Boertien

Der Liedbegleiter des 21. Jahrhunderts

Ob Rachmaninoff-Konzert oder Schubert-Pianissimo: DAAD-Preisträger Daan Boertien ist höchsten musikalischen Anforderungen gewachsen

vom 05.03.2019

Neben einem mit Bravour bestandenen Master in Liedgestaltung konnte sich Daan Boertien Ende Januar über eine weitere Auszeichnung freuen: Die Verleihung des mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preises. Der Preis wird seit mehr als zehn Jahren für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen verliehen. Er soll dazu beitragen, der Vielzahl von ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen Gesichter zu geben und deutlich machen, dass jeder einzelne aus einer anderen Kultur zu uns kommende Studierende ein Stück von Deutschland in seine Heimat mitnimmt und etwas von sich in Deutschland lässt.

Dies trifft in besonderem Maße auf Daan Bortien zu. Der 28-jährige Niederländer studierte zunächst im Bachelor in der Klasse von David Kuyken am Conservatorium van Amsterdam Klavier, wo er sowohl sein Bachelor- als auch sein Masterstudium abschloss. Studienbegleitend konnte der junge Musiker bereits zahlreiche Auszeichnungen einheimsen, wie den Prinses Christina Concours oder den Honorary Award for Outstanding Musicianship des Peter de Grote-Festivals in Groningen. 2015 gewann der junge Pianist außerdem den renommierten Kunst aan de Dijk Prijs voor Jong Talents.

Mit Beginn des Wintersemesters 2016/17 nahm der junge Pianist sein Masterstudium im Fach Liedgestaltung in der Klasse von Burkhard Kehring an der HfMT auf. Im Jahre 2017 wurde er Stipendiat der Oscar und Vera Ritter-Stiftung und erhielt zudem einen Förderpreis des Prins Bernhard Cultuurfonds. Diese Auszeichnungen ermöglichen ihm durch die gesicherten finanziellen Rahmenbedingungen eine intensive Weiterentwicklung seiner musikalischen Tätigkeit.

Begleitender Solist statt Hintergrundmusiker
Als besonderen Glücksfall betrachtet er die Zusammenarbeit mit seinem Professor, Burkhard Kehring. „Burkhard hat mir unglaublich viel von seinem Wissen im Bereich Liedgestaltung vermittelt. Als Musiker und Pädagoge ist er ein echtes Vorbild für mich. Parallel dazu hat sich im Laufe der vielen Liederabende, die ich während dieser zwei Jahre gegeben habe, mein Repertoire ständig erweitert. Es umfasst mittlerweile praktisch alle große Liederzyklen von der Romantik bis zur Moderne.“ Sein Mentor kann dies nur bestätigen: „Von seinem pianistischen Profil her ist Daan kein blasser ‚Hintergrundmusiker‘, sondern ein begleitender Solist, und das finde ich wirklich vorbildlich. Den technischen Anforderungen eines Rachmaninoff-Konzerts gewachsen, zögert er jedoch nicht, sich einem Schubertschen Pianississimo oder dem Atem- und Tempobedürfnis eines Sängers vollkommen zu unterwerfen. Die Gesangspartner empfinden dabei deutlich, dass die tragende Qualität seines Spiels nicht verlorengeht – und fühlen sich wohl und geborgen. Und so soll es ja sein.“

Den Reichtum der Tradition in die Zukunft projizieren

Der weiteren musikalischen Karriere seines Schülers sieht Kehring mit Spannung entgegen: „Seine große geistige Aufgeschlossenheit für kreative und kommunikative Diskurse kommt ihm nicht nur im Moment des gemeinsamen Musizierens mit anderen Künstlern zugute. Sie wird ihn künftig auch zu einem guten Programmdramaturgen und Vermittler machen. Es geht ja nicht nur darum, die einzigartige europäische Tradition der Liedbegleitung zu horten und fortzusetzen, sondern auch darum, diesen Reichtum ganz neu in ein smartes und globales 21. Jahrhundert zu projizieren. Und solange internationale Begleiter von der Begabung eines Daan Boertien nachkommen, wird es mir um die Zukunft des Liedes überhaupt nicht bange.“
Nach der Beendigung seines Masterstudiums will sich der begabte Musiker verstärkt auf das Konzertieren mit bewährten Gesangspartnern konzentrieren. „Ich habe vor nicht allzu langer Zeit den deutschen Bariton Bejamin Appl begleitet und würde diese Zusammenarbeit sehr gern fortsetzen. Gleiches gilt für meinen Landsmann Raoul Steffani, mit dem ich letztes Jahr den Publikumspreis des Wettbewerbs Dutch Classical Talent gewonnen habe.“ Trotz zahlreicher Engagements im Ausland, speziell den Niederlanden, möchte Daan, der sich mit Tennis, Fitness und Schach körperlich wie geistig fit hält, vorerst in Hamburg bleiben. „Ich fühle mich sehr wohl hier und bin froh, damals den Entschluss gefasst zu haben, zu meiner Freundin Marlen Korf an die Elbe zu ziehen. Außerdem liebe ich gutes Essen – und auch in dieser Beziehung hat Hamburg einiges zu bieten.“
TEXT DIETER HELLFEUER FOTO: DAAN BOERTIEN CHRISTINA KÖRTE