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SPIIC Lecture Concert no.11

parole: Lautpoesie und Musik

Eine Lecture-Performance von und mit Elke Schipper – Konzepte, Texte, Stimme, Patrick Crossland – Posaune, Michael Griener – Schlagzeug, Perkussion

Montag 04.07.2022 19:30
HfMT, Multifunktionsstudio

Der Titel des SPIIC Lecture Concert no.11 greift mit parole den Begriff von Ferdinand de Saussure für gesprochene Sprache auf. Das gesprochene Wort setzt den Klang der Sprache frei, macht sie zu einem offenen dynamischen Prozess, der den Transfer von Bedeutung mit akustischen Ereignissen einher gehen lässt. Lautpoesie widmet sich dieser sinnlichen Textur von Sprache. Sie begibt sich in das Spannungsfeld zwischen der Wirklichkeit des Wortes und der von diesem mitgeteilten Wirklichkeit. Diese Wirklichkeiten werden zerlegt, montiert, collagiert und transformiert. Das treibt sprachliche Konsistenzen und Energien an die Oberfläche, die häufig nach grenzgängerischer Artikulation verlangen. In diesen vitalen Qualitäten treffen Sprache und Musik aufeinander – entfalten doch beide ihr Drama als verwandtes zeitliches Voranschreiten in Tempi, Rhythmen, Metrum, Klanggeste, Tonfall, Melos und können auf diesen gemeinsamen Parametern zu archaischer Verständigung miteinander finden. Dabei kann ein Wort semantisch sinnlos, doch musikalisch sinnhaft werden. Der Umgang von Sprache und Musik miteinander umschifft die Grenze zwischen beiden.

Elke Schipper arbeitet seit 1976 als freie Autorin zu bildender Kunst, zeitgenössischer Musik und einer ästhetischen Theorie der künstlerischen Improvisation. Sie war/ist Kuratorin zahlreicher Ausstellungen, Konzerte und Festivals, seit 1974 tritt sie mit eigener Lautpoesie auf, mit der sie in internationalen Anthologien vertreten ist. Seit 1986 stellt sie unter dem Titel contrescript ihre visuelle Poesie aus. Als Vokalistin ist sie seit gut zehn Jahren in verschiedenen Formationen präsent, ist auf CDs dokumentiert.

Michael Griener erlernte sein Instrument autodidaktisch. Instanzen seines Lernens waren die eigene Suche nach Musik und sein Hören. Seine Nähe zum Jazz lässt ihn vor allem in Konstellationen präsent werden, die dieses Idiom weiterleben. Er arbeitet/e mit einer Vielzahl von Musiker*innen, kontinuierlich u. a. mit Rudi Mahall, Jan Roder, Günter Christmann, Axel Dörner, Alexander von Schlippenbach. Er konzertiert/e weltweit und ist auf zahlreichen CDs dokumentiert. Er lehrt an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (Dresden) und der Jazzschule Berlin.

Patrick Crossland spielte nach klassischer Ausbildung zunächst in verschiedenen Orchestern, bevor er sich vorrangig Werken der zeitgenössischen Musik widmete. Er arbeitete u. a. zusammen mit Vinko Globokar und Marco Stroppa, ist u. a. Mitglied im Ensemble laboratorium und bei zinc & copper works und führt eigene Multimedia- und Elektronik-Solo-Performances auf. In den letzten Jahren wurde zunehmend auch das frei improvisierende Spiel Teil seines musikalischen Lebens und er arbeitet/e auch hier mit zahlreichen Musiker*innen, u. a. mit Jack Wright, Alexander Frangenheim, Günter Christmann. Patrick Crossland ist Dozent an der Universität von Maryland in Baltimore/USA.

Das Studio für Polystilistische Improvisation und Interdisziplinären Crossover (SPIIC) ist ein Teilprojekt der Innovativen Hochschule / Stage_2.0 und erforscht unter der Leitung von Vlatko Kučan die Improvisation in Theorie und Praxis - ausgehend von der Überzeugung, dass Improvisation ein bedeutendes Handlungsmodell und Aktionsfeld für künstlerisch-kreative Praxis, soziale Interaktion und interdisziplinäre Forschung (critical improvisation studies) darstellt. Neben der Arbeit mit dem SPIIC Ensemble, das sich aus Studierenden verschiedener Fachbereiche zusammensetzt, werden im Rahmen von SPIIC fortlaufend Lecture Concerts und auch größere Konzert-Projekte veranstaltet.

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Vlatko Kučan
musician, improvisor, music therapist, educator

SPIIC (Studio for Polystilistic Improvisation
and Interdisciplinary Crossover) at HfMT Hamburg

Eintritt frei