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26.11.2014 10:09 Alter: 2 Jahre

Vom Kastraten zum contralto musico: Gesangsgenealogie im 18. und frühen 19. Jahrhundert

02.12.2014 │ 18 Uhr │Mendelssohn Saal der HfMT -

Giuditta Pasta als Romeo

Wir laden Sie sehr herzlich ein zu der

 

Ringveranstaltung Gender Studies und Musik XVI:

Familie – Freundschaft – Konstellationen

am Dienstag, dem 2. Dezember 2014

18.00 Uhr (s.t.) im Mendelssohnsaal der

Hochschule für Musik und Theater Hamburg

 

mit dem Thema

„und in der Schule […] endlich auch des Bernacchi gebildet.“ Vom Kastraten zum contralto musico: Gesangsgenealogie im 18. und frühen 19. Jahrhundert

Dr. Anke Charton, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

 

Musikprogramm:

Arien aus Opern von Händel, Mozart und Rossini, gesungen von Jung Kwon Jang ( Counter Tenor), Anna-Maria Torkel (Mezzosopran) aus den Klassen von Prof. Mark Tucker und Prof. Geert Smits, Ira Hochman (Klavier), HfMT.

 

Eintritt frei.

 

Moderation, Abendgestaltung und Organisation: Prof. Dr. Beatrix Borchard, Prof. Dr. Nina Noeske und Martina Bick, M.A.

 

Frauen, Männer, hohe Töne: Belcanto mit Bravour

Bei wem muss eine Sängerin studiert haben, damit ihr Papagei den Fängen der spanischen Inquisition entgeht? Fördert es die Karriere, den eigenen Friseur zu ehelichen? Und ist es ein sängerisches Qualitätsmerkmal, beim Applaus in Tränen auszubrechen?
In einer Zeit vor institutionalisierter Gesangsausbildung, insbesondere für Sängerinnen, waren es die Gesangslehrer (und auch –lehrerinnen), von deren Namen, Nimbus und Netzwerken eine Karriere abhing. Zentral für die Konzepte des Belcanto, die den westlichen Kunstgesang bis in die Gegenwart hinein prägen, war die „Bologneser Gesangsschule“, die insbesondere mit den Kastraten Antonio Bernacchi und Antonio Pistocchi  in Verbindung gebracht wird.
Diese Gesangspaten der Zeit um 1700, die in Pier Francesco Tosis einflussreichen „Meinungen über frühere und gegenwärtige Sänger“ (Bologna 1724) ein Goldenes Zeitalter der Gesangskunst repräsentieren, sind dabei nur eine Station innerhalb der komplexen biographischen Konstellationen, die dafür sorgen, dass der Mantel der „wahren“ Gesangskunst um 1800 von den Kastraten an Sängerinnen weitergereicht wird, die sich in Genealogien einschreiben, um schließlich in vielfältigen Beziehungen selbst ein Vermächtnis zu schaffen.

Anke Charton studierte Theaterwissenschaft und Germanistik in Leipzig, Bologna und Berkeley. Sie arbeitete als Regieassistentin und Übersetzerin und promovierte sich 2011 an der Universität Leipzig mit einer interdisziplinären Arbeit im Bereich Opern- und Geschlechterforschung (prima donna, primo uomo, musico. Körper und Stimme: Geschlechterbilder in der Oper. Leipzig 2012) Lehrauftrage führten sie u.a. an die Hochschule für Musik Detmold und die Universität Leipzig. Zu ihren Forschungs- und Publikationsschwerpunkten gehören Musiktheater, Gesangsforschung, ältere Theatergeschichte und Geschlechterforschung. Gegenwärtig arbeitet sie u.a. zur (Musik)Theatergeschichte Spaniens im Siglo de Oro. Seit 2014 ist sie Mitarbeiterin des Forschungsportals „MUGI – Musikvermittlung und Genderforschung im Internet“ der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Der Countertenor Jung Kwon Jang wurde 1984 in Buyeo, Süd Korea, geboren und studierte von 2009 bis 2013 an der Yonsei Universität in Seoul (Bachelor Abschluss) und seitdem an Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Prof. Mark Tucker Gesang. Er erhielt zahlreiche Preise (2009 Haneum Music Competition, Korea, 2. Preis, 2010 Korea/Germany Brahms Association Competition, 2. Preis, 2010 Music Education News Concours in Korea, Encouraging Prize, 2014 Gustav Mahler Liedwettbewerb Hamburg, 3. Preis) und sang Alto Solo-Partien u.a. in der Johannes Passion und im Magnifikat von J.S. Bach, im Messias von G.F.Händel, in „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ von H. Schütz und in anderen Chorwerken in Hamburg und Korea.

