Deutsch
English

Remis - Musiktheater von Monteverdi und Janácek (Oktober 2013)

Schlaues Füchslein trifft Tancredi und Clorinda

 

Die erste Opernpremiere der Saison 2013/14 bestreiten am 17. Oktober gleich zwei junge Regisseurinnen: Remis überschreiben Rahel Thiel und Vendula Novákovà listig ihren Musiktheater-Doppelabend mit Monteverdi und Janáček. Verbindendes Element beider Teile ist der grüne Rasen, auf den die Regietalente sich als gemeinsames Bühnenbild ihres Studienprojekts III geeinigt haben. Ob es darauf am Ende zu einem künstlerischen „Unentschieden“ kommt, muss natürlich das Publikum im Forum entscheiden.

Die Idee des „Remis“ geht auf die beiden Stoffe selbst zurück. Im Mittelpunkt von Monteverdis Il Combattimento di Tancredi e Clorinda steht, wie der Titel verrät, ein Kampf. Dabei ist es nicht nur der tragische Kampf zwischen der Sarazenin Clorinda und dem Kreuzritter Tancredi, der seine geliebte Clorinda erst erkennt, als er sie tödlich verwundet hat. Es ist auch der Kampf des Erzählers um seine Geschichte – sein Kunstwerk. Denn ihn versteht Rahel Thiel in ihrer Inszenierung als einen Künstler, der allmählich die Kontrolle über seine Schöpfung verliert. Monteverdi, der für das Libretto eine Szene aus Torquato Tassos Versepos La Gerusalemme liberata dramatisiert, leiht der scheinbar anonymen Erzählstimme des Epos einen Körper, macht aus ihr eine Bühnenfigur. Diese einfach nur Testo – also „Text“ – genannte Figur erscheint wie der Lenker des Geschehens. Er diktiert die Handlungen von Tancredi und Clorinda. Umgekehrt sind die beiden in ihrem Tun und Sprechen abhängig von seinen Worten und Gedanken. Testo ist es, der sie mitten in der Nacht zum Kampf aufeinander treffen lässt, der Clorinda gegen Morgen an ihren Wunden sterben lässt, und er ist es schließlich auch, der Tancredi mit Schrecken erkennen lässt, dass unter der Rüstung des Feindes eigentlich seine große Liebe Clorinda steckt. Was aber, wenn Tancredi und Clorinda sich plötzlich nicht mehr an die Worte des Testos halten und ihre eigene Geschichte erzählen? Wenn seine Schöpfungen sich von ihm emanzipieren?

Ein ganz anderer Kampf steht in Leos Janáčeks Oper Das schlaue Füchslein im Zentrum. Hier ist es der Konflikt zwischen Tieren und Menschen, Natur und Zivilisation. Die junge tschechische Regisseurin Vendula Nováková bezieht in der Inszenierung der Oper ihres Landsmanns bewusst die Musiker ins Geschehen ein. Studierende der Kompositionsklasse von Fredrik Schwenk haben für die gekürzte Version des lyrisch-impressionistischen Janáček-Meisterwerks eigens eine Kammerfassung für zwei Klaviere, Schlagwerk und Querflöte erarbeitet.

Das HAMBURGER ABENDBLATT urteilt über die Premiere: "Der tschechischen Jung-Regisseurin Vendula Nováková gelingt eine packende Inszenierung, die ganz auf die physische Präsenz, die Intensität der Blicke und die stimmliche Souveränität ihrer Protagonisten setzt. (...) Die Bonsai-Ausgabe der Janacek-Partitur schufen Studenten des Kompositionsprofessors Fredrik Schwenk. Sie ist raffiniert gearbeitet und entfaltet einen starken eigenen Sog."

