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04.01.2017 08:49 Alter: 170 Tage

Ringveranstaltung Mensch | Musik I: Musik und Liebe

Unter dem Titel „Mehr Lust als Liebe: Die Erotik der Töne im Fin de siècle“ findet am Dienstag, den 10. Januar 2017 im Mendelssohnsaal der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ein musikalisch umrahmter Vortrag von Prof. Dr. Christoph Flamm (Musikhochschule Lübeck) statt.

Beginn ist 18 Uhr (s.t.), der Eintritt ist frei.


Musikprogramm mit Fabian Gehring (Klavier), Studierender der HfMT Hamburg

 

Aus dem Blickwinkel der Sitten- und Kulturgeschichte war das ausgehende 19. Jahrhundert eine Zeit von ebenso extremer Prüderie wie ausbrechender Frivolitäten. Beides mag einander bedingt haben. In der Literatur und in den bildenden Künsten zeigt sich dieses Oszillieren zwischen Zucht und Unzucht, zwischen Zivilisiertheit und animalischem Trieb, besonders plastisch. Die Musik, nicht nur in Form des Tanzes und Tanztheaters, hatte an diesen Entwicklungen und Grenzverschiebungen erheblichen Anteil, wofür Wagners „Tristan und Isolde“ das leuchtendste Beispiel bot. Das musikalisch Amouröse erlebte auf dem Wege einer immer stärkeren Sinnlichkeit Wandlungen von der ver-schämten Andeutung zur frechen Koketterie, zur voluptuösen Entfesselung oder gar orgiastischen Ekstase. Die Intensivierung des Sinnlichen war indessen kein gleichförmiger Vorgang, sondern individuell höchst verschieden - sowohl in den musikalischen Mitteln als auch in der Deutung von Sinnlichkeit selbst. Werke von Ernst von Dóhnanyi, Alexander Skrjabin und Claude De-bussy sollen zeigen, wie das Fin de siècle die Liebe in ihren erotischen Ausprägungen in Töne fasste.

Christoph Flamm studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik in Heidelberg und wurde dort promoviert. Er arbeitete 1994 bis 2001 in der Schriftleitung der Enzyklopädie „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ im Bärenreiter-Verlag, 2001 bis 2004 an der Musikgeschichtlichen Abteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom, ab 2007 an der Universität des Saarlandes, wo er sich habilitierte. Nach einer Vertretungsprofessur 2011/12 an der Universität der Künste Berlin und kurzer Mitarbeit an der neuen Reger-Werkausgabe in Karlsruhe nahm er 2013 einen Ruf auf die Professur für Angewandte Musikwissenschaft an die Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt an. Seit Oktober 2014 ist er Professor für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Lübeck.

Konzept, Organisation und Abendgestaltung: Martina Bick, Nina Noeske, Matthias Tischer