"Küsse, Bisse, das reimt sich." Über Risiko und Einsamkeit des Kusses

  • Dozent: Prof. Dr. Ulrich Bitz
  • Termin: Siehe Aushang
  • Raum: HB Seminarraum 2
  • Dauer: eine Semesterwochenstunde
  • Inhalt: „So war es ein Versehen. Küsse, Bisse, das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt, kann schon das eine für das andre greifen.“ Küssen ist, wie man angesichts der lakonischen Feststellung von Kleists Penthesilea sehen kann, mitunter ein gefährliches Unterfangen für die Beteiligten. Es gibt praktisch keinen großen, für die Bühne geschriebenen Text, der ohne die abgründige Zweisamkeit eines Kusses auskommt. Wer auf der Bühne in die Einsamkeit seines Schicksals entlassen worden ist, kann sich sicher sein, daß er zuvor entweder jemanden hat küssen dürfen oder ungeküßt irgendeines großen Abenteuers wegen von jemandem zurückgelassen worden ist. Im Zentrum des Seminars steht die Auseinandersetzung mit der Tragweite dieses für die Bühne zentralen Handlungselements in narrativen Strukturen. Das Seminar versteht sich als Einladung an die Schauspiel-, Regie- und Dramaturgiestudierenden, anhand einer Auswahl dramatischer Texte ihren Umgang mit dem Kuß als kritischen Moment für Bühnensituationen zu schärfen. Es soll studiert werden, wie mit dem Kuß für Figuren der Zufall in ein Schicksal umschlägt. Das Seminar wird von einem Kolloquium begleitet, das eine Auswahl der dem Seminar zugrundeliegenden theoretischen Texte erläutert. Das Seminar will die Studierenden ermutigen, einen eigenständigen Zugriff auf die existentiellen Höhen und Tiefen dramatischer Texte zu suchen.
  • Literatur: Primärtexte: Die Auswahl der Texte wird zu Beginn des Semesters zusammen mit den TeilnehmerInnen des Seminars besprochen und festgelegt. Sekundärtexte: Cynthia Heimel: Sex Tips für Girls, Berlin 1986; Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe, Frankfurt/M. 1988; Peter von Matt: Liebesverrat. Die Treulosen in der Literatur, München 1989; Naomi Wolf: Der Mythos Schönheit, Hamburg 1991; René Girard: Das Heilige und die Gewalt, Frankfurt/M. 1992; Adam Phillips: Vom Küssen, Kitzeln und Gelangweiltsein, Göttingen 1997; Wolfgang Rath: Liebe. Die Geschichte eines Dilemmas, München 1998; Robert Greene: Power. Die 48 Gesetze der Macht, München 2001; Micheal Lukas Moeller: Wie die Liebe anfängt. Die ersten drei Minuten, Reinbek 2002; Robert Greene: Die 24 Gesetze der Verführung, München 2004; Pamela Paul: Pornified. How Pornography is damaging our lives, our relationships and our Families, New York 2005; Virginie Despentes: King Kong Theorie, Berlin 2007; Alain Badiou: Lob der Liebe, Wien 2011; Alexander Lacroix: Kleiner Versuch über das Küssen, Berlin 2013; Alain Badiou: Theater als Ereignis. Körper, Bretter, schwaches Licht – Vom lebendigen Erscheinen der Idee, in: Lettre International, Nr.106 (2014), S.24-37; Laurie Penny: Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution, Hamburg 2015; Peter von Matt: Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur, München 2017.
  • Credits: 2 Creditpoints
  • Bemerkung: Voraussetzungen zum Erwerb von Leistungsnachweisen: Regelmäßige Teilnahme und Beiträge zu „Signaturen“, dem Neowiki der Theaterakademie Hamburg. Die Anzahl der zu verfassenden Beiträge richtet sich nach dem jeweiligen Semester, in dem sich die / der Studierende befindet. Jemand aus dem ersten Semester geht mit einem Beitrag als Leistungsnachweis an den Start. Wohingegen jemand im sechsten Semester als schon Fortgeschrittene/r mit sechs Beiträgen höheren Ansprüchen genügen muß, um sich seine Creditpoints sichern zu können.
  • Module: Th-3