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27.05.2008 12:40 Alter: 9 Jahre

Wer waren eigentlich Siegfried und Ella Budge?

-Feierliche Einweihung der Stolpersteine -

 

Heute wurden die zwei Stolpersteine für Siegfried und Ella Budge durch den Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Prof. Elmar Lampson, eingeweiht. Die Hochschule stiftete die Stolpersteine, die durch den Künstler Gunter Demnig vor dem Haupteingang der Hochschule für Musik und Theater Hamburg in den Gehweg der Milchstraße eingelassen wurden.

Sie erinnern daran, dass auch das Budge-Palais eines von tausenden Hamburger Häusern ist, deren einstige Bewohner und Bewohnerinnen zu Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.

 

"Uns ist es ein politisches und moralisches Anliegen, das Andenken an die Familie Budge und insbesondere an Ella und Siegfried Budge zu bewahren"sagte Hochschulpräsident Lampson."Seit 1959 ist das Budge-Palais Sitz der Musikhochschule und es ist mir wichtig, allen Hochschulmitgliedern, vor allem aber unseren Studierenden die Geschichte des Hauses und seiner Bewohnerinnen und Bewohner bewusst zu machen."

 

Zu der Einweihung der Stolpersteine erschien erstmals die Broschüre"Die Familie Budge in Hamburg und ihr Palais an der Alster"(von Livia Gleiß).

 

Livia Gleiß schreibt über das Schicksal von Siegfried und Ella Budge:

"Siegfried Budge, am 18.6.1869 in Frankfurt am Main geboren, war ein Neffe von Henry Budge, ..(Henry und Emma Budge lebten seit 1900 in dem von Martin Haller 1887 erbauten Palais).

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Heirat mit Ella Henriette Mayer (1897) eröffnete Siegfried Budge eine Rechtsanwaltspraxis in Frankfurt. Er schloss ein Studium der Nationalökonomie an, habilitierte sich 1921 an der Universität Frankfurt bei Franz Oppenheimer und lehrte von 1925 bis 1933 als Professor für Nationalökonomie an der Universität Frankfurt. Er wurde als Fachmann der Volkswirtschaft insbesondere auf dem Gebiet der Geldtheorie bekannt.

Der philanthropischen Familientradition der Budges folgend, war er Vor-standsmitglied der "Max und Rosalie Budge - Stiftung" (benannt nach seinen Eltern) für sozial Bedürftige; auch betätigte er sich als Kunstsammler.

Bereits im März 1933 wurde ihm als Jude die Lehrbefugnis entzogen - ausgerechnet von der Universität, die sein Onkel Henry Budge als Gründungs-mitglied mit großzügigen Spenden bedacht hatte. Nach erfolglosen Bemühungen Siegfried Budges um eine Anstellung im Ausland zogen er und seine Frau 1934 auf Einladung Emma Budges nach Hamburg in ihr Palais an der Alster. Nach dem Tode Emma Budges am 14.2.1937 mussten sie die Villa verlassen. Die folgenden vier Jahre in Hamburg sollten für sie eine demütigende Suche nach Unterkunft bedeuten - viele Male mussten sie umziehen. Siegfried Budge starb am 1. September 1941 infolge schwerer Krankheit.

 

Das Wissen über Ella Budge ist verschwindend gering. Es scheint, dass sie durch die NS-Verbrechen nicht nur ihres Lebens beraubt wurde, sondern auch eines großen Teils ihrer Lebensgeschichte. Lediglich einer alten Meldekarte Siegfried und Ella Budges, archiviert im Bestand des Institutes für Stadtgeschichte Frankfurt, lassen sich grobe Eckdaten entnehmen: Als Ella Henriette Mayer wurde sie am 8. Mai 1875 in einer jüdischen Familie in Frankfurt am Main geboren. Am 16.8.1897 heirateten Ella und Siegfried Budge in Frankfurt. Die Meldekarte vermerkt eine Tochter: Nelly Budge, geboren am 30.6.1898 in Frankfurt.

 

Ella Budge und ihr Ehemann waren nach Emma Budges Tod 1937 die rechtmäßigen Bewohner des Budge-Palais, bevor es noch im gleichen Jahr von den Natio-nalsozialisten in Beschlag genommen und vom Gauleiter Karl Kaufmann zur Reichsstatthalterei umfunktioniert wurde. Nach dem Tode ihres Mannes wurde Ella Budge am 11.4.1942 von der Hamburger Gestapo verhaftet und ins Konzentrati-onslager und Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in Hamburg verschleppt, wo sie - ohne ersichtlichen Grund-über drei Wochen festgehalten wurde. Es ist wahrscheinlich, dass ihr ein so genanntes Devisenvergehen angehängt wurde, ein von der Gestapo häufig konstruierter Vorwand zur Ausschaltung der jüdischen Bevölkerung. Dass Ella Budge 1942 ausgerechnet im KZ Fuhlsbüttel eingesperrt wurde, das von demjenigen eingerichtet worden war, der nun die repräsentative Anlage ihres eins-tigen Hauses für seine Machtausübung missbrauchte, zeigt den Zynismus der na-tionalsozialistischen Gewaltherrscher. Nur einige Wochen nach ihrer Entlassung aus der Gestapo-Haft erhielt sie den Deportationsbefehl. Am 19.7.1942 wurde Ella Budge zusammen mit 700 anderen Hamburger Bürgern nach Theresienstadt deportiert. Den dort herrschenden unmenschlichen Bedingungen erlag sie am 6. November 1943.

 

Ihr Name ist einer von 8877 Namen, die im Gedenkbuch "Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus" erfasst sind. Es dokumentiert die große Zahl der jüdi-schen Bürger Hamburgs, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt wurden und zu Tode kamen."

 

In Hamburg erinnern bereits 2.000 Stolpersteine an Opfer des Ntionalsozialismus. Die Gedenksteine gibt es inzwischen in 280 Orten in Deutschland (und in Österreich, Ungarn, den NL und demnächst Frankreich). Sie werden über Patenschaften finanziert.

 

Weitere Informationen:

Livia Gleiß, livia.gleiss@gmx.de

http//:www.stolpersteine-hamburg.de