ZEITBRENNT
Foto: Daniel Schlegel

ZEIT BRENNT. Rainer Werner Fassbinder

Studienprojekte III Regie Schauspiel

Donnerstag 05.07.2018 19:00
Thalia in der Gaußstraße

„Das Einzige, was ich akzeptiere, ist Verzweiflung.“

Eine neue Regiegeneration setzt sich mit Fassbinder, einem der bedeutendsten Dramatiker und Filmemacher der Bundesrepublik, auseinander. Fassbinders Theaterstücke und Filme sind Anlass zu Kontroversen. Der 3. Jahrgang „Regie Schauspiel“ und der Masterstudiengang „Dramaturgie“ der Theaterakademie Hamburg findet im Werk von RWF sein Material für eigene Projekte: Emotionale Ausbeutung als Grundlage von Beziehungen, die Ehe als Institution, gekoppelt an staatliche Interessen, ökonomischer Leistungsdruck in einem System, das nur scheinbar freie Entscheidungen ermöglicht.


19:00 Uhr Auf dem Mond, weil es so schmerzhaft wäre wie auf der Erde

"Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen.
Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd." (Christa Wolf)

In einer fernen Stadt, die so unbewohnbar scheint wie der Mond, treffen skurrile Gestalten aufeinander: Vier Prostituierte warten auf Kundschaft. Eine von ihnen Roma B., die ihre karge Ausbeute am Ende des Tages ihrem Freund und Zuhälter Franz B. übergibt und im Gegenzug Schläge erhält - eine der hier gültigen Liebeswährungen. Hinzu kommt der jüdische Immobilienspekulant Anton Saitz, in Begleitung eines Zwerges. Anton sieht in Roma mehr als die anderen Freier und macht sie dafür reich. Franz B. wiederum findet immer größeren Gefallen an ihren Freiern. Romas Vater, Müller, tritt im Rotlichtmilieu als Transvestit auf, entlarvt sich jedoch im Tageslicht als nationalsozialistischer Technokrat und potentieller Mörder der Eltern von Anton Saitz. Die Rollen sind verteilt, die Regeln klar gesetzt.

Wie Figuren eines Spiels, bewegen sie sich in einem eng geschnürten System. Verbunden sind sie nicht nur durch ein Geflecht von Abhängigkeiten und Zuschreibungen, sondern auch durch ihre ge-meinsame Geschichte. Wie verhält man sich, wenn der Ballast der Vergangenheit plötzlich spürbar auf den eigenen Schultern lastet und einen die Taten der Vorfahren nachts nicht mehr schlafen las-sen?

Fassbinders meist diskutiertes Stück ist Gegenstand von Rieke Süßkows drittem Studienprojekt an der Theaterakademie Hamburg. Das Stück fordert heraus, wirft wichtige Fragen auf und ist damit aktueller denn je, in einer Zeit, die brennt.

Regie: Rieke Süßkow
Bühne: Lukas Fries
Kostüm: Marlen Duken
Dramaturgie: Finnja Denkewitz, Katharina Fröhlich
Musik: Janosch Pangritz, Merlind Pohl
Regieassistenz: Lea Röschmann
Regiehospitanz: Jacopo Asam
Bühnenbildassistenz: Jana Mehner, Hilke Fomferra
Kostümbildassistenz: Mahkam Khakpour, Denise Agyei-Manu, Coline Jud
Mit: Aleksandra Corovic, Linda Gunst, Rebecca Junghans, Max Kurth, Alexander Merbeth, Merlind Pohl, Friedrich Richter, Julia Carina Wachsmann, Richard Zapf
Aufführungsrechte: Rainer Werner Fassbinder Foundation

21:00 Uhr wenn du leidest, bist du schön

„Meine Art, Sachen zu sehen, findet zwar auf einem anderen Gebiet statt als bei anderen Leuten, aber es sind letztlich dieselben Erfahrungen. Darum meine ich, wenn ich eine Geschichte sehr persönlich erzähle, stimmt sie für mehr Leute, als wenn ich versuche, sie allgemeingültig zu erzählen.” (R.W.F)

Ein junger israelischer Künstler emigriert nach Deutschland und begibt sich auf die Spuren von Rainer Werner Fassbinder, Regiegröße des deutschen Films, bekannt für Machtexzesse und Liebestaumel. Dieser macht ihn schließlich mit dem besten, hinterhältigsten und wirksamsten Instrument gesellschaftlicher Unterdrückung vertraut, der Liebe, und verrät ihm ein Geheimnis: Die Intimität von heute ist die Romantik von morgen. Die Romantik von heute ist die Intimität von gestern. Was Intimität bedeutet, wissen wir, aber wie lässt sie sich herstellen? In Form einer Stückentwicklung beginnt der Versuch einer Annäherung an die eigenen Biographien, an die Grenze zwischen Privat und Öffentlich und an die große Frage danach, was es heißt, in Zeiten von Radikalisierung und Angst vor dem Fremden eine Beziehung zu führen.

Regie: Dor Aloni
Co-Autor: Raban Witt
Bühne: Raphaela Andrade Cordova, Mara Pieler
Kostüm: Magdalena Vogt, Mascha Frey
Dramaturgie: Theresa Schlesinger
Musik: Jan Wegmann
Regieassistenz: Lucca Pawlik
Mit: Miguel Jachmann, Magdalena Lermer, Lisa Tschanz, Paula Weber

Eintritt: 22,50 EUR
Ermäßigt: 16,50 EUR

10,00 Euro / ermäßigt 7,00 Euro pro Einzelvorstellung
Beim Kauf von zwei oder drei Vorstellungen am selben Tag nur 7,50 Euro / 5,50 Euro pro Vorstellung

Karten unter: 040.32 81 44 44
www.thalia-theater.de

Studienprojekt III Regie Schauspiel der Theaterakademie Hamburg, Hochschule für Musik und Theater, in Kooperation mit der Bühnenraumklasse der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (HfBK), den Fachbereichen Gestaltung/Kostümdesign der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und dem Thalia Theater.

Betreuende Dozierende: Matthias Günther, Julia Hölscher, Dorothea Ratzel, Sybille Meier