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China - Perspektiven der Vieldeutigkeit

Ringvorlesung

"Die Beijing Oper" - Prof. Frank Böhme, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Mittwoch 13.05.2020 18:00 - 19:30
HafenCity Universität Hamburg, Raum 150

Vor dem Hintergrund der Infektionsausbreitung des Coronavirus in Deutschland wird die Veranstaltung abgesagt.

Die chinesische Kultur ist im Laufe der Geschichte
schon häufiger mit der westlichen Kultur in Berührung
gekommen und hat dabei eine beachtliche Assimilationsfähigkeit bewiesen. Aus dieser heraus entwickelten sich zwei kulturelle Entwicklungsstränge:
die radikale Variante sah eine komplette Kulturübernahme des „modernen“ Westens vor. Die moderateren Kräfte hingegen gründeten ihre Ansätze auf den geistigen Grundlagen des Konfuzianismus und wollten die Assimilation westlichen Wissens auf die Bereiche der Technik und der Verwaltung begrenzt wissen. So gesehen, ist die gesellschaftliche Modernisierung Chinas bis in die Gegenwart hinein,
ein filigranes Ausbalancieren des “Chinesischen“ mit dem „Westlichen“.
Für einen europäischen Blick auf das chinesische Kulturschaffen bedeutet dies: Nicht im Verstehen des „Anderen“ oder die bloße Inspiration durch
das „Fremde“ ist die Zukunft, sondern vielmehr im gemeinsamen reflektieren.

Die interkulturelle Rezeption schließt jedoch eine
implizite Wertung ein. Dieser be- oder unbewusste Vorgang speist sich aus der Tatsache, dass Rezipienten versuchen ein Vokabular zu entwickeln, das
auf beide Kulturen angewandt werden kann. Um diese Begrifflichkeiten jedoch zu erlangen, ist eine
selbstkritische Reflexion nötig. Hans Georg Gadamer bezeichnete diesen Vorgang (auf das Verstehen historischer Prozesse gemünzt) „Verschmelzung […] vermeintlich für sich seiender Horizonte“. Charles Taylor übertrug diesen Gedanken auf das transkulturelle Verstehen. „Wir lernen uns in einem erweiterten Horizont zu bewegen, indem wir das, was uns vorher als die selbstverständlichen Koordinaten unserer Urteile erschien, nun als mögliche Koordinaten neben denen der uns bislang nicht vertrauten Kultur wahrzunehmen vermögen.“

Die Ringvorlesung richtet ihren multiperspektivischen Blick in diesem Semester auf China und versucht sich diesem Land zu nähern.

Koordination
Prof. Frank Böhme, Hochschule für Musik und
Theater Hamburg / Dr. Antje Helbing, HafenCity
Universität Hamburg / Daniela Steinke, Zentrum
für Weiterbildung, Universität Hamburg

Eintritt frei