Filip Dinev
Filip Dinev, Student im Jazzmaster-Programm der Dr. E. A. Langner-Stiftung. Das ausführliche Porträt ab sofort in der neuen ZWOELF
Foto: Christina Körte

„Das Beste daraus machen“

Jazzgitarrist Filip Dinev in der Corona-Krise - Ein Porträt

vom 19.03.2021

Seit Herbst 2019 ist der Gitarrist Filip Dinev Student im Jazzmaster-Programm der Dr. E. A. Langner-Stiftung. Der seit 2014 an der HfMT angebotene Studiengang für besonders talentierte Musikerinnen und Musiker genießt Vorbildcharakter für die nationale und internationale Jazzausbildung.

Aufgewachsen in einer kleinen Stadt im Süden Mazedoniens, begann Filip im Alter von 13 Jahren mit dem Gitarrenspiel. Inspiration gab es zuhauf: Vater und Bruder sind Berufsmusiker, das hauseigene Studio steht voller Instrumente. Nach der Schule beginnt er ein Ingenieurstudium, bricht dies jedoch nach einem Jahr ab. Es folgen Lehr- und Wanderjahre als Musiker, woraufhin er schließlich sein Musikstudium in der Provinzstadt Štip beginnt. Anschließend begibt er sich für einen einjährigen Aufenthalt nach Budapest, eine Stadt, die ihn nach eigenem Bekunden bis heute prägt und sein zwischen Jazz, Blues, Balkan und Pop changierendes Spiel beeinflusst. Ihr widmet er auch einen Titel in seinem Ende 2020 erschienenen Debütalbum Szvetlo, das er mit dem französischen Schlagzeuger Pierre Martin und dem ungarischen Bassisten Dani Arday eingespielt hat.

Die Pandemie – Schaffensprozess auf Umwegen
Wir vereinbarten mit Filip ein Interview im Februar 2021, als der Lehrbetrieb und der Veranstaltungsbereich der HfMT unter den Beschränkungen des zweiten Lockdowns weitestgehend auf Eis lag. Als Einstieg lag es daher nahe, ihn nach seinem Umgang mit der Krise im Rahmen des Master-Studiums zu fragen. „Eines der wichtigsten Dinge, die die Pandemie bewirkt hat, ist, dass sie die soziale Dimension der gesamten musikalischen Erfahrung verschoben hat. Und mit 'musikalischer Erfahrung' meine ich den Prozess der Inspiration und Kreation. Ich halte das für sehr wichtig. Das hat natürlich dramatische Auswirkungen auf das Studium. Als sich das soziale Miteinander unter der Pandemie änderte, da änderte sich auch unsere Praxis. Normalerweise übt man mit Fokus auf ein bestimmtes Ereignis und man probiert Dinge aus bestimmten Gründen aus, mit dem Hauptziel, es mit anderen zu teilen. Heutzutage versuchen wir alle, die Situation eines 'Neugeborenen' anzunehmen und das Beste daraus zu machen.”

Harmonisches Klima und Zusammenhalt als Energiepol
Der Austausch mit anderen Studierenden ist also weiterhin gegeben? „Natürlich sind wir untereinander in ständigem Kontakt. Es ist sehr wichtig, mit anderen Musikern und Kollegen seine Gefühle und Gedanken in diesen Zeiten zu teilen. Gegenseitige Ermutigung und Hilfestellungen sind jetzt wirklich sehr nötig.“ Welche Eindrücke und Erfahrungen konnten im Rahmen des ersten Jahres im Masterstudium trotz der Ausnahmesituation gesammelt werden? „Die HfMT Hamburg ist wirklich eine einzigartige, kreative und vielfältige musikalische Umgebung. Einer meiner ersten Eindrücke war, wie einladend und freundlich alle sind. Man muss bedenken, dass ich absolut keine Kontakte in Hamburg hatte und mich auf eigene Faust für das Programm beworben hatte. Dann ging alles sehr schnell: Ich stieg in Budapest in einen Zug und war Stunden später in Hamburg. Bereits kurz nachdem ich mein Probespiel absolviert hatte, bildete ich mit den HfMT-Absolventen Tilman Oberbeck und Moritz Hamm ein Trio, mit dem wir hauptsächlich meine Kompositionen spielten. Fast gleichzeitig lud mich der Schlagzeuger Dominic Harrison ein, seinem Quartett beizutreten, mit dem wir vor der Pandemie noch ein paar Konzerte spielen konnten. Das Masterprogramm selbst ist in vielerlei Hinsicht brillant. Es erlaubt einem, seine persönliche künstlerische Vision mit den Lehrern seiner Wahl zu erweitern.“

Gemäßigte Erwartungshaltung, doch unbefangen leuchtend
Die Corona-Krise wird hoffentlich bald ein Ende finden. Gibt es schon konkrete Ziele für die „Zeit danach“? „Aktuell arbeite ich an einigen neuen Kompositionen, hauptsächlich für das Trio-Format. Parallel dazu bin ich an einigen Band-Projekten der HfMT beteiligt. Seit kurzem proben wir mit dem Ensemble von Lauri Kadalipp, einem brillanten neuen Master-Studenten aus Estland, der kürzlich nach Hamburg gezogen ist. Mein ursprünglicher Plan für dieses Jahr war es allerdings, die Musik meines Albums Szvetlo so oft wie möglich in Konzerten zu spielen. Inwieweit sich dieser Wunsch erfüllt, bleibt gegenwärtig ungewiss. Das Einzige, was wir jetzt tun können, ist tief durchzuatmen, geduldig zu sein und nichts zu erzwingen.“

TEXT DIETER HELLFEUER
FOTO: FILIP DINEV CHRISTINA KÖRTE

Der Beitrag erscheint in der zum Start des Sommersemesters ausliegenden „zwoelf“. Die nunmehr 28.Ausgabe der HfMZ Hochschulzeitung hat das Schwerpunktthema „Heros"