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Concerti über den Masterstudiengang Multimediale Komposition

Datum: 01.12.2009

 

CONCERTI ÜBER DEN MASTERSTUDIENGANG MULTIMEDIALE KOMPOSITION

Algorithmen, digitale Signalverarbeitung, Plugindesign: Nein, die Verbindung zu Mozart und Beethoven, Orchester und Kammerensemble erschließt sich nicht sofort beim Blick auf die Studieninhalte. Und doch gehört der Masterstudiengang „Multimediale Komposition“ seit 2004 zum Angebot der Hamburger Musikhochschule, macht Georg Hajdu hier seither mit anderen Dozenten Jahr für Jahr zwei Studenten in einem viersemestrigen Studium für die Kompositionen der Zukunft fit. Allerdings nicht mit Notenpapier und Bleistift, sondern an Computern, Laptops und mit spezieller Kompositionssoftware. Musikalisch eine ziemlich abgedrehte Sache? Mitnichten, schmunzelt der 49-jährige Professor: Theoretisch betrachtet, gäbe man in der Postmoderne ja nicht die Moderne auf, sondern nähme lediglich das erzählerische Element hinzu – was in der Praxis seiner eigenen multimedialen Oper „Der Sprung“ etwa bedeute, dass „viele traditionelle Elemente wie Klezmer-Musik, Messiaen-Anleihen oder der Stones-Titel ‚Satisfaction’ in verfremdeter Art und Weise wieder zurückkehren“. Die Technologie stünde dabei aber nie im Mittelpunkt, sondern sei stets nur Mittler. 

Ein Mittler indes auch zu Musik-fernen Welten, geht es dem studierten Molekularbiologen doch vor allem darum, in den Kompositionsprozess andere Kunstformen einzubinden wie Bild und Theater, neue Medien und Technologien. Das wiederum sei keineswegs so modern, wie es auf den ersten Blick dünke: „Schon Caspar David Friedrich schwebten im frühen 19. Jahrhundert Installationen vor, die eine Einbeziehung aller Sinne voraussetzten“, zeigt Hajdu die Anfänge dieses Kompositionsansatzes auf, der dann von Wagner weiterentwickelt worden sei und über die Kunst des Bauhauses schließlich in der Computermusik mündete. Dass dabei ausgerechnet zwei der bedeutendsten Vorreiter dieser Kompositionsform unserer Tage nie an einem Bildschirm gesessen haben, scheint da mit Blick auf seine Definition der Postmoderne schon fast wieder konsequent: „Stockhausen hat selbst nie einen Computer benutzt“, erzählt der Kompositionsprofessor. „Und als ich Anfang der 90er Jahre während meiner Zeit am kalifornischen ‚Center for New Music and Audio Technologies’ Ligeti bei einem Besuch eine Computermaus in die Hand drückte, schaute er mich nur verständnislos an.“ 

Berührungsängste, die seinen Studenten natürlich fremd sind – und so finden sich denn auch in den zwei anstehenden Abschlusskonzerten zahlreiche Genreverknüpfungen: Während Jacob Sello seine Computermusik per SMS komponiert hat und eine Klarinettistin durch ihr Spiel einen Hubschrauber fernsteuern lässt, lösen in einem Stück des Neuroinformatikers Alexander Schubert die Musiker mittels an Streicherbögen befestigten Sensoren eine Videobegleitung aus. Natürlich seien das keine Werke, mit denen sich große Konzertsäle füllen ließen, und auch in die Elbphilharmonie würden er und seine Schüler wohl nicht allzu bald eingeladen, räumt Hajdu freimütig ein – allein: „Das Problem ist nicht, dass es kein Publikum gibt, sondern viele Menschen denken einfach zu traditionell und schablonenhaft. Dabei hat sich im Bereich der multimedialen Komposition in den letzten Jahren so viel Interessantes getan.“ Was zu beweisen, es nun im Dezember Gelegenheit gibt – und vielleicht ja sogar einmal vor einem größeren Publikum. 

Autor: Christoph Forsthoff