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Informationen und Hintergründe

 

Der internationale Kongress "Connecting Media" der Hochschule für Musik und Theater Hamburg findet vom 02.11. bis 04.11.2006 statt und bietet einen aktuellen Einblick in die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Technologie, Kognitionsforschung, Kunst/Musik und Vermittlung/E-Learning. 

Das Angebot richtet sich an Ingenieure, Informatiker, Kognitionsforscher, Musik- und Kunstwissenschaftler, Pädagogen und Studierende ebenso wie an Künstler und Musiker. Das Programm setzt sich  aus  20 Vorträgen, fünf Software-Workshops und fünf abendlichen Konzerten zusammen und schafft  somit die Möglichkeit zu einem aktiven Austausch aller Interessierten. 

Das E-Learning Projekt MUTOR (Music Technologie Online Repository) wird im Rahmen dieses Multimedia-Kongresses zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt; Referenten sind u.a. die Projektpartner David Wessel (UC Berkeley) und Anthony De Ritis (Northeastern University Boston).

Als Auftakt wird am Donnerstag, das multimediale Musiktheaterprojekt „Voiceover“ gezeigt, eine gelungene und innovative  Zusammenarbeit der Studiengänge Musiktheaterregie und Multimediale Komposition der HfMT Hamburg.  Mit der  Aufführung von Quintessence durch das European Bridges Ensemble beginnt am Freitagabend das deutsch-ungarische Kulturprojekt „Music in the Global Village“. Zum Abschluss des dreitägigen Kongresses erklingt ein Konzert der amerikanischen, in Amsterdam lebenden Cellistin Frances-Marie Uitti und dem kalifornischen Computermusiker David Wessel.

Der Kongress ist dem im Juni 2006 verstorbenen Komponisten und Hamburger Professor György Ligeti gewidmet. 

Das Projekt findet im Rahmen von Bipolar deutsch-ungarische Kulturprojekte statt. Bipolar ist ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes. Wir danken dem Bundesministerium für Bildung und Forschung für die großzügige Unterstützung.

Veranstaltungsort:

Theaterakademie Hamburg

Friedensallee 9 

22765 Hamburg 

Vorwort zum Kongress-Reader

Das Jahr 2006 hätte für György Ligeti, der von 1973 bis 1989 als Professor an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater lehrte, ein Jahr der Genugtuung werden können. Endlich, mit dreißigjähriger Verzögerung wurden zwei seiner Bedingungen, die er bei den Berufungsverhandlungen äußerte, erfüllt: ein permanentes Ensemble für zeitgenössischer Musik wurde gegründet und die ursprünglich für die Computermusik vorgesehenen Räumlichkeiten wurden dem neuen Masterstudiengang Multimediale Komposition überlassen. Leider starb Ligeti im Juni dieses Jahres ohne noch von den Veränderungen Kenntnis zu nehmen. 

Über die sozio-psychologischen Gründe solcher Verzögerungen lässt sich nur spekulieren. Das mag rein pragmatische Gründe wie Raumknappheit haben. Unbestrittene Tatsache jedoch ist, dass noch heute den multimedialen Künsten (wie vor nicht zu langer Zeit der Neuen Musik) der Nimbus des Experimentellen, Unfertigen anhaftet; der Underground, der mit seiner kurzen Geschichte kaum mit der Erhabenheit klassischer Musik konkurrieren kann. 

Multimedia macht auch Angst: Als Ausdruck der postindustriellen Gesellschaft führt sie uns unsere Abhängigkeit von der Maschine vor Augen, die die Globalisierung der Künste mit dem drohenden Verlust der kulturellen Identität, nicht zuletzt auch durch neue Formen kollaborativer Arbeit, nach sich zieht. 

Doch das Blatt scheint sich zu wenden. Auch in Deutschland wird zunehmend der Nutzen der Verbindung aus Technologie und Kunst erkannt, deren gemeinsame Geschichte im Übrigen fest im 19. Jahrhundert wurzelt. Allerorten sprießen interdisziplinäre Forschungsprojekte aus dem Boden, bei denen nach dem Modell des Pariser IRCAM oder des MIT MediaLab in Boston nicht nur Grundlagenforschung betrieben wird, sondern die Anwendung technologischer Prinzipien auf die Kunstproduktion im Vordergrund steht. 

Auch unser Kongress Connecting Media ist von dem Bedürfnis beseelt, die Vielseitigkeit der Multimedia darzustellen. In vier Blöcken, die der Technologie, der Wahrnehmungsforschung, dem Kunstdiskurs und der Vermittlung von Musik mit multimedialen Mitteln gewidmet sind, werden international renommierte Redner und Rednerinnen über Ihre Arbeit berichten. Diese Blöcke werden von fünf Abend- bzw. Nacht-Konzerten komplementiert, die ausreichend Anschauungsmaterial für die Theorie tagsüber liefern. Daneben wird in fünf Workshops den Kongressteilnehmern die Gelegenheit gegeben, praktische Erfahrungen (hands-on experience) im Umgang mit Multimedia zu sammeln. 

Der Kongress ist für mich auch der Schnittpunkt der erfolgreichen Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern. Zum ersten Male werden am Donnerstag Abend die Studiengänge Musiktheaterregie und Multimediale Komposition der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ein Gemeinschaftsprojekt („Voiceover“ mit der phänomenalen Sopranistin Julia Henning) präsentieren. Am Freitag Abend erklingt dann die neue Komposition „Quintessence“ des European Bridges Ensemble im Kontext der multimedialen Arbeiten von Diego Garro, Radical Low und Jasch – ein Ereignis, das von der deutsch-ungarischen Projektinitiative Bipolar gefördert wird. Außerdem wird Samstag Nachmittag das vom E-Learning-Consortium Hamburg unterstützte internationale E-Learning-Projekt MUTOR unter Anwesenheit der Projektpartner David Wessel und Richard Andrews aus Berkeley, sowie Anthony De Ritis und Ann McDonald aus Boston neben weiteren erfolgreichen Projekten der Hochschule (MUGI, Formenlehre, Webcast) der Öffentlichkeit vorgestellt werden. 

David Wessel wird schließlich mit der fabelhaften Cellistin Frances Marie Uitti den Kongress beenden - nach einem Konzert mit einem repräsentativen Querschnitt durch die Hamburger Elektronische Szene. 

Mein Dank gilt neben den Sponsoren (ELCH, BMBF, Bipolar, Hochschulstiftung) ganz besonders den Personen, die unermüdlich zum Gelingen des Kongresses beigetragen haben: Claudia Witt, Frank Böhme, Albrecht Faasch, Dirk Hermeyer, Moxi Beidenegl, Sergio Vasquez und vielen anderen, deren Namen aus Platzgründen hier nicht aufgeführt werden können. 

Prof. Dr. Georg Hajdu