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27.07.2017 07:12 Alter: 24 Tage

Zum Andenken an Philipp Jarnach.

Der Gründungspräsident der HFMT wäre am 26. Juli 125 Jahre alt geworden. Eine Würdigung von Prof. Frank Böhme.

Schon fünf Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, waren sich die Lehrkräfte der „Schule für Musik und Theater“ in einer Petition einig: ihr Institut muss in eine staatliche Hochschule umgewandelt werden. Das war ambitioniert und vorausschauend gedacht: denn die Nordwestdeutsche Musikakademie in Detmold und die Staatliche Musikhochschule in Köln waren 1946 eröffnet bzw. wiedereröffnet worden und im Norden konkurrierten sie mit den Landesmusikschulen Hannover und Lübeck. Es sollte aber noch dauern: erst 1947 klarte es kulturpolitisch gesehen auf: Eine Hochschulgesellschaft gegründet, mit Eugen Jochum und dem Philharmonischen Orchester sowie dem Sinfonieorchester der des Nordwestdeutschen Rundfunks unter Hans Schmidt-Isserstedt waren zwei hervorragende Klangkörper nebst Dirigenten in der Stadt zu Hause. Das Fehlen einer staatlichen Musikhochschule drängte sich förmlich auf.

In der ursprünglichen Nachkriegsvision war Paul Hindemith Wunschkandidat der Petiteure. Die Interimsdirektoren hatten davon aber mittlerweile Abstand genommen dafür kam Philipp Jarnach ins Gespräch und wurde regelrecht umworben. Erstmals erfährt er Mitte 1946 von diesem Plan. Im September schreibt er in einem Brief: „Zu einer möglichen Berufung nach Hamburg wäre sehr viel für und wider zu sagen, verlockend wäre es in mancher Hinsicht sehr.“ [1] Um das Hamburger Terrain kennenzulernen wird er 1947 Juror des NWDR-Kompositionspreises und machte mehrere Aufnahmen als Dirigent mit dem NWDR-Orchester.

Jarnach und Hindemith wurden in der Zeit der Weimarer Republik als gleichberechtigte Nachwuchshoffnungen gehandelt. Bei den sagenumworbenen Donaueschinger Musiktagen im Sommer 1921 waren sie es, die mit ihren Werken außerordentlich Furore machten. Im Februar 1927 wurden beide, als jüngste Kompositionsprofessoren an die damals einzigen staatlichen Musikhochschulen berufen: Hindemith in Berlin, Jarnach in Köln.

1892 als Sohn eines Katalanen und einer Flämin in der Nähe von Paris geboren, wurde Philipp Jarnach schon frühzeitig als pianistisches Talent gefeiert. Nach seinem Pariser Studium arbeitet er dort als Liedbegleiter und zog 1914 nach Zürich weiter. Hier lernte er Busoni kennen der ihn sehr inspirierte und seine kompositorischen Ambitionen förderte. Als Kollege und mittlerweile Freund, folgte er ihm später nach Berlin. Von hier aus konnte er sich als internationaler Komponist etablieren. Nach Busonis Tod vollendete er seine Oper „Doktor Faust“. Künstlerisch allseitig interessiert war er Mitglied der Novembergruppe und engagierte sich in der Gesellschaft für Neue Musik. Seien Berufung nach Köln übte er bis 1949 aus und galt als herausragender und hingebungsvoller Pädagoge. Zu seinen Schülern zählen u.a. Kurt Weill, Otto Luening, Bernd Alois Zimmermann oder der Dirigent Günter Wand.

Seine Hamburger Berufung zum Oktober 1949 ist auch rückwirkend eine folgerichtige Entscheidung und so konnte er am 12. April 1950 die „Staatliche Hochschule für Musik“ in Hamburg mit 373 Studierende eröffnen. Unter seiner Leitung wurden die Ausbildungsgänge Privatmusikerzieher und Musiklehrer an Schulen eröffnet. Er setzte sich auch für die Weiterführung der Schauspielklasse an der Hochschule ein sowie um die Erweiterung einer Opernklasse. Die Abteilung für evangelische Kirchenmusik kam 1954 hinzu.

Damit war sehr schnell klar, dass die Raumsituation den Entwicklungen hinterherhinkt. Den unerträglichen Zustand formulierte er 1954 in einem dramatischen Schreiben an die Behörde. Die Antwort seines hartnäckigen Verhandelns war der Umzug in das Budge Palais. Standen jetzt wenigstens 56 der benötigten 90 Räume zur Verfügung.

Internationale Renommee brachten auch die Konzertreisen ein: Kopenhagen, Antwerpen Helsinki... Jarnach bemühte sich immer wieder um internationale Meisterkurse an seinem Haus.

Als er 1959 in Pension ging hatte er in weniger als zehn Jahren die Hochschule für Musik und Theater vom Nullpunkt zu einem internationalen Institut gemacht.

Philpp Jarnach starb 1982 im Alter von 90 Jahren in Hamburg.[2]

Philipp Jarnach spielt aus „Das Amrumer Tagebuch“, op. 30 

https://www.youtube.com/watch?v=cu3QsctHhxE

 


[1] Brief an Freidrich Schnapp. Zitiert in: Weiss, Stefan: „Die Musik Philipp Jarnachs“, Köln, 1996, S. 331.

[2] Weiss, Stefan: „Die Gründung der Hamburger Musikhochschule und ihr erster Direktor Philipp Jarnach“ in: Heister, Hanns-Werner: „Kunsträume Studium. Innenansichten“, Musik und… Bd.1, Hamburg 2000, S. 158-169, hier165-169.