Deutsch
English
< zurück
07.11.2013 06:55 Alter: 3 Jahre

XV. Ringveranstaltung Gender Studies und Musik: Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788): Der Berliner Bach

Vortrag und Musikprogramm („23 Pièces caractéristique“ von Carl Philipp Emanuel Bach)

Carl Philipp Emanuel Bach, Büste im Schauspielhaus Berlin

Wir laden Sie sehr herzlich ein zur nächsten Ringveranstaltung Gender Studies und Musik:

 

Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788)

Der „große Bach“ – Profile eines „Originalgenies“

 

am Dienstag, dem 12. November 2013, 18.00 Uhr (s.t.)

im Mendelssohnsaal der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

 

mit dem Thema

 

Der Berliner Bach

Vortrag von Dr. Ingeborg Allihn, Berlin

 

Musikprogramm:

„23 Pièces caractéristique“ von Carl Philipp Emanuel Bach

Am Clavier Harutyun Muradyan, Alexander Gergelyfi und Daniel Zimmermann aus der Klasse von Prof. Menno van Delft, HfMT Hamburg

 

Eintritt frei

Der „vortreffliche Berlinische Bach“

In seinen Briefen „über den itzigen Zustand der schönen Wissenschaften in Deutschland […]“ spricht Christoph Friedrich Nicolai, der Nestor der deutschen Literaturkritik, 1755 vom „vortrefflichen Berlinischen Bach“. Wenn man „ein Beispiel haben“ wolle, „wie man die tiefsten Geheimnisse der Kunst, mit allem, was der Geschmakk [sic!] schäzbares hat, verbinden“ könne, dann solle man „den vortrefflichen Berlinischen Bach“ hören.

Carl Philipp Emanuel Bach, der zweitälteste Sohn Johann Sebastian Bachs, lebte und arbeitete von 1740 bis 1768 in Berlin. Ein Faktum, das ihm den Beinamen Berliner bzw. „Berlinischer Bach“ eintrug. Bereits 1738 war er als Cembalist in die Kapelle des preußischen Kronprinzen Friedrich berufen worden, damals noch in Ruppin und Rheinsberg. 1740, nach der Thronbesteigung Friedrichs als König Friedrich II., siedelte Bach nach Berlin über. 1741 wurde er als Kammercembalist der königlich-preußischen Hofkapelle fest angestellt. Der offiziellen höfischen Kultur mit ihrer Vorliebe für die italienische Oper und der Präferenz des Königs für kammermusikalische Werke vor allem von Johann Joachim Quantz und den Brüdern Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, stand das vom Gedankengut der Aufklärungsbewegung getragene bürgerliche Kunst- und Kulturleben gegenüber. In Berlin, der im 18. Jahrhundert von in allen deutschen Staaten am schnellsten wachsenden Stadt, waren die Lebenswelten von „Hof“ und „Stadt“ räumlich streng getrennt. Auf der Seite der „Stadt“ konnten die Musikinteressierten - anfangs privat, schon bald aber halböffentlich und im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts dann öffentlich – Aufführungen der verschiedensten Liebhabervereinigungen besuchen. Bach war hier genauso wie in den literarischen Zirkeln, in denen man sich der Diskussion wissenschaftlicher und literarischer Themen widmete, ein gern gesehener Gast. Für diese Gesellschaften, vor allem aber für Zusammenkünfte in seinem Freundeskreis, zu dem u.a. Ärzte, Hofbeamte und Juristen, aber auch Dichterinnen und Dichter gehören, komponierte er in den Jahren 1754 bis 1757 seine 23 Pièces Caractéristique Wq 117,17-40. Mit welchen „Vokabeln“, vor welchem musikästhetischen Hintergrund und in welchem kommunikations- und sozialgeschichtlichen Kontext entwickelte er in den 23 klingenden Porträts bzw. tönenden Charakterzeichnungen seine plastische „Klang-Rede“?

