Verbindungslinien III – The German (dis-)connection

  • Dozent: Prof. Sebastian Sprenger
  • Termin: Donnerstag, 10.30 - 12.00 Uhr
    Beginn: 13. 10. 2022
  • Raum: BP 201
  • Dauer: 1.5 Semesterwochenstunden
  • Inhalt: Im Fokus dieses dritten Teil des Verbindungslinien-Seminars stehen die wechselseitigen sowie – bedingt durch den dramatischen Einschnitt, den die nationalsozialistische Schreckensherrschaft in Deutschland auch musikgeschichtlich bedeutete – in ihrem Verlauf extrem wechselhaften Beziehungen zwischen dem in den USA entstandenen Jazz und der „E-Musik“ der deutschsprachigen Länder im 20. Jahrhundert.
    So wurden zwar im Jahr 1928 am Frankfurter Dr. Hoch’s Konservatorium die weltweit ersten Jazzstudiengänge ins Leben gerufen, unter Leitung des jungen ungarisch-britischen Komponisten und Cellisten Mátyás Seiber, seinerseits Schüler von Zoltán Kodály. Seibers 1932 komponierte zweite „Jazzolette“ stellt einen der frühesten Kreuzungs-Versuche zwischen Elementen der seinerzeitigen Jazz-Idiomatik und solchen der ebenfalls noch sehr jungen Zwölfton-Technik Arnold Schönbergs dar. Hitlers „Machtübernahme“ im folgenden Jahr bedeutete freilich für die dodekaphone ebenso wie für die Jazz-Szene in Deutschland das vorläufige Ende; zahllose bedeutende Protagonist:innen beider Sphären konnten ihre berufliche oder gar rein physische Existenz nur durch die Flucht, vor allem in die Neue Welt, retten. Hierdurch kamen im folgenden Jahrzehnt US-amerikanische Jazz-Studierende, vermittelt entweder durch Schoenberg (so die amerikanische Schreibweise) selbst oder durch seine Schüler, immer wieder in Kontakt mit zwölftönigem Gedankengut. In Brasilien wiederum erlernte der junge Antonio Carlos Jobim sein kompositorisches Handwerk u. a. bei dem ebenfalls aus Deutschland geflohenen Hans-Joachim Koellreuter, auch wenn es diesem – vielleicht glücklicherweise – nicht gelang, Jobim zur strengen Dodekaphonie zu bekehren; das musikalische Portrait der berühmten „Garota de Ipanema“ wäre anderenfalls sicherlich noch eine Spur kubistisch-abstrakter ausgefallen.
    Einzelne dieser musikalischen Verbindungslinien sollen in exemplarischen, auch vergleichenden Analysen nachvollzogen werden, wobei eigene Ideen und Themenvorschläge der Kurs-Teilnehmer:innen ausdrücklich erwünscht sind!
  • Literatur: Knauer, Wolfram: »Play yourself, man!« − Die Geschichte des Jazz in Deutschland. Stuttgart 2019

    Schatt, Peter W.: „Jazz” in der Kunstmusik. Kassel 1995

    Stuessy, Clarence Joseph: The Confluence of Jazz and Classical Music from 1950 to 1970, Rochester (NY) 1977

    Weiss, Miriam: „To make a lady out of jazz” − Die Jazzrezeption im Werk Erwin Schulhoffs. Neumünster 2011
  • Credits: 3 Creditpoints
  • Bemerkung: Lehrangebot für BA- und MA-Studierende aller Fachrichtungen. Anmeldung mit Angabe des Studiengangs unter sebastian.sprenger[at]hfmt-hamburg.de bitte bis 12. 10. 2022. Leistungsnachweis: Teilnahme an 85% der Lehrveranstaltungen; Referat oder schriftliche Hausarbeit.
  • Module: Mth-1-Instr-MM, Mth-2-KM-A, W-frei