Claudio Monteverdi

Il combattimento di Tancredi e Clorinda

MUSIKALISCHE LEITUNG Daniel Zimmermann

REGIE Rahel Thiel

BÜHNE Patricia Ulbricht

KOSTÜM Imke Ludwig

DRAMATURGIE Isabelle Becker, Adrian Jager

MIT Raphael Gehrmann, Trevor Pichanick, Karola Schmid

Es musiziert das Ensemble I Madrigali

Leoš Janáček

Das Schlaue Füchslein

(Příhody lišky bystroušky) in Originalsprache

in einem neuen musikalischen Arrangement von Fredrik Schwenk, Anna Mikolajková, Matti Pakkanen und Antonis Adamopoulos

MUSIKALISCHE LEITUNG Gabriel Rovnák

REGIE Vendula Nováková

DRAMATURGIE Elise Schobeß

BÜHNE Nora Husmann

KOSTÜM Aline Dönselmann

MIT Pia Salome Bohnert, Maria Lapteva, Ágnes Kovács, Irene Benedict, Amber Breunis, Regina Bendinskyte, Miroslav Striˇcevi´c, Damian de Fenffe, Julian Rohde und Marek Wild

Es spielen: Daniel Gerzenberg, Anton Gerzenberg, Chia Hui Chou, Konstantin Hempel und Anna Mikolajková

 

Premiere

Do 17.10.2013 19.30 Uhr

Nur zwei weitere Vorstellungen!

Sa., 19.10.2013 19.30 Uhr

So., 20.10.2013 16.00 Uhr

 

Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Karten: 16 Euro, Schüler und Studierende ermäßigt 8,50 Euro

Ariadne - Musiktheater von Monteverdi und Martinu (November 2013)

„Ich biete euch die allergrößte Gefahr, eine Gefahr, die kein Gesicht hat.“ Weite Reisen, schwere Prüfungen und große Abenteuer durchziehen die Heldenbiographien der Mythologie. Der Minotaurus – ein Wesen zwischen Mensch und Tier, das Menschopfer fordert – wird von Theseus getötet. Heroisch, aber das Glück verfehlend, zieht er ohne Ariadne seinem vermeintlichen Schicksal entgegen. „Wenn ich sterb‘, dann glücklich!“, lautet hingegen ihr Appell. Zurückgelassen auf der einsamen Insel erweist sich Ariadne als Heldin in eigenem Auftrag. In welcher Gestalt begegnet mir die Angst? Was ist mir Ahnung oder Verfehlung des eigenen Glücks? Wer will ich sein, und wie kann ich leben unabhängig von Erwartung und Hoffnung, die mich trägt? In der Verschränkung der Kompositionen von Claudio Monteverdi und Bohuslav Martinů begeben sich fünf Ariadnen auf den Weg zu sich selbst. Friederike Blum erarbeitet mit „Ariadne“ ihre Abschluss-Inszenierung im Studiengang Musiktheater-Regie.

Das HAMBURGER ABENDBLATT urteilt über die Premiere: „Das ist alles wohlüberlegt und ästhetisch konsequent, (…) das Hochschulorchester spielt unter Leitung von Matthias Mensching leichtfüßig und farbenreich.“

Das Hamburger Theatermagazin GODOT meint, Friederike Blum gelinge „mit spar­samen Mitteln eine unge­wöhn­liche Mythen-Vision, die ein sänge­risch hoch­ka­rä­tiges Solisten-Ensemble träumt, allen voran Nina Rade­ma­cher, die nahezu Astrid-Varnay-Niveau erreicht, wenn sie die höchsten sopranesken Noten­gipfel sicher und – scheinbar – mühelos erklimmt (…) und zusätz­lich – wie leider selten bei Sängern – schau­spie­le­ri­sche Quali­täten aufweist, die sie des Tsche­chen eini­ger­maßen abstruse Idee, Ariadne liebe den Mino­taurus zutiefst, darstel­le­risch glaub­haft auszu­weisen erlauben. Eine große Entde­ckung, geführt und sorgsam geleitet vom stab­füh­renden Matthias Mensching und seinem Kammerorchester."

Auch die NEUE MUSIKZEITUNG lobt : „Plastisch ausmusiziert vom achtzehnköpfigen, sehr gut disponierten Orchester unter der musikalischen Leitung von Matthias Mensching, lässt die neue Orchestrierung für Kammerorchester durch Steven Tanoto das Original nicht vermissen, sondern gießt quasi den dort bereits konzentrierten Duktus in ein neues Klangbett.“

MUSIKALISCHE LEITUNG Matthias Mensching

REGIE Friederike Blum

BÜHNENBILD Mohani Kindermann

KOSTÜME Annika Lohmann

VIDEO Jakob Dohrmann

DRAMATURGIE Jana Beckmann

MIT Ullrich Brauer, Ines Maria Eberlein, Lutz Euhus, Masanori Hatsuse, Felix Heuser, Magda Lucreteanu, Tim Maas, Matthias Maurer, Nina Rademacher, Karola Schmid, Ronaldo Steiner, Eva Maria Summerer

