zweiStundennachMitternacht

zwei Stunden nach Mitternacht

Ein Abgesang mit Musik von Henry Purcell und Wilfried Hiller

Bachelorabschluss Regie Musiktheater von Maurice Lenhard

Samstag 22.06.2019 20:00
Theater in der Marzipanfabrik, White Hall

„In meinem Ende ist mein Anbeginn...“ (Stefan Zweig nach Maria Stuart)
Nach neunzehnjähriger Gefangenschaft wird Maria Stuart am 8. Februar 1586 hingerichtet. 45 Lebensjahre haben ausgereicht, um aus einem Menschen eine Figur zu konstruieren, die voller Projektionen und Kontroversen steckt. Wörter wurden ihr im Mund verdreht, ganze Korrespondenzen womöglich erfunden. Maria, die Märtyrerin. Die Mörderin. Die Liebhaberin. Damals Schmähbriefe, heute shitstorm, fake news, tendenziöse Berichterstattung. Das Medium hat sich geändert, die Message bleibt alt.
Auf Grundlage von Briefen aus ihrer Zelle und anderen Maria Stuart zugeschriebenen Texten, komponierte Wilfried Hiller 1974 sein Monodram für Schauspielerin und Schlagwerk „An diesem heutigen Tage“, das die letzten Stunden im Leben der Königin hör- und erlebbar machen soll. Denn auch ihr Tod sollte noch Teil einer vollendeten Inszenierung sein. Er sollte ein Fest, der Triumph einer Märtyrerin sein.
Für eine ähnliche und doch ganz andere Zeremonie schrieb Henry Purcell 1695 die Musik: vor der Westminster Abbey liegt ein Meer von Blumen durchbrochen von Inseln aus Briefen. Auch diejenigen, die den Sarg nicht aus der Nähe sehen können, wollen ihre Trauer zum Ausdruck bringen. Wie nach dem tragischen Unfall von Princess Diana 1997 lag Großbritannien nach dem Tod von Mary II. in tiefer Trauer. Ihr Mann William III. hätte es gerne bei einem kleinen Begräbnis innerhalb der Familie belassen, die außerordentliche Beliebtheit seiner Frau in der Bevölkerung setzte ihn jedoch unter Druck, den Tod von Queen Mary mit einem Festakt zu zelebrieren.
Mit „zwei Stunden nach Mitternacht“ widmen wir uns nicht der bloßen Abbildung zweier historischer Königinnen, sondern benutzen ihre Lebens- und Todesumstände als Assoziationsraum über den unaufhörlichen Drang unsere Realität zu manipulieren und neue Realitäten zu inszenieren. Nutzen wir die Stunde Null im Leben dieser Frauen und suchen nach den Menschen hinter den Konstrukten.


Mit: Benjamin Boresch, Pia Carlotta Hansen, Luciano Lodi, Sarah Zelt und Ljuban Zivanovic

Es spielen Instrumentalist*innen der HfMT Hamburg

Regie: Maurice Lenhard
Musikalische Leitung: Bar Avni & Nicolas Kierdorf
Raum: Malina Raßfeld
Kostüm: Christina Geiger
Mitarbeit Raum: Anna Pelz
Regieassistenz: Matthias Piro

Eintritt: 20,00 EUR
Ermäßigt: 6,00 EUR

www.theater-in-der-marzipanfabrik.de/karten

Eine Abschlussinszenierung der Theaterakademie Hamburg, Hochschule für Musik und Theater, im Rahmen der Reihe junges forum Musik und Theater