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Die Bohlen-Pierce-Klarinette

 

Die Bohlen-Pierce-Klarinette ist eine Anpassung der Böhm-Klarinette an das Bohlen-Pierce-Tonsystem, das die Duodezim in 13 Teile teilt und deren reine und äquidistant-temperierte Varianten nur sehr geringfügig von einander abweichen. 

Das Tonsystem wurde unabhängig durch Heinz Bohlen, John Pierce und Kees van Prooijen in den 70er und frühen 80er Jahre entdeckt. 

Sie gehört nichtzuletzt durch die Arbeit von John Pierce und Max Mathews an der Stanford University (sowie vielen andern) zu den am besten erforschten, nicht- oktavierenden Tonsystemen, und ist von Heinz Bohlen hervorragend auf seiner BP-Seite dokumentiert worden. 

Als eines der ersten akustischen Instrumente für das Tonsystem ist die Bohlen-Pierce-Klarinette von dem kanadischen Instrumentenbauer Stephen Fox gebaut worden. 

Die HfMT Hamburg wird im Sommersemester 2008 im Rahmen eines Konzerts einen Beitrag zur Erweiterung des Repertoires für diese ungewöhnlichen Instrumente leisten. 

 

Workshop und Konzert am 13. Juni 2008

FORUM 13. Juni 2008 10.00 Workshop, 20.00 Konzert: 

JetztMusik mit neuen Klarinetten 

auf Bohlen-Pierce-Klarinetten und klassischen Klarinetten Nora-Louise Müller und Anna Bardeli - mit Victoria Reich (Percussion), André Koroliov (Synthesizer) und Xiaorui Hao (Viola) 

Werke von 

Georg Hajdu, Peter Michael Hamel, Sascha Lino Lemke, Fredrik Schwenk, Manfred Stahnke, (Bohlen-Pierce-Klarinetten); Jörn Arnecke, Renate M. Birnstein, Wolfgang-Andreas Schultz (klassische Klarinetten). 

10.00 FORUM Workshop Nora-Louise Müller und Anna Bardeli - Vorstellung der Bohlen-Pierce-Klarinette und einiger musikalisch-technischer Aspekte der neuen Werke für das Instrument. Außerdem: Georg Hajdu und Manfred Stahnke - Zur Geschichte und zum theoretischen Hintergrund der neuen Skala. 

20.00 FORUM Konzert 

Die Erfindung dieses Instruments und der dazu gehörigen Skala ist eng verbunden mit der Hamburger Musikhochschule: 

In den frühen 70ern besuchte Heinz Bohlen, ein Mikrowellen-Ingenieur, die Klasse von Diether de la Motte, damals Theorielehrer an der Hochschule. Alle Studenten, darunter später bekannt gewordene Musiker wie Christian Brunnert, Helmut W. Erdmann, Clemens Kühn and Peter W. Schatt, benutzten unsere klassische Zwölftonskala, was Bohlen stutzig machte, konnte man sich doch komplett andere Skalen vorstellen. Er machte sich an die Arbeit und ersetzte den klassischen Dreiklang, der in Naturtonverhältnissen mit 4:5:6 beschrieben werden kann, durch 3:5:7, und kam prompt auf eine völlig andere Skala, die optimal (mit einer leichten Temperierung) mit 13 gleichen Schritten innerhalb einer Duodezime dargestellt werden kann. Nun ist die Duodezime just jenes Intervall, worin die Klarinette überbläst (und nicht, wie etwa die Flöte, in die Oktave). Was lag näher, als solch ein Instrument schließlich zu bauen. Das ist nun vor ein paar Jahren in Kanada geschehen, und erstmals kommt dieses neue Instrument nach Hamburg. Mit Heinz Bohlen kam praktisch zeitgleich auch der US-amerikanische Wissenschaftler John R. Pierce (und der Holländer Kees van Prooijen) auf dieselbe Skalenidee "13. Wurzel aus 3". Etabliert hat sich der Doppelname "Bohlen-Pierce-Skala". 

Die Komponisten Georg Hajdu (der den Bau der Instrumente anstieß), Peter Michael Hamel und Manfred Stahnke haben für das neue Instrument geschrieben, Sascha Lino Lemke und Fredrik Schwenk benutzen es in Kombination mit der klassischen Klarinette. Andere KomponistInnen wie Renate M. Birnstein, Wolfgang-Andreas Schultz und Jörn Arnecke steuern Klarinettenwerke in der klassischen Stimmung bei. 

