Joachim Preu

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Foto: Dieter Hellfeuer

Informationen

Lebenslauf

  • Geboren 1962, sammelte Joachim Preu seine ersten musikalischen Erfahrungen mit Blockflöte, dem Klavier und beim Kinderchor der Hamburger Staatsoper.
  • Zu seinem 13. Geburtstag bekam er eine Posaune seines Vaters geschenkt.
  • Nach kurzer Zeit des Posaunenunterrichts lernte er die motivierende Seite des Wettbewerbs Jugend musiziert kennen: Die Jury leitete ihn nach anregendem Gespräch weiter, was dazu beitrug, das Feuer für die Posaune und die Musik in ihm zu entzünden, das bis heute brennt.
  • Weiter angeheizt wurde es durch diverse Kammermusikensembles, die Mitgliedschaft im Bundesjugendorchester, anderer örtlicher Orchester und der Downtown- und Stintfunk-Bigband.
  • Da es für Posaunisten während seiner Gymnasialzeit noch keine Möglichkeit einer Jungstudenten-Studienvorbereitung gab, wurde er weiter privat von den Professoren der Hamburger Musikhochschule Prof. Horst Raasch (Posaune / Soloposaunist des NDR-Sinfonieorchesters), später auch Prof. Joachim Mittelacher (Posaune / Philharmonisches Staatsorchester Hamburg) und Prof. Günter Friedrichs (Theorie, Gehörbildung und Komposition) ausgebildet.
  • So gefördert und reich mit der Musik aller Genres beschäftigt ging es schnell: Schon als 18jähriger gewann er 1980, ein Jahr vor seinem Abitur, das Probespiel beim Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks. Nach seinem Abitur trat er diese Stelle an und ist seitdem Mitglied des NDR Sinfonieorchesters, dem späteren NDR Elbphilharmonie Orchester.
  • Aus einem anfänglichem: „Magst Du nicht mal meinem Bruder zeigen, wie das mit der Posaune geht“ an Joachim Preu als Jugendlichen ist eine langjährige und ebenfalls leidenschaftliche Tätigkeit geworden: Das Unterrichten.
  • Nach freiberuflicher Unterrichtstätigkeit wurde er 1987 bis 1995 Dozent an der Musikschule Wedel.
  • Was 1995 mit einer eine Vertretungs-Teilzeitprofessur an der Musikhochschule Hamburg begann, wurde 2004 Professur für den Klassikunterricht der Jazzposaunisten und dann auch für die Posaunisten der Schulmusik.
  • 1998 kam ein Lehrauftrag für Orchesterstudien Posaune an der Musikhochschule Lübeck dazu, später auch auf den Posaunenunterricht ausgeweitet.
  • Viel Praxis, das eigene Hinterfragen, viele hundert angehörte und zu analysierende Probespiele in seinem Orchester, sowie Literatur u.a. über hirngerechtes Lernen führten ihn dazu, wie er seine Begeisterung weitergeben und positive Wege zur Instrumentenbeherrschung über die Musik vermitteln kann.
  • „Klassik“- Unterricht für Jazzposaunist*innen an der HfMT (von Prof. Joachim Preu)
  • Bei der Aufnahmeprüfung als Jazzer*in zählen zunächst die Fähigkeiten im Jazz-Idiom. Ein*e tolle*r Jazzposaunist*in wird nicht wegen ihrer/seiner noch mangelnden positiven Erfahrung im Klassikbereich nach Hause geschickt. Aber sie/er kann in dem Teil natürlich weitere Pluspunkte sammeln.
  • Im Unterricht versuche ich der/dem jazzbegeisterten, kreativen Musiker*in zu zeigen, wie sie/er ihre/seine Kreativität mit Freude am Erzählen auch in „klassischen“ Stilistiken anwenden kann.
  • Zum Beispiel Barockmusik: Die ist in historisch informierter Spielweise mit ihren Umspielungsmöglichkeiten dem Jazz durchaus ähnlich. Telemann hat als Zeitzeuge in seinen „Methodischen Sonaten“ aufgeschrieben, wie er sich seine Musik vorstellt: mit zusätzlichen Vorhalten harmonisch farbig und mit Umspielungen stark verändert. Das erinnert an eine*n Jazzer*in, der ihre/seine Real Book-Standards ebenfalls in eigener Kreativität gestaltet. Die Musik wird persönlich. Natürlich klingt Barock nicht nach Jazz. Aber Swing klingt auch nicht nach Dixie. Wichtig und gemein sind die kreativen Möglichkeiten, die Jazzer*innen suchen und auch in dieser alten Musik reichlich finden können.
  • Ein weiteres Beispiel ist die Suche nach Techniken für eine interessante Erzählung. Wie in der Sprache sind es Klangfarbenänderungen und Formung des Erzählstroms, die die/den Zuhörer*in mitnehmen können. Romantische und moderne Musik bieten hier viele Möglichkeiten, die Kreativität virtuos fließen zu lassen. Hier werden zwar keine Noten verändert, aber alles, was „zwischen“ den Noten steht. Und das ist viel. Die/der Interpret*in ist kein „Vollzugsbeamter“, sondern kreative*r Erzähler*in. Alle Klänge sind gefragt, von sanft bis hässlich. Jeder an seinem Platz in der persönlichen Erzählung der/des Interpret*in*.
  • Und schließlich die eigentliche Klassik, die uns Posaunist*innen wenig Originalmusik hinterlassen hat: Sie erfordert gute technische Möglichkeiten, um mit Feinheiten eine interessante Geschichte aus Klängen zu formen. Technische Möglichkeiten, die jeder Stilistik gut tun.