Premieren

Do., 14.11.2013 19.30 Uhr A-Premiere

Di., 19.11.2013 19.30 Uhr B- Premiere

Weitere Vorstellungen

Sa., 23.11., 19.30 Uhr

So., 24.11., 18.00 Uhr

Fr., 29.11., 19.30 Uhr

Sa., 30.11., 19.30 Uhr

 

Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Karten: 16 Euro, Schüler und Studierende ermäßigt 8,50 Euro

opera concisa – Die Gala der Opernklasse (Januar/Februar 2014)

Die Sängerinnen und Sänger der Opernklasse schließen im Jahr 2014 mit einer neuen Ausgabe der „Opera Concisa“ an ihren fulminanten Erfolg anlässlich des Wagner-Verdi-Jubiläums aus dem Vorjahr an. Diesmal beweisen sie ihre begeisternde Spiellaune und ihre vokale Virtuosität mit gewitzt verbundenen Ausschnitten aus Bizets „Carmen“, Rossinis „Cenerentola“, Mozarts „Così fan tutte“ und „Don Giovanni“, Verdis „Falstaff“, Donizettis „La fille de régiment“, Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, Smetanas „Die verkaufte Braut“ und anderen Meisterwerken des Musiktheaters.

MUSIKALISCHE LEITUNG Siegfried Schwab/ Willem Wentzel

REGIE: Florian-Malte Leibrecht/ Dominik Neuner

MODERATION: Peter Krause

Es singen die Sängerinnen und Sänger der Opernklasse

MIT Lukas Anton, Pia S. Bohnert, Helena Castro Ferreira, Stephanie Christiano, Sheida Damghani, Signe Ravn Heiberg, Felix Heuser, Pauline Jacob, Keunhyung Lee, Cheng Li, Jia Qi Li,Ying Ma, Zak Njoroge Kariithi, Oxana Pöhls, Marie Sophie Richter, Julian Rohde, Timo Rößner, Fie Freja Sandkamm, Karola Schmid, Na-Rea Son, Judith Thielsen, Geneviève Tschumi, Axel Wolloscheck

Premiere

Fr., 31.1.2014 um 19.30 Uhr

weitere Vorstellungen

So., 2.2.2014, 18.00 Uhr

Di., 4.2.2014, 19.30 Uhr

Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Karten: 20 Euro, ermäßigt 10 Euro (Studierende der HfMT 4 Euro)

Yang Guifei – Die Konkubine des Kaisers (Februar/ März 2014)

Oper von Yijie Wang (Musik) und Sören Ingwersen (Libretto)

 

Eine junge Frau gerät ins Fadenkreuz von Liebe und Macht: Der Mythos der Yang Gufei wurde über Jahrhunderte in vielen Künsten konkretisiert, die chinesische Komponistin Yijie Wang wagt es erstmals, „Die Konkubine des Kaisers“ in die Welt der Oper zu übersetzen. Yijie Wang, erfolgreiche und mit zahlreichen Preisen geehrte Absolventin der Kompositionsklasse der Hochschule, komponiert in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Sören Ingwersen eine Oper, die von einer jahrtausendealten chinesischen Legende erzählt. Yang Guifei, eine Maitresse des chinesischen Kaisers, gerät in Zeiten politischer Ränke zwischen die Fronten der Machthaber und muss um ihr eigenes Leben und das ihrer Familie kämpfen.

Neben der Komposition und Durchführung des Opernprojekts verfasst die junge Komponistin eine Dissertation zur Gegenüberstellung westlicher und fernöstlicher Musiktheatertraditionen, die sie in ihrer Oper bewusst verknüpft.

Im Atelier-Programm an den Tagen vor der Uraufführung laden Konzerte, Lesungen und Diskussionen dazu ein, das "Reich der Mitte" und einen seiner berühmtesten Mythen umfassend zu entdecken.

