Coutinho Ana neu

„Musik heilt, tröstet und bringt Freude“

Portrait der Sopranistin und DAAD-Preisträgerin Ana Carolina Coutinho

vom 02.03.2020

„Ana gehört zu den talentiertesten jungen Sängerinnen an unserer Hochschule und ist auch durch ihr soziales Engagement ein Vorbild für viele Studierende. Dass sie jetzt für beides nun auch offiziell mit einem Preis gewürdigt wurde, ist eine exzellente Entscheidung.“

Mit diesen Worten kommentierte Mark Tucker die Vergabe des DAAD-Preises an Ana Carolina Coutinho, die sich in seiner Klasse auf das Konzertexamen in Liedgesang und Oratorium vorbereitete. Die mit 1.000 Euro dotierte und aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanzierte Auszeichnung wird jedes Jahr an herausragende internationale Studierende verliehen, die sich sowohl durch besondere akademische Leistungen als auch bemerkenswertes gesellschaftliches oder interkulturelles Engagement hervorgetan haben.

Aus dem Regenwald in den Dschungel der Kultur

Geboren wurde Ana Carolina nach eigenem Bekunden „mitten im Regenwald“ in der eher beschaulichen nordbrasilianischen Stadt Santarém. Kurz darauf zog ihre Familie in die Metropole São Paulo, eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Nach ihrer Schulzeit begann sie an der Universidade Estadual Paulista (UNESP) in São Paulo ihr Bachelorstudium Gesang, das sie 2015 erfolgreich abschloss. Es folgten zahlreiche Auftritte sowohl als Solistin im Liedbereich wie in anspruchsvollen Rollen auf der Opernbühne. Als Stipendiatin unter anderem der Oscar und Vera Ritter-Stiftung nahm sie auch an vielen hochkarätigen Meisterkursen und Wettbewerben teil. 2018 wurde sie unter anderem Preisträgerin des Mozart-Wettbewerbes der Absalom-Stiftung Hamburg.

Im Frühjahr 2018 begann Ana Carolina ihr Konzertexamen-Studium an der HfMT bei Mark Tucker mit dem Schwerpunkt Lied und Oratorium. Dass ihre Wahl auf Hamburg fiel, war nicht rein zufällig. „2014 war ich im Rahmen eines Chorprojektes neben Lübeck auch in Hamburg. Ich habe mich spontan in diese Stadt verliebt und mich sehr gefreut, als es dann Jahre später mit der Bewerbung an die HfMT geklappt hat. Wie ich jetzt sagen kann, war es die absolut richtige Entscheidung. Das Studium hat mich nicht nur musikalisch, sondern allgemein in persönlichen Belangen weitergebracht. Dazu kommt meine Begeisterung für die deutsche Sprache und Kultur, die ich hier voll ausleben konnte.“ Was wohl auch das nahezu perfekte Deutsch der jungen, zierlich gebauten Sängerin erklärt. Am 28. Februar 2020 fand ihr Abschlusskonzert im Kleinen Saal der Laeiszhalle statt. Auf dem Programm standen neben Stücken ihrer Lieblingskomponisten Debussy, Poulenc, Schubert und Strauss auch unbekannte Lieder aus ihrer Heimat. Die erstaunliche Vielseitigkeit ihrer Stimme zwischen Kunstlied und Folklore fand bei den Zuhörern großen Anklang.

„Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude“ – Jehudi Menuhin

Zurück zum DAAD-Preis, der neben der künstlerischen Exzellenz zusätzlich für besonderes gesellschaftliches oder interkulturelles Engagement verliehen wird. Die in dem Preis angelegte Verknüpfung beider Bereiche ist ganz im Sinne von Ana Carolina. „Ich finde, dass Musik sich hervorragend in soziale Kontexte einbinden lässt, etwa im Unterricht mit Kindern oder mit Auftritten in Krankenhäusern oder Seniorenheimen. Ich bin zum Beispiel schon länger in der Initiative Live Music Now aktiv. Diese wurde von Yehudi Menuhin unter dem Motto gegründet ‚Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude‘. Konkret heißt das: Wir bringen Musik zu Menschen, die aus gesundheitlichen oder sozialen Gründen nicht in Konzerte gehen können.“

Viel Zeit zum Verschnaufen nach ihrem mit Bravour bestandenen Konzertexamen wird die Sopranistin nicht haben. Bereits im Frühjahr wird sie nach Korea und China im Rahmen eines Chorprojektes reisen, mit einem abschließenden Liederabend in Singapur. Anschließend hat sie mit ihrer aus Japan stammenden Liedduo-Partnerin Megumi Karoda ein Engagement an der Baseler Liederakademie.

Tanzende Wehmut

Ana Carolina ist begeisterte Tänzerin und auch sportlich sehr aktiv. Sie wohnte die ersten Jahre im beschaulichen Volksdorf und ist vor kurzem nach Barmbek gezogen. „Hamburg ist für mich eine der schönsten Städte der Welt, und das nicht nur wegen Hafen und Alster, sondern vor allem auch wegen der unglaublichen Vielfalt an kulturellen Angeboten. Ein Traum von mir wäre es, wenn mich meine Familie hier besuchen könnte. Ich war das letzte Mal vor drei Jahren in Brasilien. Das bereitet mir trotz des vielen Glücks, dem ich hier in den letzten Jahren begegnet bin, schon ein wenig Wehmut.“

TEXT DIETER HELLFEUER
FOTO: ANA CAROLINA COUTINHO CHRISTINA KÖRTE