 

Ingeborg Allihn, geboren 1936, studierte Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und promovierte mit einer Arbeit über „Die Musik Hanns Eislers zu Stücken von Bertolt Brecht“ an der Humboldt-Universität Berlin. Sie lebt als freie Autorin in Berlin und publiziert zur Berliner Musikgeschichte und zu Fragen der historisch informierten Aufführungspraxis. U.a ist sie Autorin des Bandes „Berlin“ in der Reihe Musikstädte der Welt (Laaber 1991), Herausgeberin eines Kammermusikführers (Metzler/Bärenreiter 1998) und eines Barockmusikführers (Metzler/Bärenreiter 2001) sowie Mitherausgeberin von „Wie mit vollen Chören“ – 500 Jahre Kirchenmusik in Berlins historischer Mitte (ortus musikverlag 2010), sowie Mitglied der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik für den Bereich Kammermusik.

 

Der in Linz an der Donau geborene Alexander Gergelyfi studierte Cembalo und Aufführungspraxis der Alten Musik in Linz, Graz und Straßburg und ist seit Oktober 2011 Student bei Menno van Delft an der HfMT Hamburg. Im Rahmen seiner Studien nahm er europaweit an Meisterkursen und Orchesterakademien teil. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt unkonventionelleren Kompositionen alter Meister sowie der Norddeutschen Klaviermusik. So fertigte Jukka Ollikka eine originalgetreue Kopie eines Hamburger Cembalos von Johann Christoph Fleischer aus dem Jahre 1710 für ihn an.

Seit November 2012 ist Alexander Gergelyfi Organist an St. Nicolaus in Hamburg-Alsterdorf.

 

Harutyun Muradyan wurde 1992 in Yerevan in Armenien in einer Musikerfamilie geboren. Im Alter von fünf Jahren begann er mit dem Geigenunterricht, nachdem die Familie im selben Jahr nach Moskau umzog. Ab 2008 wuchs sein Interesse am Komponieren. Zunächst studierte er ein Jahr allein die Fächer Klavier, Harmonielehre und Musiktheorie. Im darauffolgenden Jahr begann er Unterricht in Gehörbildung und Musiktheorie bei Prof. Dr. Tatiana Tsaregradskaya in Moskau zu nehmen. Seit September 2010 studiert er Komposition und Musiktheorie in der Klasse von Prof. Volkhardt Preuß. In Hamburg wuchs auch sein Interesse am Dirigieren und am Cembalospiel. 2011 dirigierte er u.a. zweimal das Stück „Ain't Odysseus?“  der jungen türkischen Komponistin Eda And. Im selben Jahr brachte er zwei eigene Kompositionen, „Toccata und Fuge in c-moll“ op.31, zur Uraufführung. Seit Oktober 2013 studiert er in der Cembaloklasse von Prof. Menno van Delft und in der Klasse von Prof. Carsten Lohff an der HfMT Hamburg.

 

Daniel Zimmermann erhielt seit seinem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht und sang mit neun Jahren im Kieler Knabenchor, mit dem er erste musikalische Reisen ins Ausland unternahm. Neben dem Gesang widmete er sich seit dem Bau seines Cembalos 2004 vor allem der Alten Musik und der Orgelmusik. Er studiert Kirchenmusik an der HfMT Hamburg bei Prof. Wolfgang Zerer (Orgel) und Prof. Carsten Lohff (Cembalo) sowie seit 2010 Cembalo bei Prof. Menno van Delft.

Neben dem Studium wurde Daniel Zimmermann in den Verlagsausschuss des „Verlags Singende Gemeinde“ in Wuppertal berufen. Im Jahr 2011 wurde ihm ein Stipendium der „Internationalen Felix Mendelssohn Bartholdy Gesellschaft Hamburg“ verliehen. Als 2. Kirchenmusiker an der Hauptkirche St. Jacobi Hamburg arbeitet Daniel Zimmermann bereits jetzt in dem vielfältigen Aufgabenbereich eines Kirchenmusikers, verstärkt durch den großen öffentlichen Wirkungskreis der historischen Arp-Schnitger-Orgel. Er ist außerdem als Museumsführer in der bedeutenden historischen Tasteninstrumentensammlung von Prof. Beurmann im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe tätig.

 

Organisation und Abendgestaltung:

Prof. Dr. Beatrix Borchard und Martina Bick, M.A. in Zusammenarbeit mit dem Studio für Alte Musik der HfMT Hamburg.