 

Anna–Maria Torkel wurde in Bremen geboren. Bereits mit sechs Jahren erhielt sie Geigenunterricht, 2002 ihre ersten Gesangsstunden. Seit 2009 studiert die Mezzosopranistin an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Gesang, zunächst bei Yvi Jänicke und seit Oktober 2010 bei Geert Smits. Zuvor studierte sie Mathematik und Musik für Lehramt in Bremen und schloss dieses mit dem ersten Staatsexamen ab.

Sie wirkte mit in Inszenierungen der Hochschule für Künste Bremen, des internationalen Opernstudios der Hamburgischen Staatsoper und 2011 in der Produktion „Cendrillon“ von Pauline Viardot des jungen Forums der HfMT Hamburg, welche als Gastspiel auch an der Kieler Oper zu sehen war. In der Spielzeit 2011/12 gastierte Anna-Maria Torkel in Kiel an der Oper als 3. Dame der Zauberflöte Mozarts.

Sie widmet sich außerdem der Aufführung zeitgenössischer Musik, u.a. mit Liederzyklen des Komponisten Günter Friedrichs oder durch Uraufführungen von Werken der Komponistin Rucsandra Popescu.

2012 erhielt Anna Maria Torkel das Brahms Stipendium der Johannes Brahms Gesellschaft Hamburg, seit 2013 ist sie Stipendiatin der Franz-Wirth Gedächtnis-Stiftung. Sie gewann im Frühjahr 2014 den 2. Preis beim Gustav Mahler Wettbewerb Hamburg.

 

Ira Hochman stammt aus Israel und studierte an der Rubin Academy in Tel Aviv und der Manhattan School of  Music in New York Klavier und Korrepetition. Ihre Ausbildung zur Cembalistin erhielt sie an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel. Ihr Dirigierstudium absolvierte sie bei Prof. Ralf Weikert an der Hochschule der Künste in Bern.

Seit 1996 war sie fest engagiert im internationalen Opernstudio am Opernhaus Zürich, an der Oper Frankfurt am Main sowie an der Hamburgischen Staatsoper, an der sie im April 2005 ihr Dirigierdebüt mit Rossinis Il Turco in Italia gab. Seit 2006 arbeitet sie als freischaffende Cembalistin und Dirigentin.

Seit Jahren arbeitet sie mit dem Dirigenten und Barockspezialisten Alessandro de Marchi zusammen. Sie wirkte als Cembalistin in Produktionen der Opéra National de Lyon, der Hamburgischen Staatsoper, dem Theater an der Wien, dem Baltasar-Neumann-Ensemble, mit dem Orchester „Katharina die Große“ in St. Petersburg und der Academia Montis Regalis in Turin mit. 2007 gründete sie ihr eigenes Ensemble „barockwerk hamburg“, welches im Februar 2013 zusammen mit der Mezzosopranistin Agata Bienkowska für das italienische Label Tactus eine CD mit Opernsinfonien und Arien für Faustina Bordoni aufnahm.

Seit 2006 ist Ira Hochman auch als Dozentin für Gesangskorrepetition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg tätig. Von 2011 an unterrichtet Sie darüber hinaus Diktion für Sänger und gibt zusammen mit Prof. M. Tucker ein Seminar für Historische Aufführungspraxis.