MUSIKALISCHE LEITUNG Bettina Rohrbeck

REGIE und BÜHNE Dominik Neuner

DRAMATURGIE und MUSIKVERMITTLUNG Bettina Knauer

A-Premiere

So., 23.2.2014 um 18.00 Uhr

B-Premiere

Di., 25.2.2014 um 19.30 Uhr

Weitere Vorstellungen

Do, 27.2., Sa., 1.3.., jeweils um 19.30 Uhr und am So., 2.3. um 18.00 Uhr

Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Karten: 20 Euro, ermäßigt 10 Euro (Studierende der HfMT 4 Euro)

Gastspiel im Theater Kiel am 26. und 30.4., jeweils um 20.00 Uhr

 

ATELIER zur Uraufführung der Oper

"Yang Guifei - Die Konkubine des Kaisers"

 

Mittwoch, 19. Februar 2014 Soirée

18–21 Uhr (Fanny Hensel-Saal)

Wissenschaft, Libretto, Szene:
Beziehungen/Differenzen
18.00 Yijie Wang, Francolin
(Flöte: Ye Zhao)
Prof. Dr. Hans Stumpfeldt
Musik und Dichtung am Kaiserhof und in der
Hauptstadt im Jahre 750 (Vortrag mit Lesung)
19.00 Yijie Wang
Über ihre Komposition
Sören Ingwersen
Entstehung eines Librettos
Prof. Dominik Neuner
Zur Inszenierung der Oper
Gespräch mit Sören Ingwersen, Dr. Bettina Knauer,
Prof. Dominik Neuner, Prof. Dr. Hans Stumpfeldt,
Yijie Wang – Moderation: Prof. Dr. Beatrix Borchard

 

Freitag, 21. Februar 2014 Après midi

14–18 Uhr (Fanny Hensel-Saal)
China–Europa: Kompositionen und
künstlerische
Beziehungen
14.00 Prof. Dr. Hans Stumpfeldt
China und die Welt um 750 (Vortrag mit Lesung)
15.00 Feng Jian
Sound between the lines
für Guqin und Live-Elektronik
(Guquin: Xiaogang Zeng)
Prof. Xiaoyong Chen und Feng Jian im Gespräch
Tona Scherchen
once upon a time für Harfe
(Harfe: Alexandra Guiraud)
TZOUE für Klarinette, Cello und Cembalo
(Klarinette: Yunpeng Guo,
Cello: Mariusz Wysocki, Cembalo: N.N.)
Jack Ben-Levi (Amsterdam)
über Tona Scherchen
Xiao Fu
Was soll ich hier tun? – für Stimme, Harfe,
virtuelle Harfe und Live-Elektronik
(Harfe: Alexandra Guiraud,
Stimme: Gunnar Brandt-Sigurdsson)
Xiao Fu im Gespräch
Moderation: Prof. Dr. Georg Hajdu

 

Freitag, 21. Februar 2014 Soirée

20–22 Uhr (Chinesisches Teehaus)
Peking-Oper: Vorauss etzungen,
Fortschreibungen,
Inspirationen
Karsten Gundermann
Le Cinesi – Barockoper trifft Peking-Oper
Georg Hajdu
Swan Song
für Cello, Schlagzeug und Elektronik
(Cello: Mariusz Wysocki, Schlagzeug:
Lin Chen, Elektronik: Georg Hajdu)
Gespräch mit Prof. Dr. Georg Hajdu und
Karsten Gundermann
Moderation: Dr. Carsten Krause,
Dr. Markus Jentsch

 

Samstag, 22. Februar 2014 Soirée

19–22 Uhr (Chinesisches Teehaus)
Femme fatale: Herrschaft –
Geschlecht – Kunst
Prof. Dr. Hans Stumpfeldt
Die schönste Frau der T’ang-Zeit und
die Stellung der Frau zu ihrer Zeit, um 750
(Vortrag mit Lesung)
Juan Xu
Femme totale – die Rolle der Frau
in der chinesischen Gegenwartskunst
am Beispiel von „Bald Girls“
Gespräch mit Prof. Dr. Hans Stumpfeldt,
Prof. Dr. Beatrix Borchard und Juan Xu
Moderation: Prof. Dr. Kai Vogelsang

 

Sonntag, 23. Februar 2014 Matinée

11–13 Uhr (Fanny Hensel-Saal)
East is East and West is West
Interkultureller Dialog mit Prof. Xiaoyong Chen,
Prof. Peter Michael Hamel und Yijie Wang
Moderation: Prof. Elmar Lampson

Ein Held unserer Zeit (März/ April 2014)

Schauspiel, frei nach Lermontow

Von den Bergen durch die Steppe ans Meer. Auf seiner Reise durch die 1001 Weiten des Kaukasus trifft der junge Petschorin auf Räuber, Dragoner, Blinde und auf zauberhafte und gefährliche Frauen: eine Tscherkessen-Prinzessin, eine Fürstin, eine Nixe. Getrieben von Lebensgier und Langeweile will Petschorin die Welt erobern und ihre Grenzen sprengen. Eine rastlose Suche nach Zerstreuung, Spiel und Sinn.

