Marina Hellmann gestorben
Von Prof. Michael Börgerding - Am Mittwoch vor Weihnachten ist die Bühnenbildnerin und Dozentin der Theaterakademie Hamburg Marina Hellmann gestorben. Die gebürtige Belgraderin wurde nur 53 Jahre alt, sie starb an Gehirnblutungen nach einem Zusammenbruch auf einer Matinee im Dortmunder Theater.
Nicht nur das Theater hat damit eine große Künstlerin verloren – viele Theaterfreunde werden sich insbesondere an ihr Bühnenbild für die Göttliche Komödie 2001-2003 am Thalia Theater erinnern - , auch die Regie- und Dramaturgiestudenten der Theaterakademie Hamburg haben eine große Lehrerin und eine Freundin verloren. Seit drei Jahren unterrichtete Marina Bühnenbild an der Theaterakademie in Hamburg, sie war ihren Studentinnen und Studenten nicht nur eine respektierte und auch strenge Bühnenbilddozentin, sie war ihnen eine offene und neugierige Gesprächspartnerin und eine liebevolle Förderin. Marina gab mit bewundernswertem Engagement und tatsächlich großer Lust ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter an junge Theatermenschen. Dass es in Hamburg Regie- und Dramaturgiestudenten waren (und keine Bühnenbildstudenten), die sie unterrichtete, war für sie keine Unterforderung. Es war ihr ein Bedürfnis, genau ihnen - den künftigen Regisseuren und den künftigen Dramaturgen - ein Verständnis für einen Bühnenraum und seine Gesetze zu vermitteln und ihnen zu helfen, eine Sprache zu finden, wie man als Regisseur mit Bühnenbildnern spricht, sprechen kann, wie man überhaupt mit anderen Künstlern im Theater kommuniziert.
Vielleicht war es das, was Marina Hellmann so besonders und so einzigartig machte: eine Mittlerin zu sein zwischen Regie und Bühne, Dramaturgie und Schauspiel, zwischen Jugoslawien und Deutschland, zwischen Gestern und Heute, zwischen jung und alt, zwischen dem Theater und der Welt, zwischen Traum und Realität. Eine Verbinderin zu sein zwischen Menschen, die sie in ihr Herz schloss und die sie in ihre Herzen schlossen.
Die Trauer bei den jungen Menschen an der Akademie ist groß. Und sie wissen - wie wir alle - kaum damit umzugehen. Aber sie schreiben Briefe und Mails mit großen Fragen. Sie fragen nach Gott und nach einem Sinn im Leben. Es sind Fragen, die wir nicht beantworten können, aber es sind Fragen, die wir nicht leugnen dürfen, wenn wir Theater machen. Marina hat sich diesen Fragen immer gestellt.
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Kennen gelernt habe ich Marina als Dramaturg bei zwei gemeinsamen Arbeiten in Hannover: Peter Handkes „Zurüstungen für die Unsterblichkeit“ und nachfolgend „Faust I/II“. Bei beiden Arbeiten waren junge Schauspielstudierende Teil des Projektes und Marina (wie Hannes, der damals Faust spielte) kümmerte sich um ihre "Kinder" liebevoll, respektvoll, fordernd und mit sanften Nachdruck. Während der Faust-Proben fielen damals die Bomben auf Belgrad, Marina telefonierte während der Vorstellungen mit ihrer Familie in Belgrad, Hannes hörte als Faust im fünften Akt der tödlichen Vertreibung der beiden Alten Philemon und Baucis zu und hatte sichtbar Mühe, mit seinem Text anzuschließen. In der Kantine nachher, es war ein Ostersonntag, saßen wir, Marina, Hannes, Hartmut Wickert, der Regisseur, und ich zusammen mit den jungen Studenten und redeten über Faust und Milosovic, über den vierten, den Kriegsakt im Faust und wie er uns unheimlich geworden war, wir redeten über Peter Handke und seine damalige Reise nach Belgrad.
Zwei Jahre später durften wir in Hamburg am Thalia Theater wieder ein Stück von Peter Handke machen, bei uns hieß "Die Fahrt im Einbaum" mit Handkes Erlaubnis "Noch einmal für Jugoslawien". Niemand in Hamburg wollte es sehen. Der Krieg war vorbei und etwas Neues konnte beginnen. Wir tanzten und tranken nach der Premiere, ich versprach nach Belgrad zu kommen und habe es nie geschafft - und wir erinnerten uns an die Zurüstungen für die Unsterblichkeit und dessen Gesetz:
"Unser Ausgangspunkt und unsere Grundlage: Sehnsucht und Gerechtigkeit. Unser Ziel für das ganze Land: TRAUM UND ARBEIT; Arbeit und Traum. Unsere Dauer: Das Maß! Und unser neues Gesetz: ein freudiges. Und das, worüber es schweigt, wird seine Eleganz ausmachen."
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