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04.01.2016 07:54 Alter: 205 Tage

Sabine Kalter, die verehrte Primadonna am Hamburger Stadt-Theater

Im Rahmen der Ringveranstaltung „Gender Studies und Musik XVI: Neues aus Genderforschung und Musikvermittlung“ findet der musikalisch begleitete Vortrag „Die glücklichsten Jahre – Sabine Kalter, verehrte Primadonna am Hamburger Stadt-Theater“ statt.

Foto: Uni Hamburg

Dienstag, den 12. Januar 2016 um 18 Uhr (s.t.)

Mendelssohnsaal der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Der Eintritt ist frei

Programm:

Die Hamburger Autorin Susanne Wittek stellt in einem bebilderten Vortrag  mit Originalton-Beispielen aus den Jahren 1923/24 die Altistin Sabine Kalter (1889-1957) vor, die im Januar 1935 nach fast zwei Jahrzehnten der Ensemblezugehörigkeit an der Hamburgischen Staatsoper wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten ins Exil gejagt wurde.

Die Mezzosopranistin Agata Bienkowska singt, am Klavier begleitet von Ira Hochman, Arien aus Opern von Hindemith, Korngold und Strawinsky, an deren Uraufführung Sabine Kalter in den zwanziger Jahren mitwirkte. Gemeinsam mit den Gesangstudierenden Dustin Drosdziok, Constanze Hosemann und Immanuel Klein stellen die beiden Künstlerinnen unter der Regie von Alexander Radulescu einige Opernszenen vor.


Ein ehemaliger Hamburger Opernstar

Bis 1935 war die aus Galizien stammende Künstlerin der gefeierte Star des Hamburger Opernlebens. Nicht nur, dass das Publikum sie liebte und verehrte, sondern auch die Kritik bedachte sie mit begeistertem Lob für ihre herrliche Stimme und ihre hervorragende Technik. Vor allem in Verdi-Partien und als Wagner-Interpretin feierte Sabine Kalter Triumphe, doch auch zeitgenössische Musik gehörte zu ihrem breit gefächerten Repertoire. Im englischen Exil konnte sie zunächst an ihren Erfolgen als international angesehene Opernsängerin anknüpfen. Da mit Ausbruch des 2. Weltkrieges die Arbeitsbedingungen immer schwieriger wurden, betätigte sie sich schließlich als Gesangs-Pädagogin und Konzertsängerin. Nach dem Krieg kehrte sie noch einige Male nach Hamburg zurück, unter anderem für eine Radioaufnahme und für einen Liederabend in der Musikhalle. Das Bühnengebäude der Oper betrat sie jedoch nie wieder.

 

Zu den Mitwirkenden:

Susanne Wittek gestaltet seit 2005 Kulturprojekte über das Exil während der NS-Diktatur, unter anderem konzipiert und moderiert sie im Hamburger KörberForum eine Veranstaltungsreihe der Herbert und Elsbeth Weichmann-Stiftung über NS-Verfolgte Exilantinnen und Exilanten. Ihr Buch Absprung über Niemandsland. Hamburger Exilbiografien im 20. Jahrhundert (2014) erzählt die Geschichte von Frauen und Männern, die exemplarisch für Tausende aus Nazi-Deutschland verbannte Künstler und Intellektuelle stehen.

Ira Hochman stammt aus Israel. Sie studierte an der Rubin Academy in Tel Aviv und der Manhattan School of  Music in New York Klavier und Korrepetition. Ihr Dirigierstudium absolvierte sie bei Prof. Ralf Weikert an der Hochschule der Künste in Bern. Seit 1996 war sie fest engagiert im internationalen Opernstudio am Opernhaus Zürich, an der Oper Frankfurt am Main sowie an der Hamburgischen Staatsoper, an der sie im April 2005 ihr Dirigierdebüt mit Rossinis Il Turco in Italia gab. Seit 2006 arbeitet sie als freischaffende Cembalistin und Dirigentin.
Seit 2006 ist Ira Hochman auch als Dozentin für Gesangskorrepetition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg tätig. Von 2011 an unterrichtet Sie darüber hinaus Diktion für Sänger und gibt zusammen mit Prof. M. Tucker ein Seminar für Historische Aufführungspraxis.
Im Jahr 2007 gründete sie zudem ihr eigenes Ensemble „barockwerk hamburg“, welches insbesondere aus der reichen hamburgischen Tradition schöpft und sich derzeit im Raum Norddeutschland einen Namen macht.

Agata Bienkowska (Mezzosopran) wurde in Polen geboren. Sie absolvierte ihr Studium an den Musikhochschulen Danzig und Stuttgart mit Auszeichnung. Noch während ihrer Ausbildung gastierte sie unter anderem bei den Festspielen in Wexford, Pesaro und Dordrecht. Danach sang sie im Gran Teatre Liceu di Barcelona, Théâtre des Champs Elysées, Teatro Massimo di Palermo, Zürcher Opernhaus, in der Opera di Roma und andernorts. Ihr umfangreiches Repertoire setzt besondere Schwerpunkte auf die Barockmusik und den Belcanto. Auf CD erschienen mit ihr Rossinis La pietra del paragone, Matilde di Shabran, Elisabetta, Regina d’Inghilterra, Moscas L’italiana in Algeri, Mercadantes La vestale, Massenets Sapho, auf DVD Rossinis La gazzetta und Verdis Nabucco. Zusammen mit barockwerk hamburg nahm sie das Programm La Prima Diva auf (Tactus). Sie lebt in Italien, wo sie am Conservatorio di Musica in L’Aquila eine Professur für Gesang innehat.

Alexander Radulescu arbeitet als freier Theater- und Fernseh-Regisseur u.a. für die Sender arte und SWR sowie für DVD-Produktionen. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt hier im Bereich Musik-, Theater- und Tanzfilm. Außerdem entwickelt er in langjähriger Zusammenarbeit mit dem kulturforum21 Theaterproduktionen mit Hamburger Schulen. Höhepunkt der bisherigen Zusammenarbeit bildete der Tanztheaterabend bewegt!, bei welchem gemeinsam mit John Neumeiers Bundesjugendballett über 350 Hamburger Schülerinnen und Schüler auf der großen Bühne von Kampnagel standen.
Alexander Radulescu unterrichtet als Schauspiel-Dozent an der Musikhochschule Hamburg und ist seit 2014 Lehrbeauftragter am Hamburger Konservatorium. 

Moderation, Abendgestaltung und Organisation: Prof. Dr. Beatrix Borchard, Prof. Dr. Nina Noeske und Martina Bick, M.A.