Regisseur Johannes Ender geht mit dem Abschlussjahrgang Schauspiel der Theaterakademie auf eine Forschungsreise in die russischen Weiten von Lermontows phantastischer Erzählung.

REGIE Johannes Ender
BÜHNE Marie Gimpel
KOSTÜME Ognjen Jeftic

MUSIK Johann Niegl
DRAMATURGIE Christa Hohmann
REGIEASSSITENZ Katharina Schroth

MASKE Egzona Popovci

MIT Niklas Bruhn, Pablo Konrad y Ruopp, Sophie Krauß, Johanna Link, Mio Neumann, Christoph Vetter und Gala Winter

Premiere

Mi., 26.3.2014 um 20.00 Uhr

weitere Vorstellungen

Di, 1.4., Do., 3.4. und Sa., 5.4., jeweils 20.00 Uhr

Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Karten: 16 Euro, Schüler und Studierende ermäßigt 8,50 Euro (Studierende der HfMT 4 Euro)

Die große Sommeroper der Opernklasse (Juni/Juli 2014)

 

Maurice Ravel: Das Kind und der Zauberspuk

Francis Poulenc: Die Brüste des Teiresias

Paul Hindemith: Sancta Susanna

Von einem Kind, das außer Rand und Band gerät, über eine Ehefrau, die ihr Geschlecht wechselt, und ihrem Ehemann, der das Gebären erprobt, bis zu einer Nonne, die ihr sexuelles Verlangen entdeckt, entstehen an diesem Opernabend ungeahnte Sinnzusammenhänge – und dies über die Werkgrenzen hinaus. Denn für die diesjährige große Sommerproduktion der Opernklasse geht Regisseur Florian-Malte Leibrecht neue Wege, indem er drei weniger bekannte Einakter raffiniert zu einem psychoanalytischen Opern-Triptychon verknüpft.

Eröffnen wird die Inszenierung mit Maurice Ravels Das Kind und der Zauberspuk (L'Enfant et les Sortilèges), in der ein Kind mit anarchischer Zerstörungswut gegen die Welt der Erwachsenen rebelliert. Der französische Pianist und Komponist Francis Poulenc (1899-1963) vertonte durch seine Nähe zu Schriftstellern eine Reihe von literarischen Texten – insbesondere Gedichte Paul Éluards und Werke Guillaume Apollinaires, auf dessen Drama Les mamelles de Tirésias die 1947 uraufgeführte Oper Die Brüste des Teiresias basiert, die das Herzstück des Operntriptychons bildet. Leibrecht: „Die ganze Geschichte von Apollinaire ist absolut verrückt und surreal, dadaistisch erzählt und wird von Poulenc in einer ‚opera comique‘ großartig revuehaft umgesetzt.“ Von dieser verspielt-kritischen Reflexion über Geschlechterrollen geht es zum harschen Aufeinanderprallen von unterdrückter Sexualität mit den klösterlichen Zwängen und Verboten in Paul Hindemiths Skandalstück Sancta Susanna.

Florian-Malte Leibrecht verwebt die Handlungsstränge der drei Opern mit dem Garn einer psychoanalytischen Lesart. So finden sich die Darsteller jeweils zu Beginn in dem kühlen Wartezimmer eines ominösen Psychiaters wieder. Entfliehen können die Figuren dieser zweifelhaften Psychoanalyse nur in surreale Welten, in denen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung, Realität und Traum für (fast) alle Beteiligten verschwimmen.

