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28.10.2013 17:42 Alter: 3 Jahre

XV. Ringveranstaltung Gender Studies und Musik

Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) - Der „große Bach“ – Profile eines „Originalgenies“: Genius – Genus – Genealogien: Bach-Rezeption und Geniediskurs

Wir laden Sie sehr herzlich ein zu dem nächsten Vortrag der Ringveranstaltung

am Dienstag, dem 5. November 2013, 18.00 Uhr (s.t.)

im Mendelssohnsaal der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

mit dem Thema

Genius – Genus – Genealogien: Bach-Rezeption und Geniediskurs

Vortrag von Prof. Dr. Rebecca Grotjahn, Universität Paderborn

 

Musikprogramm mit Werken von J.S. Bach bis Fanny Hensel

erarbeitet von Studierenden der HfMT unter Leitung von Isolde Kittel-Zerer

Eintritt frei.

Zum Vortragsthema

Stammbäume, Ahnentafeln und Darlegungen der Familiengeschichte begleiten die Bach-Rezeption von Beginn an. Die Bach-Genealogie lässt sich selbst auf einen ‚Urahnen‘ zurückführen: den Ursprung der musicalisch-Bachischen Familie, den Johann Sebastian Bach im Jahre 1735 niederschrieb. Seitdem haben sich die kulturellen Vorstellungen von Abstammung, Familie und Erbe grundlegend gewandelt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand das Konzept der Vererbung im biologischen Sinne; ursprünglich dienten Stammtafeln vor allem als Grundlage für die Verteilung des materiellen Besitzes nach dem Tod eines Menschen und als Beleg für das Ansehen eines Individuums. Was aber bedeutet es, wenn trotz der neuen Vorstellungen von Reproduktion und Genetik die alten, auf den Ursprung und seinen kulturellen Kontext zurückverweisenden Bach-Genealogien weiterhin tradiert und fortgeführt werden – und dabei, wie ehedem, die weiblichen Mitglieder der Familie Bach weggelassen werden? Auch die Konstruktion von Lehrer-Schüler(in)-Genealogien wandelt sich im Verlauf der Rezeptionsgeschichte. Bekanntlich wurden seit dem 19. Jahrhundert die ersten Generationen der Kinder wie SchülerInnen Bachs marginalisiert – zugunsten des Konstrukts vom angeblich vergessenen und erst durch Felix Mendelssohn Bartholdy wieder entdeckten Bach. Zu diskutieren ist, was dies mit der neuen Genieästhetik des 19. Jahrhunderts zu tun hat – die sich ebenfalls auf der Grundlage des neuen biologischen ‚Wissens‘ herausbildet.

 

Rebecca Grotjahn ist Professorin für Musikwissenschaft an der Universität Paderborn und der Hochschule für Musik Detmold. Sie studierte Schulmusik, Gesang, Musikwissenschaft, Germanistik und Musikpädagogik, promovierte 1997 über Die Sinfonie im deutschen Kulturgebiet 1850–1875 und habilitierte sich 2004 mit Studien zur Kulturgeschichte der Musik. Zu ihren Forschungsgebieten zählen musikwissenschaftliche Genderforschung, Geschichte des Singens, Lieder, musikalische Institutionen- und Alltagsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Robert Schumann, Ethel Smyth etc.

Organisation und Abendgestaltung:

Prof. Dr. Beatrix Borchard und Martina Bick, M.A. in Zusammenarbeit mit dem Studio für Alte Musik der HfMT Hamburg.