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Henry und Emma Budge

Biographische Skizzen zu Henry und Emma Budge, zusammengestellt von Studierenden des Studienganges Kultur- und Medienmanagement (Sven Meyer, Benedikt Schiwek, Volker Schirp).

1734

Die Familie wird erstmals urkundlich erwähnt: Mousche Buttge ist in einem Wetzlarer Namensregister verzeichnet.

1793

Eine Prozessvollmacht trägt die Unterschrift von Salomon Buttge.

1802

Salomons Sohn Moritz wird am 15. April in Wetzlar geboren

1815

Moritz Buttge geht nach Frankfurt und ändert die Schreibweise des Familiennamens in Budge.

1816

Moritz Budge beginnt seine Tätigkeit bei der Firma M. B. Rindskopf im Wertpapierhandel.

1832

Moritz Budge heiratet am 07. November die Frankfurter Bürgerin und Rabbinertochter Henriette Adler. Die Trauung findet in Offenbach statt, da in Frankfurt Eheschließungen für Juden quotiert sind.

1840

Henry Budge wird unter dem Namen Heinrich am 20. November als eines von sieben Kindern Moritz Budges geboren. Er genießt seine Schulausbildung am Philanthropin in Frankfurt und arbeitet als Prokurist in der väterlichen Firma, die mit Wertpapieren handelt.

1848

Moritz Budge erwirbt das israelische Bürgerrecht in Frankfurt.

1866

Henry Budge geht zum ersten Mal nach Amerika. In New York gründet er mit Jacob Schiff und Leo Lehmann, wie er Frankfurter Immigranten, eine Firma namens Budge, Schiff & Co., die ebenfalls mit Wertpapieren handelt.

1872

Am 08. Mai stirbt Moritz Budge. Die Firma in New York wird aufgelöst. Alle drei Gründer kehren nach Frankfurt zurück.

1874

Henry Budge geht wieder nach New York, wo er Partner der Bankfirma Hallgarten & Co. wird. Er gehört zur jüdischen Oberschicht in New York, die aus Kaufleuten und Bankiers meist deutscher Abstammung besteht. "(Ihr Lebensstil) offenbar eine eigenwillige Mischung aus Repräsentationsbedürfnis, Opulenz und prunkvoll überladenem Ambiente einerseits, bemühtem Kunstverständnis, Mäzenatentum und Philanthropie andererseits. Ein sichtbarer Hang zum Wohlleben und eine rege Reisetätigkeit paarten sich mit einer strengen Pflicht-und Erfolgsethik, der alle privaten Belange untergeordnet waren." Budge (war) gleichrangig mit der Wallstreet-Großfinanz zu platzieren (...) und bei den gleichen Finanztransaktionen erfolgreich (...), die den Wallstreet Promotoren Millionen einbrachten." 

1879

Mit 39 Jahren heiratet Henry Budge die Kaufmannstochter Emma Ranette Lazarus, geboren am 17. Februar 1852. Die Ehe bleibt kinderlos. Henriette Budge stirbt am 13. August.

1882

Henry und Emma Budge erwerben die amerikanische Staatsbürgerschaft, die sie nie aufgeben werden. "Obwohl wir nicht viel über das Leben der Budge in Amerika wissen, kann festgestellt werden, dass Henry Budge als Fachmann der finanziellen Organisation der Eisenbahnen sehr angesehen war, und besonders während der Zeit der damaligen Wirtschaftskrisen an den meisten privaten und öffentlichen Komitees beteiligt war, die für die Sanierung des Eisenbahnwesens in Amerika sorgten." 

1902

Das Ehepaar Budge tritt in Wetzlar erstmals als sozialer Wohltäter auf, indem es eine Stiftung zugunsten von christlichen und israelitischen Armen gründet.

1903

Das Ehepaar Budge lässt sich für den Rest seines Lebens in einer Villa an der Alster am Harvestehuder Weg 12 in Hamburg nieder. "Vielleicht kehrten die Budges zurück nach Deutschland, weil sie kinderlos waren, und deshalb keine engen Familienbeziehungen mit den anderen deutsch/jüdischen Kreisen in New York hatten, jedenfalls kehrten sie in 1903 zurück, nicht nach Frankfurt, Henrys Vaterstadt, sondern nach Hamburg, Geburtsort seiner Frau. In unserer Familie sagte man, dass er seiner Frau versprochen hatte, sich früh von seinen Geschäftsleben zurückzuziehen, um sich dem ´Leben selbst´ (und seiner Frau) zu widmen. Und so baute er seiner Frau ein beinahe fürstliches Palais an der Alster in Hamburg." "(Henry Budges) Frau Emma, eine gebürtige Lazarus, kam aus Hamburg, und dort wollten die Budges wohnen (...) Emma Budge bestimmte, wie und wo man lebte, was man sammelte, wen man einlud, wie eine anspruchsvolle Familie ihr Leben gestaltete. Henry, ihr Mann, war mit allem einverstanden, und war froh, die vielen teuren Rechnungen bezahlen zu können." 

1909

Henry Budge lässt als Geburtstagsgeschenk den Spiegelsaal für seine Frau erbauen, in dem u. a. Enrico Caruso und Paul Hindemith vor den Budges und ihren Freunden auftreten.

1912

Die Budges spenden 250.000 RM für die neu zu gründende Universität in Frankfurt.

1920

Anlässlich seines achtzigsten Geburtstags gründet Henry Budge in Hamburg die Henry und Emma Budge-Stiftung.

1928

Am 20. Oktober stirbt Henry Budge im Alter von 88 Jahren. Emma Budge erhält die Vollmacht über den Nachlass des gemeinsamen Besitzes.

1933

Im Oktober ändert Emma Budge das Testament ihres Mannes. Das Haus sollte an die Stadt Hamburg gehen. Am 05. Oktober 1933 vermacht Emma es der amerikanischen Regierung. "(Emma Budge) bestimmte, dass (das Palais) an die amerikanische Regierung vermacht werde, denn "es wäre widersinnig, eine von mir zugunsten der Stadt Hamburg angeordnete Verfügung weiter bestehen zu lassen"(Emma Budge Testament, 05.10.1933). Im Falle, dass die amerikanische Regierung dieses Erbe nicht annehme, sollte das Grundstück als Emma Budge-Heim an die jüdische Gemeinde gegeben werden." 

1937

Am 14. Februar stirbt Emma Budge, drei Tage vor ihrem 86. Geburtstag.

Zitate aus: Peter Kahn. Eine Wiedergutmachungsangelegenheit: Das Budge-Palais, Harvestehuder Weg 12, Hamburg 1986/87 (Prof. Peter Kahn, USA, ein Großneffe Henry Budges, lebte in seiner Kindheit im Budge-Palais)

Bernd K. Lilienthal, Henry Budge, o.O. u. J. Pauls Arnsberg, Henry Budge, Frankfurt 1972