2022-10-16 Kiezstürmer 1

KIEZSTÜRMER 2022

Das Festival der jungen Regisseur:innen

Montag 17.10.2022 17:00
St. Pauli Theater

Seit 2005 stellt Hausherr Ulrich Waller an einem Herbstwochenende Regiestudierenden sein Theater zur Verfügung. „Die Kiezstürmer – Das Festival der jungen Regisseur:innen“ ist eine Plattform, in der Studierende, kurz vor ihrem Abschluss, ihre Ideen auf einer klassischen Bühne realisieren können.

In diesem Jahr stellen Sophie Glaser, Maciek Martos, Fabian Thon und Yida Guo ihre Arbeiten vor.
Künstlerische Leitung: Ulrich Waller, Karin Nissen-Rizvani

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Die Produktionen

ORLANDO / ORLANDO (nach Virginia Woolf)
Regie: Sophie Glaser

Das künstlerische Team steht zur Zeit vor einer Schwierigkeit, die es vielleicht besser ist einzugestehen, als stillschweigend darüber hinwegzugehen. Bis zu diesem Punkt des Inszenierungsprozesses der Lebensgeschichte Orlandos haben Dokumente, private wie auch historische, Literarisches, VHS-Kassetten, Fotos, Tonbandaufnahmen usw. usw. es uns möglich gemacht, unsere erste Pflicht zu erfüllen, welche darin besteht, ohne nach rechts oder links zu sehen, in den unauslöschlichen Fußspuren der Wahrheit (in Virginia veritas) zu stapfen; unverlockt von Blumen; ungeachtet der Schatten; methodisch immer weiter und weiter, bis wir plumps ins St. Pauli Theater fallen und schließlich finis auf der Übertitelprojektion erscheint. Unsere schlichte Pflicht ist es, die Fakten darzulegen, soweit sie bekannt sind, und es euch zu überlassen, daraus zu machen, was ihr mögt. (vgl. Woolf, S.45)

Mit: Paula Weber und Yann Mbiene
Regie und Bühne: Sophie Glaser
Kostüm: Henriette Weber
Dramaturgie: Sarah Heinzel


„Das weiße Dorf“ von Teresa Dopler
Regie: Fabian Thon

Ruth und Jean haben sich mal für ein paar Monate gekannt. Sieben Jahre später treffen sie bei einer Amazonas-Kreuzfahrt wieder aufeinander — neu verpartnert, beruflich erfolgreich und noch immer jung. Das Klima ist herrlich, der Service großartig, ihre Mitreisenden sind sympathisch und zufrieden. Alles funktioniert reibungslos. Ruth und Jean haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Sonst wären sie schließlich nicht hier.
In 33 scheinbar ungezwungenen Miniaturen zeichnet die österreichische Autorin Teresa Dopler das Bild einer Gesellschaft, in der die Anleitung zum Glück nicht aufgeht, sondern lähmt. Unentwegt ringen ihre Figuren mit dem Verlangen, sich der Erschütterung durch den Anderen hinzugeben – und der tiefen Angst, sich dabei selbst aufgeben zu müssen. Das weiße Dorf ist ein Appell zum Schwachwerden. Wie können wir den Mut aufbringen, uns als fehlbar gegenüberzutreten und gemeinschaftlich zu handeln?

Mit: Anne Weise, Leon Rüttinger
Regie und Bühne: Fabian Thon
Kostüm: Lucia Schütz
Musik: Dorian Behner
Gesang: Melissa Wedekind
Dramaturgie: Mara Nitz


像 [Xiàng]
Regie: Yida Guo

Südwestchina 2021: Eine Herde von 15 Elefanten wandert in einer 17-monatigen Reise 500 km von ihrem eigentlichen Lebensraum weg. Ein Elefant sondert sich im Verlauf ab und entfernt sich vom Rest der Gruppe.

Ausgehend von dieser Geschichte spürt Yida Guo den Reisen seiner eigenen Familie und den Auswirkungen individueller Reiseerfahrungen nach. In der Verbindung von Mensch und Elefant wirft die Performance auch ein Licht auf das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Lebensentscheidungen und dem Wunsch nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Schließlich stellt sich die Frage nach Guos eigenen Reisen und dem Verhältnis zu seiner Familie.

Regie und Performance: Yida Guo
Musik: Xinghan Ren
Künstlerisches Team: Simone Ballüer, Yida Guo, Amelie Werner



ABIKALYPSE
Regie: Maciek Martios

Draußen: entwurzelte Bäume, vom Himmel fallende Vögel, eingestürzte Häuser und Feuer – drinnen: warmer Atem im Nacken, ein Flüstern im Ohr, ein kalter Schauer, der den Rücken hinunterläuft.
Die Apokalypse naht. Und im St. Pauli Theater, das zum letzten safen Ort erklärt wird, findet eine offizielle Schulabschlussfeier statt. Doch die Gemeinschaft birgt Geheimnisse: Verpasste Träume, eingeschriebene Hierarchien und Gossip bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche und wenn schon alles zu Ende geht, warum nicht noch ordentlich auf den Putz hauen?!
Zwischen High School Horror-Vibes, Reiter*innen der Apokalypse und der Party am Ende der Welt fragen wir uns, was im Angesicht des Todes unausweichlich ist: Das letzte Aufbäumen des Aktivismus? Freude, weil der Scheiß endlich vorbei ist? Oder Eskapismus und Party?
Nichts mit “In jedem Ende steckt ein neuer Anfang” und “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” - feiert mit uns die Zeugnisübergabe am Ende der Welt und kommet in Scharen in euren liebsten 80s-Trash-Klamotten. Es wird bunt, es wird ernst und ganz bestimmt absurd.

von und mit: Julia Berchtold, Pepe Harder, Christine Korfant, Linda Lou Dierich-Matzke, Marco Merenda, Willi Mend, Lennart Nielsen, Moshe Trost
Regie: Maciek Martios
Bühne: Pertti Hagelstein, Hülya C. Braasch
Kostüm: Lisa Jaschke
Kostümassistenz: Julian Phillip Hirsch
Sound Design: Carmen Kleykens Vidal
Dramaturgie: Amelie Werner

Tickets gibt es über 040/4711 0 666 oder st.-pauli-theater.de
Einzelvorstellung 9 €
Festivalticket je Tag 16 €
(zzgl. Gebühren)

Freie Platzwahl

In Kooperation mit dem St. Pauli Theater
Unterstützt durch: ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und die Hamburgische Kulturstiftung