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Teil 4 - Anstiften Weiterdenken öffnen - Die Ära Hermann Rauhe 1978-2004

In der Ära des Präsidenten Hermann Rauhe wächst die Hochschule für Musik und Theater Hamburg – im konkreten wie im übertragenen Sinn. Mit dem Forum entsteht an der Alster ein zentrales und spartenübergreifendes Veranstaltungszentrum, in dem Konzerte, Opern- und Schauspielinszenierungen unter akustisch und technisch professionellen Bedingungen stattfinden und die Studierenden damit ihre Kunst unmittelbar einem interessierten Publikum präsentieren können. Rauhe stellt die Maxime „Praxisbezug als prägendes Profil“ auf und setzt sie beherzt in die Tat um. Mit der Reihe „junges forum Musiktheater“ etabliert Rauhe dazu Hamburgs zweites und, wie er gern sagt, „größtes“ Opernhaus, in dem bis zu acht Premieren pro Saison produziert werden – deutlich mehr als an den etablierten Staatstheatern. Die Hochschule strahlt als pulsierender Veranstaltungsort weit in die Stadt hinein, wo sie ihrerseits mit ihren „Externen Veranstaltungsreihen“ sehr präsent ist, so im Botanischen Garten mit der Reihe „Musik & Lyrik“, die auf eine Idee von Loki Schmidt zurückgeht, oder im Ernst Barlach Haus mit der Reihe „Klang & FORM“.

Und die Hochschule wächst nach innen: Präsident Hermann Rauhe initiiert neue Studiengänge und Kursangebote, die bald deutschlandweit Schule machen werden. Die HfMT wird unter seiner Präsidentschaft zum Vorreiter innovativer Fächer. Dazu zählen der Studiengang Kultur- und Medienmanagement, den Hermann Rauhe lange selbst leitet, das Institut für Musiktherapie oder die Kompaktkurse für Popularmusik und im Studio Hamburg, wo die Nachwuchskünstler und angehenden Kulturmanager den gekonnten Umgang mit den audiovisuellen Medien lernen. Zu den wegweisenden Berufungen von Professoren zählen so bedeutende Künstlerpersönlichkeiten wie György Ligeti, Gyula Trebitsch oder Peter Ruzicka.

Der Musikwissenschaftler, Musikpädagoge, Komponist und Kulturmanager Hermann Rauhe denkt und arbeitet in persönlichen und inhaltlich fruchtbaren Beziehungsnetzen, in die er die Hochschule einspannt und aus der heraus in der Folge selbst wieder wichtige Initiativen angestoßen werden, ob nun der Verein New Generation, das Schleswig-Holstein Musik Festival oder Il canto del mondo.

Hermann Rauhe macht nach dem Studium von Musik und Musikpädagogik (Klavier, Komposition und Dirigieren) an der HfMT sowie der Musik- und Literaturwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Philosophie, Soziologie, Theologie und Phonetik an der Universität Hamburg 1955 sein Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (Musik und Deutsch) und 1959 die Zweite Staatsprüfung und Promotion zum Doktor der Philosophie im Hauptfach Musikwissenschaft. 1960 wird er Assistent, 1963 Dozent und 1965 Professor für Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Hamburg. 1970 folgt der Ruf als Ordinarius für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Musikpädagogik an der Universität Hamburg, bevor er 1978 die Präsidentschaft jener Hochschule übernimmt, an der er einst selbst studiert hatte. Als Mitglied, Vorstand, Juryvertreter, Vorsitzender oder Schirmherr des Deutschen Musikrates, von „Jugend  kulturell“, des ZDF-Fernsehrates, des Internationalen Gesangswettbewerbs „Neue Stimmen“ der Berteismann-Stiftung, der Deutschen Phonoakademie, der Oscar und Vera Ritter-Stiftung und vieler weiterer Stiftungen und Gesellschaften wirkt Hermann Rauhe bis heute als unermüdlicher Anstifter, Förderer und Vermittler von Musik.

Als Ehrenpräsident bleibt Hermann Rauhe der Hochschule für Musik und Theater Hamburg seit 2004 eng verbunden und bringt seine Erfahrung und Kontakte als unermüdlicher Netzwerker und Innovator im Dienste der Musik weiter unermüdlich ein.

Hermann Rauhe wird 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.