Die Interpretinnen und Leiterinnen des Workshops sind Anna Bardeli (Reinbek) und Nora-Louise Müller (Lübeck).

 

Konzert-Programm

Hier geht es zum Konzertprogramm mit Klangbeispielen  

 

Kommentare

Kehl, 17. Juni 2008 

An alle, die zu dem Bohlen-Pierce-Klarinetten-Workshop und -Konzert am 13. Juni 2008 in Hamburg beigetragen haben, namentlich aber 

an die Macher: Georg Hajdu und Manfred Stahnke; 

an die Komponisten, die sich an BP gewagt und Überzeugendes geschaffen haben: 

Georg Hajdu, Peter Michael Hamel, Sascha Lino Lemke, Fredrik Schwenk und Manfred Stahnke; 

an die Interpreten, die das schwierige Neue im Sinne des Wortes so schön gemeistert haben: Anna Christina Bardeli, Nora-Louise Müller, Andrej Koroliov, Victoria Reich und Xiaorui Hao. 

Ich möchte Sie alle wissen lassen, daß dies ein besonderer Tag in meinem Leben war. Wie schon vorher bei wirklich bedeutenden Ereignissen habe ich ihn sozusagen neben mir stehend erlebt, unfähig, angemessen zu reagieren. Das war wohl gut so; es hätte mich wohl sonst sicher überwältigt. Erst später, im Zug nach Hause, ist mir völlig bewusst geworden, was mir da durch Ihrer aller Kunst und Arbeit widerfahren ist. 

Schade, daß John Robinson Pierce das nicht mehr erleben konnte, aber ich werde Kees van Prooijen ausführlich davon berichten. 

In Dankbarkeit Ihr 

Heinz Bohlen

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ihr lieben alle, 

ihr habt ein wirklich schönes konzert gemacht - einmal durch euer komponieren, dann durch eure interpretation. wie interessiert alle nach dem konzert zu euch kamen. ich weiß von dem alten herrn heinz bohlen, der diese BOHLEN_PIERCE SKALA als erster gefunden hat, dass euer konzert für ihn ein großes erlebnis war. er ist ja eigentlich mikrowellen-ingenieur und arbeitet an diesen großen fusionsmaschinen, die durch fusion von wasserstoff zu helium einst in der zukunft strom erzeugen sollen... 

jedenfalls hat er durch seine skala schon einen strom erzeugt, der durch komponisten und musikerInnen gegangen ist... 

jetzt werden wir weitersehen, wie die klarinetten und die skala sich in der welt bewegen werden. 

falls anna und nora vorschläge an stephen fox haben nach den erfahrungen dieses events: hier ist seine mail adresse in toronto: 

steve@sfoxclarinets.com 

herzlich grüßt euch 

manfred stahnke

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Ihr Lieben, 

nun endlich melde ich mich auch mal. Das bekanntermaßen expandierende Universum hat mich weit in den unbekannten Raum geschleudert, so dass es mich einige Mühen gekostet hat, den Heimatplaneten wiederzufinden. Wenn man per Anhalter unterwegs ist und nicht einmal erklären kann, wie man zum dritten Planeten eines Sonnensystems findet, dessen interstellare Nomenklatur einem nicht bekannt ist, ist das keine leichte Aufgabe. 

Es waren einige Freunde von mir im Konzert, die mit Musik nicht wirklich was am Hut haben, und sie waren begeistert! Von der harmonischen Fremdartigkeit und den höchst unterschiedlichen Stücken. 

Danke für Eure schönen Kompositionen und Eure Mitspielerei - es war ein tolles Erlebnis. Ich bin mir sicher, dass wir ein Stück Musikgeschichte geschrieben haben. ;-) 

Bis zum nächsten Mal, 

Nora

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Ihr Lieben, 

Der ganze Tag sehr geglückt und fruchtbar und 

die einzelnen Stücke konnten sich hören lassen, 

gerade im Kontrast der Herangehensweise und 

der verschiedenen Stimmungen. 

Peter Michael Hamel 

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Thank you so much for sending me the piece by Peter Michael Hamel. I have been able to listen to the recordings from your concert. What wonderful, creative pieces and fine playing by the clarinetists.! Congratulations to all the composers and musicians. 

Tilly Kooyman, Cambridge, Ontario, Kanada