er zur kompositorischen Ausbildung nach Italien ging und in Neapel einer der letzten Schüler von Alessandro Scarlatti wurde. Ab 1725 kam Hasses Schaffenskraft zur vollen Entfaltung: Im Lauf seines langen Lebens sollte er mehr als 60 Opern und andere Bühnenwerke schreiben, dazu Oratorien, Messen und weitere Kirchenkompositionen sowie weltliche Kantaten und Instrumentalwerke. Im Sommer 1730 heiratete Hasse eine europaweit gefeierte Sängerin: die 1697 in Venedig geborene Faustina Bordoni, die schon in London unter Händel gesungen und durch ihre tätliche Auseinandersetzung mit der Rivalin Francesca Cuzzoni für Schlagzeilen gesorgt hatte. Nach der erfolgreichen Premiere der Oper Cleofide im September 1731 in Dresden wurden die Hasses an den sächsisch-polnischen Hof engagiert: er als Kapellmeister und sie als Primadonna. Das Künstlerehepaar sollte das dortige Musikleben in einer vor- und nachher niemals übertroffenen Weise prägen. Großzügige Arbeitsbedingungen und ein hohes Einkommen ermöglichten ihnen ausgedehnte Reisen, die sie nach Berlin, Warschau, Paris, München, Wien und immer wieder in die musikalischen Zentren Italiens führten. Nach den Wirren des Siebenjährigen Krieges ließen sich die Hasses in Wien nieder, ehe sie 1773 nach Venedig übersiedelten. Faustina ist 1781 dort gestorben, ihr Mann zwei Jahre später.

Hasse gilt als Hauptvertreter der durch die Dichtungen von Pietro Metastasio geprägten Opera seria. Mit diesem Genre wurde er zum musikalischen Repräsentanten der letzten Pracht des Absolutismus kurz vor dem gesellschaftlichen Umbruch der Französischen Revolution. Aber auch seine Oratorien und seine liturgische Kirchenmusik sind von hoher Qualität und zeugen vom stilistischen Übergang zwischen den als „Barock“ und „Klassik“ bezeichneten musikalischen Epochen.

 

Wolfgang Hochstein studierte Schulmusik, Theorie/Komposition, Klavier und Orgel in Detmold sowie Musikwissenschaft in Hamburg (1981 Dr. phil.). 1976 wurde er an die Hochschule für Musik und Theater Hamburg berufen und 1982 zum Professor ernannt; zur Zeit ist er dort Dekan der wissenschaftlich-pädagogischen Fächer. Er ist Vorsitzender der Hasse-Gesellschaft Bergedorf, Editionsleiter der Hasse-Werkausgabe und Mitherausgeber der Hasse-Studien. Außerdem publizierte er zu kirchenmusikalischen Themen und Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts und wirkte bei Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen mit. Er erhielt mehrere Auszeichnungen für seine Verdienste um die Hasse-Forschung. Derzeit erscheint im Laaber-Verlag eine von ihm als Mitherausgeber betreute vierbändige Geschichte der Kirchenmusik.

 

Organisation und Abendgestaltung: Prof. Dr. Beatrix Borchard, Isolde Kittel-Zerer und Martina Bick, M.A.