Unter der Überschrift „Ravel, Poulenc und Hindemith auf die Psycho-Coach gelegt“ lobt das HAMBURGER ABENDBLATT die „starke Premiere“ und schreibt: „Der Regisseur hat die drei Einakter in der Musikhochschule zu einem Operntriptychon gebündelt – und sie dafür der Reihe nach auf die psychoanalytische Couch gelegt. Alle drei Stücke beginnen bei ihm auf den schwarzen Stühlen eines imaginären Wartezimmers, vor einem Vorhang mit der Aufschrift ‚Der Nächste, bitte!‘. Wenn der sich hebt, enthüllt er eine riesige kreisrunde Öffnung im Zentrum der Bühne: Sie ist der Eingang zu einem Raum, dessen psychedelische Rechteck-Muster dem Zuschauer eine Folge endlos sich verjüngender Kreise vorgaukeln. Damit schafft Bühnenbildner Markus Meyer ein suggestives Bild: der vielfarbig schillernde Schlund des Unbewussten. Dorthin verlegt Leibrecht einen Großteil der Handlungen. Er interpretiert die Erlebnisse der Figuren als Flucht aus der Realität in eine Welt der Wünsche und Träume. (…) Die Inszenierung changiert zwischen skurrilen, revuehaften und ernsten Momenten und spielt gekonnt mit der Vieldeutigkeit des runden Traum-Raumes. (…) Eindeutiger Höhepunkt war jedoch die eindringliche Hindemith-Aufführung, mit Annalena Hösel am Pult und den beiden fantastischen Nachwuchssängerinnen Signe Ravn Heiberg und Judith Thielsen.“ Und die WELT erklärt unter der Überschrift "Surreale Welten - Große Sommeropernpremiere an der Musikhochschule": "Nach den abendfüllenden Musiktheater-Klassikern der vergangenen Jahre wählt Regisseur Florian-Malte Leibrecht für die diesjährige Sommerproduktion der Opernklasse eine völlig andere Form. Leibrecht legt drei weniger bekannte Einakter unter das Brennglas der Psychoanalyse und lässt damit - weit über Werkgrenzen hinweg - ungeahnte Sinnzusammenhänge aufblitzen."

MUSIKALISCHE LEITUNG Jiri Rozen, Johannes Zahn und Annalena Hösel / Siegfried Schwab (ab 21.6.)

Prof. Siegfried Schwab, Musikalischer Leiter der diesjährigen Sommeroper, ist während der Schlussproben schwer erkrankt. Deshalb springen drei Studierende der Dirigierklasse von Prof. Ulrich Windfuhr mit der Leitung jeweils einer Oper ein. Jiri Rozen, Johannes Zahn und Annalena Hösel haben bereits die musikalische Einstudierung während der szenischen Proben übernommen und sind deshalb mit den komplexen Werken bestens vertraut.

INSZENIERUNG Florian-Malte Leibrecht

BÜHNENBILD Markus Meyer

KOSTÜME Catharina Rusitska

MIT den Sängerinnen und Sängern der Opernklasse Alina Behning, Pia Salome Bohnert, Helena Castro Ferreira, Stephanie Christiano, Sheida Damghani, Virginia Felicitas Ferentschik, Signe Ravn Heiberg, Felix Heuser, Pauline Crescentia Jacob, Jung Kwon Jang, Jenny Kalbfleisch, Zak Njoroge Kariithi, Keunhyung Lee, Cheng Li, Jia Qi Li, Ying Ma, Sophie-Magdalena Reuter, Timo Rößner, Fie Freja Sandkamm, Svenja Schicktanz, Lisa Schmalz, Karola Sophie Schmid, Na-Rea Son, Geneviève Tschumi, Judith Thielsen, Axel Wolloscheck, Jingyi Yan

sowie der Schola Cantorosa (Herrenchor) und Studierenden der HfMT (Damenchor)

Premieren

A-Premiere: So., 1.6.2014 19.00 Uhr

B-Premiere: Di., 3.6.2014 19.30 Uhr

Weitere Vorstellungen

Do., 5.6. 19.30 Uhr

Sa., 7.6. 19.00 Uhr

Mo., 9.6. 18.00 Uhr

Sa., 21.6. 18.00 Uhr

Fr., 27.6. 19.30 Uhr

So., 29.6. 18.00 Uhr

Fr., 4.7. 20.00 Uhr (neue Anfangszeit wegen WM-Viertelfinale Deutschland-Frankreich!)

Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Karten: 25 Euro, ermäßigt 10 Euro (Studierende der HfMT 4 Euro)

Einführungsvortrag

gratis, jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn

(Raum: siehe Aushang im Foyer)