Kunst in/und Quarantäne

  • Dozentin: Katharina Alsen
  • Termin: Online-Theorieseminar: Mi, 14–15.30 Uhr (Beginn: Mi, 29. April, Plattform: Zoom). Um eine Anmeldung per E-Mail bis spätestens 23. April wird gebeten.
  • Raum: siehe Aushang
  • Dauer: 2 Semesterwochenstunden
  • Inhalt: «Immer noch ungewohnt: unsere Theater [...] nun als Orte der sozialen Stille und kulturellen Leere zu erleben. Unsere gesamte Kultur basiert auf Begegnung, auf Anwesenheit und lebendiger Präsenz.» (Axel Preuß, Intendant, Schauspielbühnen in Stuttgart) – «Es mag sein, dass es dem Theater auch guttun kann, einmal dazu verdonnert zu sein, nicht ständig Output produzieren zu müssen.» (Nicolas Stemann, Co-Intendant, Schauspielhaus Zürich) || Wie diese beiden Zitate zeigen, sind mit dem kulturinstitutionellen Shutdown im Rahmen der Corona-Krise unterschiedliche Reaktionen und Erwartungen verbunden: Sie reichen von klar diagnostizierten Problemen bis hin zu erkennbar werdenden Potenzialen, die mit der angeordneten sozialen Verengung und Entschleunigung einhergehen. Eine solche Vielfalt von Ansätzen, mit der Krisensituation umzugehen und Handlungs(un)fähigkeiten zu bewerten, kann künstlerisch und akademisch wirksam werden – insbesondere im Bereich des Theaters als genuin sozialer Kunstform. Die folgenden Fragen sollen im Seminar behandelt und mit der Lektüre von einschlägigen theaterwissen­schaftlichen und kunstsoziologischen Texten sowie aktuellen feuilletonistischen Positionen verbunden werden: 1) Wie können digitale Bühnen innovativ gedacht und bespielt werden? Welche Unterschiede weisen z.B. das Streamen von Inszenierungsaufzeichnungen und Live-Erlebnisse im virtuellen Raum auf? 2) Welche Veränderungen des «Storytelling» sind bei digitalen Theaterformaten nötig? 3) Welche neuartigen Rezeptions- und Wirkungsästhetiken sind mit Quarantäne-Kunst bzw. Isolation Art verknüpft? 4) Entsteht in den sozialen Medien unter neuen Hashtags wie #stayhomemakeart nur ephemere Kunst ohne Langzeit-Haltbarkeitsdatum? 5) Welche «Kleinformate» von Theater lassen sich für Regie- und Dramaturgiestudierende in der digitalen Lehre auch aus dem Home Office heraus umsetzen (z.B. Table-Top-Inszenierungen in der Tradition der britischen Künstlergruppe Forced Entertainment)? 6) Welche neuen Optionen ergeben sich für One-to-One-Begegnungen bzw. Einzeltheater in Zeiten von Kontaktsperren und Versammlungsverboten von Gruppen mit mehr als zwei Personen? Wie sind diese Anordnungen in einer «Gesellschaft der Singularitäten» (Andreas Reckwitz) zu verorten? 7) Welche Strategien der Kunstproduktion erweisen sich als sinnvoll (künstlerisches und kuratorisches Change Management): «Rausballern» neuer Formate oder eher «Abwarten»? 8) Welche Auswirkungen haben ggfs. bleibende Kontaktängste auf das Theater der Zukunft nach dem Shutdown? || Das Seminar wird gefördert von der Claussen-Simon-Stiftung.
  • Credits: 3 Creditpoints
  • Module: Dr-Th, Dr-W, Th-1, Th-2, Th-3, W-frei, W1, W2