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Dimensionen des Romantischen. Eine Spurensuche

Ringvorlesung: Romantischer Aufruhr

Prof. Frank Böhme, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Mittwoch 11.04.2018 18:00
HafenCity Universität Hamburg, Raum 150

Eine Spurensuche zwischen Aufbruch, Empfindsamkeit und Sentimentalität

„Glotzt nicht so romantisch!“ heißt es im ersten Akt
von Brechts „Trommeln in der Nacht“. Anfang der
20iger Jahre galt die Verbalattacke der Münchner
Bürgerlichen Gesellschaft. Diese ahnte noch nicht,
dass hier das Samenkorn von Brechts späteren
epischen Theaterstils erste Blätter zeigte. Was bewog
den Autor sich derart vehement gegen „das
Romantische“ zu wenden? Was ist und was war
Romantik?

Im Sommersemester wagen wir einen Blick auf
die Spielarten der romantischen Bewegung: Der
Zeitraum von 1770 bis 1840 ist in der deutschsprachigen
Literatur von einer immensen Produktivität
gekennzeichnet. Die Lebensdaten von einigen der
wichtigsten Autoren sind hier zu finden: Kleist,
Novalis von Arnim, von Chamisso, Eichendorff....
Diese siebzig Jahre (Reinhart Koseleck nennt sie
„Sattelzeit“) geben wesentliche Impulse für den
Beginn der modernen bürgerlichen Gesellschaft.
Die Französische Revolution von 1789 wird von
den Zeitgenossen als entscheidendes Ereignis
wahrgenommen. Mit ihr geht das Bewusstsein
einher, dass ein „Neue Zeit“ anbricht. Politische
und gesellschaftliche Erfahrungen werden erstmals
als Beschleunigung wahrgenommen. Dieser neue
Zeitbegriff durchzieht viele Bereiche des öffentlichen
und intellektuellen Lebens.
Im Fahrwasser der Beschleunigungstendenzen
etabliert sich auch die Gegenbewegung. Sie setzt
auf Langsamkeit und Wiederholung. Gegen den
Rationalitäts- und Transparenzglauben der Aufklärung
postulierten die Kunstschaffenden das
Geheimnishafte der Welt und starten den Versuch,
die Wirklichkeit in Poesie zu verwandeln. Die Philosophie
wendet sich von den klassischen Vorbildern
der Antike ab (Schlegel). Der Begriff der geistigen
Produktivität erhält eine Umwertung und wird
auf die Ästhetik übertragen die damit zur neuen
Leitdisziplin avanciert. Der traditionellen Naturnachahmung
wird die Produktivität des Künstlers
in seiner originären Wahrnehmung gegenübergestellt
oder mit den Worten von Novalis: „Der
Künstler selbst, nicht die Natur, produziert das
Schöne.“ Eine Empfindsamkeit rückt in das Zentrum
der künstlerischen Produktion und Reflexion.
Das Romantisieren wirkt sich tief in den Alltag der
Menschen aus: Das Romantische Erbe hat im zeitgenössischen
Kontext Hochkonjunktur. Dabei ist es
besonders die Werbeindustrie die, die Trennlinie in
das Feld des Kitsches verschoben hat. Oder ist dies
eine irrige Beobachtung?

Koordination
Prof. Frank Böhme, Hochschule für Musik und
Theater Hamburg / Dr. Antje Helbing, HafenCity
Universität Hamburg / Daniela Steinke, Dipl.-Theol.,
Zentrum für Weiterbildung, Universität Hamburg

Eintritt frei