Fynn Großmann
Fynn Großmann, Stipendiat des Dr. Langner Jazz Master an der HfMT
Foto: Christina Körte

Der Reiz der Vielseitigkeit

Dr. Langner Jazz Master-Stipendiat Fynn Großmann auf kompositorischer Schatzsuche

vom 01.04.2019

Auch eine Art von Kulturmix: Nach seinem Bachelorabschluss in Saxophon und Komposition studierte Fynn Großmann Kontrabass an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Überdies spielt der vielseitig begabte Musiker Oboe und bringt sich mit seinen umfassenden instrumentalen Fähigkeiten in vielen Jazzbands, klassischen Orchestern sowie Crossover-Projekten aktiv ein. Zudem ist er auch als Komponist und Arrangeur, als Instrumentallehrer und Workshop-Leiter tätig.

„Da gibt es noch viele Schätze zu entdecken.“
Doch damit nicht genug. Seit Oktober letzten Jahres rundet der 1992 in Berlin geborene Allrounder seine musikalische Vita mit dem Dr. Langner Jazz Master an der HfMT ab. Dieser beinhaltet die Übernahme der universitären Kosten in Höhe von 19.000 Euro inklusive eines Lebenshaltungskostenbeitrages von bis zu 4.800 Euro pro Jahr und Studierenden. „Dieses Stipendium zu erhalten, bietet trotz der strengen Auswahlkriterien allen ambitionierten Jazzern eine hervorragende Chance, sich als Musiker professionell weiterzuentwickeln. Zu den insgesamt nur acht Stipendiaten zu gehören, ist schon eine Auszeichnung. Bei mir persönlich kommt hinzu, dass ich unbedingt mit Professor Wolf Kerschek arbeiten wollte. Insofern sind diese vier Semester für mich ein echter Glücksfall.“
Gibt es in der Stipendiatengruppe ein Zusammengehörigkeitsgefühl, oder kümmert sich jede und jeder primär um die eigene musikalische Karriere? „Ja und nein. Der Kontakt zu den anderen Stipendiaten ist schon dadurch gegeben, dass wir gemeinsam einige Kurse absolvieren. Und natürlich tauschen wir uns gegenseitig aus. Aber konkrete musikalische Projekte außerhalb der HfMT hat es kaum gegeben.“

Dass Fynn sich – anders als die meisten anderen – nicht auf ein Instrument konzentriert, sieht er pragmatisch. „Ich würde das eindeutig als meine Stärke betrachten. Durch meine Kenntnisse unterschiedlicher Instrumente und Genres ist es mir möglich, im Rahmen meiner Kompositionsarbeit musikalische Stile reizvoll miteinander zu kombinieren. Sehr spannend finde ich etwa den Einsatz von eher jazzuntypischen, weil zu leisen Instrumenten wie Oboe oder Fagott. Da gibt es noch viele Schätze zu entdecken.“

Ein Quintett auf „Abwegen“ – Preisgekrönte musikalische Expedition als Mittel kultureller Verständigung und zeitlicher Verschmelzung
Um seine Eigenkompositionen adäquat in Szene setzen zu können, hat er unter anderem ein eigenes Bandprojekt gegründet – das Fynn Großmann Quintett. „Mit zwei Saxophonen, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug ist unser Sound vielschichtig und facettenreich. Experimentelle Passagen gehören ebenso zum Konzept wie auskomponierte Teile im Sinne der Jazz-Tradition und Improvisation. Es entsteht eine Musik, die zwar klar dem Jazz zuzuordnen ist, jedoch durch europäische und asiatische Einflüsse geprägt ist.“ Das dem zeitgenössischen Jazz verschriebene Ensemble wurde bereits mit renommierten Preisen ausgezeichnet und arbeitet zurzeit an dem Album Halbwahrheiten, das im Herbst 2019 auf nWOG Records erscheinen wird.

„Einfach gute Musik“
Die Inspirationsquelle für seine eigenen Kompositionen kann Fynn in wenige Worte fassen: „Einfach gute Musik“. Und diese reicht für ihn von Jazz-Größen wie Charlie Parker, John Coltrane oder Wayne Shorter über Bach, Debussy oder Tschaikowsky bis hin zu Neutönern wie John Cage. „Bei der GEMA habe ich bereits weit über 50 Kompositionen angemeldet. Die stilistische Bandbreite reicht von Werken für Sinfonieorchester bis zu Werken für Jazz-Combos. Das sind allerdings nur die Stücke, die es auf die Konzertbühne geschafft haben. Eine große Zahl an Ideen, Skizzen und fast fertigen Stücken befindet sich in meiner Schreibtischschublade.“

Privat lebt Fynn mit seiner Ehefrau, die selbst auch Musikerin ist, in Hannover. Für die Dauer des Jazzmasters pendelt er abgesehen von seinen über ganz Deutschland verstreuten Konzerten zwischen beiden Städten. „Hamburg ist für Jazzer natürlich das attraktivere Pflaster, allerdings komme ich hier schwerer an Gigs als in Hannover oder Kiel. Ich bin da aber optimistisch, was die Zukunft betrifft.“
Live wird Fynn Ende April in Rahlstedt mit dem Walddörfer-Kammerorchester zu hören sein, sein Quintett tritt unter anderem am 15. April in Kiel und am 18. April in Bremen auf. Weitere Konzerttermine findet man auf der Website www.fynngrossmann.de
TEXT DIETER HELLFEUER
FOTO: FYNN GROSSMANN CHRISTINA KÖRTE